Nazareth II

Der Wecker kickt mich um halb Acht schon wieder aus den Federn. Ich will zu einer kleinen Stadtführung. Doch erst mal zum Frühstück auf die Dachterrasse. Es ist wieder zurück, das magische Gefühl. Es weht ein leises Lüftchen, im Hintergrund höre ich Israelische Musik und der Hostelchef redet mit seiner Praktikantin auf Arabisch. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, so etwas wie lokale Energie zu spüren.

Dann gehen wir zu der Führung. Und diese ist ziemlich anders. Fast kommerzialisiert, wenn man so sagen will. Wir klappern die Läden und Restaurants ab, die mit dem Hostel in einer Art Community organisiert zu sein scheinen und überall kommt die Message durch: Kauft hier was ein, kommt hierher zum Essen! Nicht so aggressiv, wie in Antalya. Aber schon deutlich genug. Die Dame, die die Führung macht, erwähnt, dass dieses Netzwerk nur mit viel, viel Engagement ihres Chefs aufgebaut werden konnte. Er habe mit seiner persönlichen Vision den Tourismus hier her gebracht. Zumindest denjenigen Tourismus, der auch einmal wenigstens über Nacht bleibt und sich nicht nur morgens mit dem Bus her karren und am Abend wieder abholen lässt. Nur so können auch die kleinen Cafés und Künstlerlädchen und Boutiquen, die Schmucklädchen und Gewürztheken auch vom Tourismus profitieren. Es ist also verständlich, dass das hervorgehoben wird…

Aber trotzdem: Es nimmt der Magie, die man sich von Nazareth vielleicht erwartet, ein bisschen den Wind aus den Segeln. Man muss sich die Stadt eigentlich ziemlich scheußlich vorstellen. Viel Müll liegt herum, außer direkt in der Altstadt, die wird astrein sauber gehalten. Auch auf Initiative dieses einen Mannes im Übrigen! Und überall in den engen Gassen quetschen sich Autos, abgemagerte Katzen und ein paar wenige Einheimische aneinander vorbei. Sie sind alle sehr, sehr freundlich. Grüßen dich auf der Straße, wünschen dir ein „God bless you!“, das in den meisten Fällen auch von Herzen kommt. Alles in allem merkt man am Ende eines Tages, dass auch hier der Alltag und die Wirklichkeit regiert: Es ist die Geldnot zu spüren und zu sehen, die der letzte Krieg vor einem Jahr hinterlassen haben. Es gibt seitdem wenige Touristen und sofort mussten einige der Geschäftchen in den Straßen hier schließen. Man sieht leider viele, viele geschlossene Tore, wenn man durch die Gassen schlendert. Und das nimmt dem Ganzen ein bisschen das Leben. Es fehlen die Leute! Und mit ihnen ihre israelische und arabische Energie. Man merkt nicht, dass man hier in Israel ist. Das ist ein bisschen schade.

Ich bin gespannt, wie das in Jerusalem sein wird…

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114_Nazareth

Die Sonne beginnt so gegen Vier Uhr in der Nacht, mich langsam aufzuwecken. Um Fünf schlage ich die Augen auf und stelle fest, dass es schon bald zu warm sein wird, noch länger im Zelt zu liegen. Ich mache die „Tür“ auf, damit es ein bisschen durchzieht. Dabei sehe ich, dass der Himmel über mir eigentlich voller Wolken hängt. Die Sonne strahlt von fern ganz flach darunter durch direkt in mein Gesicht. Ich gehe raus und da fängt es an zu tröpfeln. Ganz, ganz sanft! Und über der Hügelkette biegt sich jetzt ein riesiger Regenbogen.

Ich lege mich nochmal hin. Doch beim zweiten Aufstehen ist alle Magie wieder verschwunden. Die Sonne prangt am klaren Himmel und alles deutet auf einen ganz normalen Tag hin. Ich will mich zu allererst waschen, denn das hat gestern Abend nicht mehr geklappt! Doch es ist nicht so einfach, eine richtig schöne Badestelle zu finden – zu dreckig scheint das Wasser und vor allem sein Ufer zu sein. Und außerdem ist überall „Baden verboten“! Der See beginnt, mich zu nerven. Doch dann treffe ich auf Samir, einen Rettungsschwimmer. Er hat mich eine Weile beobachtet, wie ich schließlich doch eine Stelle zum Waschgang gefunden habe und erklärt mir später bei einem Kaffee auf seinem Wachturm, dass diese Schilder aufgestellt werden, weil so viele Leute hier nicht gut genug schwimmen können. Daher erlaubt man das nur an überwachten Stränden. Ich hätte also durchaus auch an diesen anderen Stellen baden können. Das besänftigt mich wieder. Genauso wie seine Einladung zum Fischessen in seinem Strandhäuschen…mal sehen, ob das klappt morgen! : )

Aber bleiben wir noch bei gestern. Es stand schließlich ein weiterer großer Name auf dem Programm: Nazareth! Zunächst ging´s vom völlig magielosen, Camping-, Bade-, Saufgelagesee einen satten Hügel wieder bergauf. Und heute stand auch noch der Wind gegen mich! Es ist eine sehr schöne Strecke, die durch rauschende, goldene Getreidefelder führt. Doch anstrengend. Als ich endlich von den Feldern auf die Autobahn und von der Autobahn auf die Stadteinfahrt gelange, bin ich schon richtig müde. Doch dann geht der Trubel erst richtig los! Wilder Feierabendverkehr, hupende, wildgewordene Busse, Motorräder, schreiende Menschen, tiefstehende Sonne und es geht den letzten Anstieg hinauf. Die Häuser staffeln sich den Berg hinauf, doch das ist noch nicht Nazareth! Es geht bergauf und bergauf. Und nach jeder Kurve kommt noch eine Kurve. Und es ist überhaupt nicht, wie ich es mir seit dem Religionsunterricht und den Bibelgeschichten vorgestellt habe! Es ist einfach turbulent, laut und hektisch. Wie überall auf der Welt. Und zudem bin ich noch ziemlich kaputt. Keine gute Kombination!

Schließlich komme ich oben an. Doch noch immer bin ich nicht in Nazareth! Ja, wo ist denn das? Ich fahre bereits wieder hinunter auf der anderen Seite! Und da, endlich, sehe ich das erste Schild mit „Old City“. Und als ich dort endlich gut erschöpft ankomme, pickt mich ein Mann von der Straße und kennt nicht nur den Weg zu dem Hostel, das ich suche, sondern bringt mich auch noch persönlich dort hin. Ich checke ein, alles geht wild durcheinander, Fünf reden gleichzeitig, ich schlafe fast im Stehen ein und stinke wie ein Schw… Doch als ich endlich meine rettende Dusche hatte, sieht die Welt wieder anders aus.

 

Nazareth (Hostel Simsim)

Tages-Km: 59,39km / -Zeit: 5:38h / -Höhenmeter: 1.053m

Gesamt-Km: 6.872km / -Zeit: 475:22h / -Höhenmeter: 64.211m

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113_See Genezareth

Ich fahre erst so gegen Mittag los, weil ich mich im Hostel noch verquatscht habe. Aber Gott sei Dank ist es heute angenehm heiß. Das will meinen Fünfunddreißig Grad und viel Wind. Es ist annähernd vergleichbar mit der Hitze von gestern, die im Übrigen seit dem Jahr 2000 die höchste Temperatur in Israel war, wie sich mittlerweile herausgestellt hat!

Ich fahre erst mal ohne Plan Richtung Norden. An der ersten Tankstelle werde ich mit totaler Begeisterung empfangen und bekommen einen Energieriegel und einen Cappuccino geschenkt. Dann dränge ich ein bisschen weiter, schließlich will ich noch ein Stückchen kommen heute. Doch auch dagegen ist ein Kraut gewachsen: Platten! Der erste meiner Reise. Aber gegen diesen Nagel hätte der beste Reifen keine Chance gehabt. Am Straßenrand repariere ich alles und ende total verschwitzt und ölverschmiert. Da kommt mir die Idee, doch noch bis zum See zu fahren, damit ich mich waschen kann, bevor ich ins Zelt gehe.

