DSC05962_klein

172_Jetzt rauscht´s aber!

Hurra, hurra, jetzt bin ich da! Ein paar Mal schon konnte ich das große Wasser schnuppern. In ein paar salzigen Nieselfahnen, die mir in die Nase fegten oder wenn ich an Austernfabriken vorbeiradelte und man das Fischige (ich weiß, Austern sind ja keine Fische. Aber trotzdem fischeln sie!) einfach nicht überriechen kann. Doch in Wirklichkeit war ich noch nicht wirklich da, an der großen Küste, wo ich eigentlich hin will. Auf den famosen Highway Nr. 101. Bisher führte mich die Straße immer wieder ein bisschen ins Hinterland. Ins wunderschöne, muss wohl dazugesagt werden! Es schlängelte sich der Asphalt seinen Weg durch Wälder, herrlich bunte und saftig nach Moos und Weihnachtsbäumen duftende. Durch Grüne, hügelige Felder mit schwarzen Rindviechern drauf. Vorbei an kleinen, größeren und richtig großen Ranchen. Und heute eine ganze Zeit lang am Schlammrand eines Meeresarms entlang – das Wasser war nämlich gerade weg.

Aber dafür war die Sonne wieder da. Nochmal hurra! Denn auf der Stelle macht´s dann wieder unglaublich viel Spaß. So ganz ohne Zeitdruck und Zwänge durch die Gefilde Nordamerikas zu pedalen. Man empfindet sie tatsächlich: Die große Freiheit! Es ist so schwer in Worte zu fassen. Plötzlich sind alle schweren Gedanken wie weggeblasen und man hält nur noch die Nasenspitze dem Fahrtwind entgegen. Und grinst vor sich hin.

Und als der Tacho Feierabend anzeigte hatte ich die Wahl zwischen 1. Links abbiegen Richtung Süden oder 2. Geradeaus weiterfahren Richtung Wasser. Ich entschied mich für den Umweg, also 2., also das Wasser. Und was habe ich gefunden? Den, dem ich so lange und so neugierig entgegengejagt bin: Den großen, den beeindruckenden, den energiegeladenen und kraftprotzenden Pazifik. Und wie er mich empfing! Ein Strand, so weit die Augen reichten, tosende Wellen und dichte Gischtfahnen, die den Horizont ganz sanft in ihrem Weiß ausblendeten. Dahinter ein nur noch zu erahnender Sonnenball – nichts, als eine helle Scheibe irgendwo da oben im Blaugrau des Ozeanhimmels. Und genau da hab ich heute mein Revier markiert. Ich bin endlich da, wo man beim Einschlafen plötzlich nicht mehr das Meeresrauschen vermisst. Nein, hier rauscht es dich in den Schlaf hinein und sogar wieder aus dem Schlaf hinaus. Und mittendrin macht es nicht für auch nur einen Atemzug lang eine Pause.

 

Seaview (Zelt)

Tages-Km: 75,33km / -Zeit: 4:36h / -Höhenmeter: 437m

Gesamt-Km: 10.017km / -Zeit: 700:32h / -Höhenmeter: 90.352m

10,314 total views, 1 views today

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *