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174_Glücksschwein

Ich hatte gestern den ultimativen Zeltplatz! Gegen Abend komme ich da in diesem Cannon Beach an – fast ein bisschen Englisch wirken die vergrauten Holzhäuschen da! Es ist traumhaft schön hier mit all den kleinen Läden, Cafés und Boutiquen. Und das Meer! Der absolute Wahnsinn! Hatte ich ein Glück, dass die auf dem Caravan-Platz schlappe Neununddreißig Dollar von mir für die Übernachtung gewollt hätten! Da bin ich natürlich nicht geblieben und so schnell und selbstbewusst wie möglich wieder beim Gatter hinaus. Doch dann hat mich in dem schnieken Ort ein bisschen die Panik – naja, nicht gerade Panik, aber ein bisschen mentaler Stress war es schon – erfasst: Wo zum Teufel soll ich hier denn unterschlüpfen? Alles war Privateigentum, die Rasen getrimmt und gebügelt und überall schlenderten Touristen über die Bürgersteige! Und es dämmerte schon!

…nur mir nicht. Ich zuckelte so unentschlossen es nur ging vor mich hin. Stieg ab, hielt kurz an, stieg wieder auf, trat an, bremste ab, bog ab und zog wieder zurück auf die Hauptstraße. So recht weg vom Ozean wollte ich auch nicht, wenn er schon mal so unfassbar atemberaubend schön und nah war. Aber das musste ich jetzt wohl. Ich stieg nochmal ab, ihm einen letzten, verliebten Blick zu schenken. Und da, gerade mal Zwei Meter unter meinem Turnschuhprofil wäre er gewesen: Der ultimative Übernachtungsplatz! Ein kleines Plateau mit direktestem Blick auf den Strand, die Wellen und die gigantischen Felsformationen. Über alle Dächer hinweg konnte man gucken! Und durch die mannshohe Mauer eben von jeglichem Blick von der Straße her geschützt. Das durfte nicht wahr sein! Dieser Platz wäre wie geschneidert für mich und mein Zelt! Ich stellte meinen rosa Esel kurz ab, um nach einem Weg zu suchen. Doch nichts zu machen: Über diese Mauer würde ich uns niemals heile hinunterbringen. Und in den Büschen da hinten war ebenfalls an ein Durchkommen nicht zu denken. Auch nicht, wenn ich noch ein Drittes Mal hingehe! Na dann, manchmal muss man sich eben von einem Traum verabschieden, ohne ihn gelebt zu haben…

Ich stieg wieder auf und fuhr etwas beschleunigt zwecks der einbrechenden Dunkelheit von Dannen. Und da geschah das noch Unfassbarere: Wo über die Mauer und durch das dichte Dornengestrüpp kein Weg auf meinen Balkon war, führte jetzt eine autobreite Abfahrtsrampe hinunter. Ohne Absperrung, ohne Tor, Seil, Hund oder sonstiger Alarmanlage. Auch kein Schild mit Hinweis auf Privateigentum! Einfach offen. Einfach da. Einfach extra für mich angelegt. Und ich hatte wie ein Engel geschlafen in meiner Villa „Traumaussicht“!

 

Bay City (Zelt auf Campingplatz)

Tages-Km: 59,78km / -Zeit: 4:18h / -Höhenmeter: 634m

Gesamt-Km: 10.151km / -Zeit: 709:24h / -Höhenmeter: 91.337m

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4 Gedanken zu „174_Glücksschwein“

  1. Hallo angela, ich wohne in immenstadt u kenne deine mam. Wir waren mal arbeitskolleginnen. Schön, wie du schreibst! Ich bewundere deinen mut u deine kraft. Alles gute für die weitere reise wünscht dir hedi!

      1. Hallo Angela, dein bericht vom „Waschsalon“ war ja wieder super! Bin heut auch geradelt. Von i’stadt nach imberg (zwischen sf u Hindelang). Nach imberg rauf, hab ich an dich gedacht ( vorbild!!). Liebe grüsse v Hedi

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