Kaum fertig gedacht, geht´s bergauf. Und schon wie! Ich muss schieben. Doch jetzt habe ich mir das Baden schon eingebildet, ich muss also vorwärts, vorwärts, vorwärts! Doch ich merke, wie alles zäher und mühseliger geht. Und wie es langsam dämmert. Doch dann wird es auch ruhiger auf den Straßen! Und die Stimmung wird plötzlich sehr, sehr mystisch. Als ich auf der Anhöhe ankomme, die den See umgibt, kann ich das Wasser kaum vom Dunst und der Dämmerung unterscheiden. Man kann es nicht sehen. Man kann es nur fühlen. Erst als ich näher komme sehe ich, wie der Thermikwind des Tages aufgeregte Wellen auf die Wasseroberfläche pustet. Die Palmen stehen schräg im Wind, der lauwarm die Haut streichelt. Und kein Mensch ist unterwegs. Es ist schon ein bisschen magisch, das Zelt an diesem berühmten Wasser aufzuschlagen…

 

Migdal (Zelt)

Tages-Km: 81,84km / -Zeit: 5:14h / -Höhenmeter: 770m

Gesamt-Km: 6.813km / -Zeit: 469:44h / -Höhenmeter: 63.158m

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Haifa, haifa!

Auf meiner To-Do-Liste für heute stand: Straßenkarte kaufen. Und? Check! …mehr aber auch nicht!

Wir legten pünktlich um Elf am Vormittag im Hafen von Haifa an. Dann dauerte es, bis die Ankerseile vertaut waren und endlich die Ladeklappe aufging. Doch das hieß nicht, dass wir gehen durften!

