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171_Nah am Wasser gebaut

Was für ein Hohn! Kaum hatte ich den Blog abgesetzt und mich wieder auf den Sattel geschwungen, holte mich ein Tropfen ein. Und noch einer. Und noch einer! Ganz feine zwar nur, aber nach und nach machen auch die Nieselsprüher nass. Also: Regenhose raus. Leuchtjacke an, Kaputze drüber. Musik rein. Der kleine Wassermann, Teil 2.

Bis auf ein kleines Wolkenloch, das den feuchten Himmelsgruß gerade für die kurze Pause eines Avocado-Salami-Brotes zurückhielt, wurde es bis heute Abend nicht mehr besser. Nun, immerhin: Es hörte tatsächlich auf zu pieseln. Aber mein Schlafplätzchen war heute in einer Art Yacht-Werft mit Campingangebot für Wohnmobile auf dem Parkplatz: Irgendwo hinten im knöchelhohen Gras, wo man mich nicht so leicht sieht und alles vom Regen natürlich patschnass ist. Aber wer um diese Jahreszeit auf Reisen geht, sollte sich darüber nicht beschweren…

Und darum tu ich das auch nicht. Ich erzähle es euch nur. Damit ihr einen Eindruck kriegt, was eine Fahrradtour genau bedeutet: Man kommt nicht von einem nass-kalten Herbstspaziergang mit feuchten Klamotten und klammen Händen nach Hause zurück ins Trockene, schürt den Ofen an oder legt sich in die Wanne. Nein, das Heimkommen fehlt! Man ist müde vom Radeln und jetzt geht das Abenteuer aber weiter! Zelt aufbauen und Abendessen stehen noch an. Es ist schon langsam dämmrig. Und – wie gesagt – alles ist klamm. Und es wird langsam kalt. Also schnell sein! Alles hinein in die Schlafkabine und die Reißverschlüsse dicht, damit die abweichende Körperwärme die Luftschicht zwischen Innen- und Außenzelt wärmt, anstatt in die Prärie zu entfleuchen. Und dann da drin irgendwie noch eine Brotzeit zimmern…Herrgott ist das immer unbequem! Dann werden die Füße im Vorzelt langsam genauso kalt wie die Finger und die einzige Rettung ist der Schlafsack. Dann ist Schicht im Schacht. Um halb Acht! Es bleibt nichts, als wie in Kinderzeiten sich brav hinzulegen und auf den Sandmann zu warten. Und am nächsten Morgen aufzuwachen und alles noch genauso feucht und klamm vorzufinden, wie am Abend. Mit Ausnahme des Zeltes: Das war gestern Abend nämlich noch trocken. Und ist jetzt pitsche, patsche nass. Innen wie außen. Weil ich erstens kein Holzhäuschen über mir hatte, das mir die böse, kalte Globalstrahlung der Nacht abgeschirmt hätte und zudem noch in nächster Nähe eines kleinen Flüsschens war. Da ist es nun mal dampfig.

…und das ist eine Radreise im Herbst.

 

South Bend (Zelt)

Tages-Km: 70,66km / -Zeit: 4:38h / -Höhenmeter: 543m

Gesamt-Km: 9.941km / -Zeit: 695:56h / -Höhenmeter: 89.914m

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