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168_No Burger!

Nun bin ich seit gut einer Woche hier und mittlerweile in Amerika und habe zu meiner großen Überraschung eins noch nicht annähernd gefunden: Einen ordentlichen Supermarkt! Ich lebe seither von einem Pack Vollkornbrot, Kräuter-Philadelphia und ein paar Salamistangen, die ich mir – dem Himmel sei Dank – als Reiseproviant in Vancouver noch zugelegt habe. Mir wär aber so langsam mal nach etwas „Grünem“! Aber heute Früh wird daraus wohl nichts mehr. Ich habe einen netten Campingplatz gefunden, dessen Tankstelle mein einziger Hoffnungspunkt ist: Vielleicht gibt´s dort im Café ja Veggie-Bagels?

Es gibt nicht einmal Kaffee im Café! Ich überlebe also durch Tee und einen fluffigen süßen Kringel, der sich Zimt-Rolle nennt und eigentlich nichts anderes ist als ein Krapfen mit einem Loch. Ohne Marmelade. Klar: Die ist im Loch. Das Ding ist so süß, dass ich mir noch eins davon auf gar keinen Fall zumuten kann. Obwohl ich mich mengenmäßig noch nicht gerade überfressen habe… Und so kommt es, wie es kommen musste: Eine Stunde später knurrt mich mein Magen auf den Abbiegestreifen und lenkt mich direktamente zum McBurgerladen. Erst habe ich schon ein bisschen gezögert. Aber dann hab ich mir gedacht: Was soll´s! Wer schon beim Frühstück sündigt, braucht eine Stunde später nicht so anständig tun. Geben wir dem Ernährungsbewusstsein mal richtig eins auf den Latz; diesem immerzu mosernden, langweiligen, prüden Typen, der keine Ahnung hat von La Dolce Vita! Ran an´s Burgerbuffet!

Schwungvoll ziehe ich die Eingangstür auf und schreite entschlossen an den Bestelltresen. Wie sich das gehört, blicke ich erst mal voller Vorfreude auf das bunte Bildertableau über den wartenden Damen. …doch…Moment…was ist denn das? Dort, wo sich sonst die Mäc Menüs gegenseitig übertrumpfen hängt hier irgendwie alles voller dampfender Kaffeetassen und Frühstückseier! Ich trete erst mal zurück und lasse ein paar McVersiertere vortreten. Ich studiere gründlich den Aushang…Und da, endlich! Im Kleingedruckten finde ich mein zweites Frühstück: „Einen Double-Cheseburger und kleine Pommes bitte!“ – „Ahhhm, eigentlich sind wir auf Frühstück…“ Ja wunderbar, denke ich mir, auf Frühstück bin ich auch aus! …oder… das soll wohl heißen: „No burgers?“ – „No burgers!“ – […] – „Und Pommes?“ – „No fries!“ … nicht vor Elf jedenfalls!

Ich erinnere mich dunkel an einen uralten TV-Schinken mit Michael Douglas. „Falling down“. Da steht er wie ich an der Kasse und – in seinem Falle umgekehrt – will noch kurz vor Elf ein Frühstück. Doch ehe er bestellen kann, schlägt die Uhr Eins nach und er kriegt nichts als das Nachsehen. Der Film wird ab da erst richtig gut. Doch ich muss mich jetzt erst mal völlig neu organisieren… Wer hätte das je für möglich gehalten: Man geht zum Goldenen „M“ und kriegt weder einen anständigen Burger noch Pommes! Ja ist das denn zu fassen?

Jedenfalls trotte ich etwas verdattert wieder zurück zum Rad, krame mir eine Scheibe Vollkornbrot aus meinen Plastikbeuteln, etwas Philadelphia drauf und einen Apfel dazu. Dann setze ich mich auf den Randstein vom Drive-Through und nage mich missmutig zum Butzen vor. Und ich brauche nicht mal zur Seite sehen um zu wissen, dass dort mittlerweile auch schon der prüde Langweiler hockt und mir selbstgefällig den Stinkefinger zeigt…

 

Port Hadlock (Zelt)

Tages-Km: 62,81km / -Zeit: 4:00h / -Höhenmeter: 473m

Gesamt-Km: 9.727km / -Zeit: 681:51h / -Höhenmeter: 88.135m

 

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