  1. Face Control
  2. Darunter muss man sich den riesigen Laderaum eines Containerschiffes vorstellen, seitlich ein kleines Häuschen in dem ein paar wichtige Israelis und vor allem Israelinnen sitzen und davor ein paar LKW-Fahrer, ein Halb-Israeli mit Auto, der seine Familie besuchen will, ein Bruder-Schwester-Pärchen, das auf dem Weg nach Südafrika ist und eine Radlerin aus Deutschland. Alle warten darauf, dass sie in dieses ominöse Häuschen gerufen werden, das sie schließlich mit ernster, steifer Miene betreten. Dann hält eine Dame den jeweiligen Ausweis mit ausgestrecktem Arm in Richtung des Gesichtes um festzustellen, ob das Gesicht im Pass mit dem auf dem Hals grundsätzlich übereinstimmt. Wenn sie nickt, darfst du wieder gehen. Aber nicht das Schiff verlassen! Das dauert noch gut eine Stunde!
  3. Security Control
  4. Als endlich alle durch die Gesichtskontrolle sind, dürfen wir uns die Fahrzeuge schnappen und uns vor der Laderampe wiedertreffen. Dort warten wir gut eine halbe Stunde bei brennenden Dreiundvierzig Grad Celsius, bis die LKW durch die Sicherheitskontrolle sind. Dann kommen wir dran. Wir folgen dem Auto des Personals und fahren einmal quer über´s Hafengelände zu einem kleinen Häuschen. Wir? Das sind mittlerweile noch der Halb-Israeli mit Auto, das Bruder-Schwester-Pärchen mit Safari-Jeap und ich. Wir bekommen eine Sonderbehandlung! Und die wiederum verlangt, dass man erst einige Fragen beantworten muss: Grund der Reise? Wo soll´s hingehen? Wo übernachtest du? Reist du alleine? Warum? Wie lange bleibst du in Israel? Hast du Verwandte oder Bekannte hier? Bist du verheiratet? Warum nicht? Wieviel Geld kannst du hier ausgeben? Wer finanziert deine Reise? Usw. Dann werden die Sachen gebrieft. Das Auto fängt an, dann das Rad und dann der Jeap. Das Auto dauert gut eine dreiviertel Stunde: Alles ausladen, durchleuchten, einladen. Mein Rad dauert gute Fünfzehn Minuten. Und der Jeap dauert gute eineinhalb Stunden! Danach sind alle fix und fertig und…
  5. Visum
  6. Wir fahren einmal quer über´s Hafengelände zu einem Häuschen. Dort bekommen wir ruck zuck unsere Visa – völlig komplikationslos. Herrlich!
  7. Custom Control
  8. …die Folgeschalter geschlossen! Wir fahren einmal quer über´s Hafengelände zu einem Häuschen. Dort konnten wir zwar noch eintreten, aber es war keiner mehr da, der uns „bearbeiten“ konnte. Der Autofahrer hatte dabei extra noch gefragt, ob wir, die wir schon mit der Sicherheitskontrolle fertig waren, nicht schon weitergehen könnten. Er kannte die Prozeduren hier schon von vielen Vorgänger-Urlauben… Doch das ging natürlich nicht, weil nicht genügend Personal zur Verfügung „stand“, das uns dorthin hätte bringen können. Nun gut. Jetzt waren wir hier und es war, wie der Autofahrer es vorhergesagt hatte. Wir bekamen immerhin einen Schluck Wasser, bis wir wieder unserem Follow-me-Auto nachfuhren…quer über das Hafengelände. Und wir endeten vor…ganz genau! Vor einem Häuschen.
  9. Custom Control II
  10. Hier wurde, wie es aussah, nur Papier gestempelt normalerweise. Doch weil die Kollegen schon im Feierabend waren, durfte der liebe, junge Mann heute einmal Versicherungsscheine für Autos kontrollieren. Das Auto sollte wieder beginnen. Alles klar soweit, wir brauchen nur noch den Stempel der Kollegen, um die Arbeit abzuschließen. Es würde kurz eine Minute dauern, bis jemand diesen Stempel bringen würde. Derweil fragte der Safari-Jeap, ob sie schon mal ihre Papiere ausdrucken könnten. Sie hatten diese nämlich nur als E-Mail vorliegen. Doch die konnte ja nicht gestempelt werden! Aber: Auch Mails drucken ist nicht so leicht. Weiß jemand, wie man die Tastatur von Arabisch umstellt? …endlich fing der Drucker an zu arbeiten, als ich den Beamten fragte, was genau er eigentlich an meinem Fahrzeug kontrollieren wolle. Ja, gar nichts! You can go! Und das hätte ich damit ja wohl vor gut eineinhalb Stunden auch schon können!
  11. Port Pass
  12. „Nein, nicht!“, meinte dann der Autofahrer. Du brauchst doch ein Dokument, mit dem die dich aus dem Hafengelände raus lassen. Diesen „Port Pass“. Der Beamte sah das anders. Doch der Autofahrer war sich sicher. Er hatte dieses Papier nämlich schon einmal nicht zur Hand… Alle hatten diesen Wisch, nur ich nicht. Ja, dann warten wir noch kurz auf den Stempel, der kommt in einer Minute, dann kümmern wir uns um dich. […] Es stellte sich nach mehrmaligem Hin und Her heraus, dass der Beamte Recht hatte und ich dieses Papier nicht brauchen würde. Das braucht nur, wer ein Auto aus dem Hafen fahren wollte. Ich durfte also tatsächlich gehen!
  13. Port Exit
  14. Und danach falle ich wie tot in mein Hostelbett und schlafe wie ein Stein!
  15. So kam ich endlich hier raus – zumindest bis zum nächsten Aufzug. Damit konnte ich auf die große Fußgängerbrücke fahren, die der Hauptzugang zum Hafen war und stand dort vor einem Drehkreuz. Ha, ha! Die Dame dort fragte mich nach dem Visum. Ich zeige es stolz vor und sie meint: Woher kommt das? Woher kommst du? Ich versuche folgende Antwort: „Aus dem Hafen?“ – „Wie bist du hier her gekommen?“ – „Mit dem Schiff?“ …sie kennt das Visum nicht. Also bleibt das Drehkreuz erst mal zu. Ohnehin wurscht, ob das offen oder zu ist, ich komm mit dem Rad da sowieso nicht durch. Sie muss erst einmal telefonieren. Und ich dringend auf´s Klo! Und siehe da: Als ich zurückkomme, hat sich auch schon alles geklärt! Mir wird sogar das große Gittertor geöffnet und ich darf endlich über die große Brücke auf´s Festland fahren! Es ist Fünf Uhr am Nachmittag und ich habe doch noch meine To-Do-Liste abzuarbeiten!

