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170_Der kleine Wassermann

Zeit, mal über die Bedingungen hier zu sprechen. Ich habe eigentlich großes Glück, denn das Wetter spielt gut mit bisher! Bin bei strahlendem Sonnenschein und hellblauem, wolkenlosem Himmel gestartet. Doch dann wurde es langsam ein bisschen herbstiger: Neblig, dick bedeckter Himmel, aber noch kein Regen. Doch der hat mich heute Nacht erreicht. Naja, nicht ganz: Ich durfte bei Steve unter´m Carport mein Zelt aufschlagen. Also ist alles trocken geblieben. Aber zum ersten Mal habe ich die Regenhose und die Leuchtjacke rausgezogen, als es dann in die Welt hinaus ging. Iiiiiigittigittigittigitti… 1A Schmuddelwetter! Nieselregen und um halb elf, als ich erst so richtig los kam, war es noch so dunkel wie sonst in der Früh um Acht! Ich müsste euch schon sehr dreist in die Zeilen lügen, wenn ich behauptete, dass bei solchen Bedingungen die Radlerei noch richtig Spaß macht!

Aber dafür habe ich ja eine Traumschwester, die mir in weiser Voraussicht für solche Situationen die Rettung in die Taschen gesteckt hat: Der kleine Wassermann. Vor Otfried Preussler, aber als Hörbuch. Es war perfekt, sag ich euch! Die Straße war so ruhig, um mich herum alles neblig, links von mir ein geheimnisvoller Seitenarm des Pazifik, rechts Wald. Es war buchstäblich Mächenhaft! Ich hörte der Lesung von Florian Lukas so gespannt zu, dass ich nicht einen Augenblick mehr an das Wetter dachte. Erst als der kleine Wassermann das erste Mal den Regen kennenlernen will, ans Ufer steigt um ihn zu suchen und schließlich beginnt zu rufen: „Regen? Regen…wo biiiist duuu?“ Ja, richtig, wo ist er eigentlich? Weg war er! Und man konnte sogar schon die Bemühungen der Sonne spüren, die dicke Wolkendecke aufzusprengen.

Das dauerte noch ein paar Ritzel, doch schließlich siegte sie – yeaah! Der Rest des Tages war fantastisch! Bunte, knisternde Blätter, Wälder, ein See und total ruhige Straßen. Amerika ist damit das, was ich mir eher von Indien erwartet hätte. Für einen Moment hatte ich mir vorgestellt, es würden jetzt überall vor mir – links und rechts am Straßenrand – wuselige Inder ihren Tagesgeschäften nachgehen… nein, lieber nicht. Hier ist es so herrlich ruhig. Hier ist es, wie man es sich zum Radeln wünscht. Hier ist alles gut!

Den krönenden Abschluss des Tages gab mir der Schafer State Park. Solche State Parks gibt´s hier bald wie Sand am Meer! Und man muss sich die so vorstellen wie einen Stadtpark, bloß draußen in der Prärie. Wanderwege und das große Plus für mich: Picknick-Plätze mit Toilettenhäuschen (und Klopapier!), Mülleimer, Feuerstellen, fest installierte Grillplätze und die offizielle Erlaubnis zu campen. Manchmal gibt es sogar Duschen. Die kosten dann allerdings. Aber für mich sind im Moment die Picknick-Häuschen Gold wert. Da stelle ich nämlich mein Zelt direkt in das Häuschen und habe erstens ein bisschen wärmer während der Nacht und zweitens in der Früh kein nasses Zelt. Ach, Amerika, ich glaube ich bin verliebt! Das Leben ist schön!

 

Schafer State Park (Zelt)

Tages-Km: 77,73km / -Zeit: 4:42h / -Höhenmeter: 491m

Gesamt-Km: 9.871km / -Zeit: 691:17h / -Höhenmeter: 89.371m

 

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4 Gedanken zu „170_Der kleine Wassermann“

  1. Liebe Angela ,
    Schön, dass du den 2. Teil deiner Weltreise angetreten hast. Ich wünsche dir dafür alles Gute, schöne Erlebnisse und allzeit gastfreundliche Leute . Werde dich in Gedanken begleiten und freue mich heute schon über deine spannenden Berichte . Mach’s gut . Liebe Grüße aus SF von Daniela

    1. Hallo Daniela,
      ich freue mich, dass du wieder fleißig mitliest und hoffe, ich kann dir viele, spannende Betthupferl-Geschichten liefern! Viele Grüße (auch bald aus SF – San Francisco), Angela

  2. I met you at the coffee shop and I just want you to know I’m praying for safe travels for you! What a wonderful and exciting journey you are taking. Good luck! 🙂

    1. Hey Rebekah! I remember a very comfortable and warm morning there in the cute coffee shop! It was good talking to you and seeing you to be so much interested in my trip. Thank you and welcome on the blog!

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