 

Haifa (Hostel Port Inn)

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Bye bye Europe!

Now it´s exactely one week that I left Turkey for Cyprus. And today I´ll already be leaving Cyprus again!

This Island is amazing! So small, so beautiful but also so divided into the two parts: North (Turkish) and South (Greek). And you can feel that anytime and everywhere. People are talking about it and the military buildings, fences and signs you can see all along your way won´t let you forget that there was (maybe there still is) that big conflict among the people of Cyprus. I hope one day they will understand what I could experience on my trip: That it was not the Turkish people to do this invasion in Cyprus but the Turkish government (if the history lesson I got yesterday from the port officer did give me right information). Among the people I never, never experienced any borders or nationality conflicts or religious conflicts until now! They all did accept me the way I am and helped me whenever they could – no matter if they were Turkish or Greek, Croatian or Albanian, Hungarian, Austrian or Montenegrish… And I hope that one day Turkish and Greek will come closer to each other again!

But let´s not only talk about this political and historical things: I had some amazing cycling days here driving very close to the water that amost always could offer me fresh wind that made the heat of sometimes 40° degrees more comfortable and sustainable. I did sleep in corn fields and swim in clear, blue water, I could pick my fruit right from the trees (lemons, oranges, apricots, …) and felt extremely safe anytime – night and day! The atmosphere on the street was so calm and relaxed compared to the aggressive driving behaviour in Turkey that I can only warmly recommend this Island to other cyclists!

The only thing that was bothering me was the decision I had to take here in Limassol, the harbour in the South: Whether I should really go to Egypt (which a few but important people didn´t recommend me for that period) or if I should listen to them and take the option back to Turkey and go across Iran. Both options I didn´t like to be honest. But I didn´t see another way. Until the solution did fall from heaven! Influenced by some really nice coincidences I occasionally met Hagar and her boyfriend. They one evening invited me for coffee into their holidays appartement. And when I told them about my two options and the problem I had with taking a decision the simply asked me: Why don´t you go to Israel then? We are from Israel and we can tell you: This country is very safe!

So here we go: In a few hours my ship will leave the harbour of Limassol – Cyprus and normally tomorrow for lunch I will be in Haifa – Israel! And with that option I feel extremely good now – special thanks to Hagar, her boyfriend whose name unfortunately I forgot and to Nick!

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Bye bye Europe!

Es ist so weit: In gut einer Stunde treffe ich mich am Hafen mit dem Herrn der Salami-Linie zur Immigration-Control. Ein bisschen bin ich schon aufgeregt, wie das jetzt wird. Klingt jedenfalls nach einem ziemlichen Tam Tam. Und außerdem veranlasst die Ladestation für mein Tablet, die ich hinten in meiner pinken Box habe, wie immer ein bisschen Nervenkitzel…die sieht im Durchleuchtungskasten nämlich aus wie eine 1A Bombe! Aber hoffen wir mal, dass mir die nicht hoch geht!

Jedenfalls denke ich jetzt einfach positiv und gehe davon aus, dass ich irgendwie schon auf den Kahn kommen werde. Und wenn dann nicht noch etwas Außerplanmäßiges passiert, werde ich morgen Früh das Schiff auch wieder verlassen. Und zwar in Haifa. Das ist… in Israel!

Und wie ich jetzt auf diese Straße gekommen bin, erzählt euch die unglaubliche Geschichte 109!

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Die Entscheidung

Heute ist der entscheidende Tag! Ich gehe zum Frühstück im Hotelcafé und dann steht der Gang zum Ticketschalter der Schiffslinie an. Wer wird wohl Recht haben? Der Schrankenoffizier vom Hafeneingang oder Nick?

Es ist jetzt Neun, ich fahre zum Schalter. Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, denn das, was jetzt gleich hinter der Glastür da drin passiert, wird meine Reisezukunft entscheiden! Komme ich weiter? Oder muss ich zurück? Gar nicht lange darüber nachdenken, los, rein mit dir!

Drin werde ich freundlich in Empfang genommen. Als ich mein Anliegen schildere, werde ich streng gemustert. Und befragt. Und von einem Schreibtisch zum nächsten weitergeschickt. Doch am Ende kriege ich für schlappe Zweihundertfünfunddreißig Euro endlich den entscheidenden Fetzen Papier in die Hand gedrückt! Und morgen um Zwölf treffen wir uns am Hafen zur Immigration-Control, junge Dame!

Wenn da jetzt nicht in allerletzter Sekunde noch etwas schief geht, werde ich also morgen nach guten Sechseinhalb Monaten Reisezeit dem heimatlichen Europa endgültig Good-bye winken! Und zwar vom Deck eines Frachtschiffes der „Salamis Shipping“. Klingt das nicht fantastisch?

 

Limassol / Zypern (Hotel Pefkos – warten auf die Fähre)

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112_Just Bullshit!

Der Tag beginnt, wie der gestrige aufgehört hat: Zehn Zentimeter über dem Boden. Ich kann heute mal ausschlafen, denn die Sonne brennt nicht so, wie sonst und außerdem gibt mir der Strohballen Schatten. Ich starte also nach einem gemütlichen Müslifrühstück so gegen Zehn und genieße die letzten Bilderbucheinträge aus dem Kapitel Zypern. Denn mein heutiges Tagesziel ist Limassol, die Hafenstadt im Süden der Insel. Von dort möchte ich die Fähre nehmen. Wenn´s denn da eine gibt…

Zur Mittagshitze (die Sonne hat mittlerweile auch ausgeschlafen und kennt offensichtlich weder eine Sonntags- noch eine Wochenendruhe…) komme ich im Hafen an. Die beiden Mitarbeiter empfangen mich freundlich, nehmen mir aber gleich mal den Wind aus den Segeln: Heute keine Fähre. Morgen…auch nicht. Das heißt: Schon! Aber nicht für dich! Ich frage, wie er das genau meint. Na, du wirst da nicht mitkommen dürfen! – Ja aber warum nicht? – Weil die da solche Leute wie dich sicher nicht haben wollen! – Wer? Wer will mich nicht haben? Er gibt mir keine konkrete Antwort. Wiederholt nur immer wieder, dass er jetzt seit gut Vierzig Jahren diesen Job hier macht und Leute wie ich haben noch nie eine Chance gehabt, auf dieses Schiff zu kommen. Das könnte ich jetzt glauben oder nicht. Dann verfällt er ins Jahr 1974, als Zypern von der Türkischen Armee eingenommen worden ist, zumindest der Nordteil. Und wie dieser Konflikt noch immer anhält. Und dass ja auch in Berlin die Grenze mitten durch die Stadt verlaufen ist usw usf. Ich meine dann nur, dass das nicht mehr meine Generation sei und dass ich nur weiterreisen will von Zypern aus! Und dann erkläre ich ihm noch etwas sehr Wichtiges: Meine Erfahrung, lieber Herr Schrankenwachmann, ist, dass die Leute keine Grenzen kennen! Egal, wo ich bisher war – ob in Ungarn, Kroatien, Montenegro oder Albanien, in Griechenland und in der Türkei und genauso auf Zypern habe ich immer Hilfe und Unterstützung, offene Arme und ein freundliches Lächeln empfangen. Grenzen, lieber Herr Wachmann, Grenzen sind ein rein erfundenes Konstrukt der Politik! (…und so was von für´n A…!)

Dann bin ich in die Stadt gefahren und musste mich erst mal in den Schatten setzen. Auf jeden Fall würde ich trotzdem zu dem Ticketschalter der Schifffahrtsgesellschaft gehen, wenn die morgen wieder offen haben würden. Den Kontakt hat er mir ja immerhin gleich gegeben. Aber irgendwie ist damit jetzt das beschwingte Gefühl von gestern dahin. Ich fühle mich, als ob ich mit jedem Schritt gute Zehn Zentimeter unter die Grasnabe einsinken würde…

Dann setzt sich ein ruhiger, älterer Herr zu mir auf die Sitzgarnitur. Wir sprechen nicht viel. Er ist mit seinen Mails beschäftigt. Aber dann kommen wir doch auf meine Reise zu sprechen und auf meine aktuelle Geschichte mein dieser: Also, ich war mein ganzes Leben lang im Schiffs-Business tätig. Ich kenne mich aus! Das, was dir dieser Typ da erzählt hat, ist Bullshit. Nichts als Bullshit!

…und jetzt gehe ich zumindest wieder auf dem asphaltierten Nullnievau. : )

 

Limassol / Zypern (Hotel Pefkos)

Tages-Km: 53,29km / -Zeit: 3:12h / -Höhenmeter: 412m

Gesamt-Km: 6.731km / -Zeit: 464:29h / -Höhenmeter: 62.387m

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111_Schwerelos

Nach einem gemütlichen Vormittag bei Savvas und seiner Familie starte ich gegen Mittag in einen traumhaften Tag: Die Fußgängerpromenade entlang am Wasser führt mich mitten durch wunderhübsche Hotelanlagen. Hui, also so ein Spaß! Die runzligen, weiß-lila Dauerwellen legen ängstlich ihre Ohren an, als ich durch den Torlauf aus Sonnenschirmen steche. Dann lege mich ein bisschen in den Schatten einer Palme für ein ausgedehntes Mittagsschläfchen. Und ab Vier erwartet mich die alte Küstenstraße Richtung Limassol und sagenhaft schöne Landschaft. Zum Sonnenuntergang sitze ich ganz oben auf der Klippe und höre nichts außer dem Meer, das unter meinen baumelnden Füßen rauscht. Und dann finde ich mir ein hübsches Plätzchen auf einem frisch abgemähten Getreidefeld zum Schlummern. Solche Tage fühlen sich an, als könnte man Zehn Zentimeter über dem Boden schweben!

 

Pissouri / Zypern (Zelt)

Tages-Km: 49,39km / -Zeit: 3:04h / -Höhenmeter: 455m

Gesamt-Km: 6.678km / -Zeit: 461:17h / -Höhenmeter: 61.974m

 

 

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110_Donald Duck

Es ist jetzt schon Samstag Vormittag, also ein Tag später und ich muss die letzten Drei Tage aus dem Rückspiegel erzählen – wieder einmal! Denn es passieren unglaubliche Ereignisse am laufenden Band! Also fange ich mal bei gestern an:

Ich bin gestern zum ersten Mal richtig, richtig und tief entspannt durch Zypern gekurvt und konnte endlich alles hier in vollen Zügen genießen. Warum nicht schon vorher? Weil mir bisher noch immer und immer wieder die Entscheidung im Magen gelegen ist, was kommt nach Zypern? …aber davon schreibe ich euch in den Beiträgen 108 und 109 mehr! Wie gesagt: Gestern war ein unglaublich schöner Radfahrtag!

Ich fuhr durch Getreidefelder, es rauschte und zwitscherte neben mir, es summten die Grillen, die Sonne schien und der Wind wehte mir fast immer eine frische Brise ins Gesicht. Die Straße war klein und wurde immer kleiner, wurde zum Weg und der wurde immer unwegsamer. Und am Ende war ich total verirrt irgendwo im Zypriotischen Naturschutzgebiet, holperte über Stock und Stein und hoffte nur inständig, dass ich nicht auf dem Weg in eine Sackgasse war! Denn es ging nur (steil) bergab und zurückschieben wäre schier unmöglich gewesen! (Hätte zumindest Tage gedauert!) Unten am Meer konnte ich schon die Straße sehen, die gerade noch in der Karte eingetragen war. Und Gott sei Dank kam ich dort auch an! Da musste ich erst einmal in die tosenden Wellen springen, um mich abzukühlen und dann hastig den letzten `Hindelanger Berglerstecken` zu zwei Scheiben Knäckebrot und einer Minitüte Salzstangen schnupfen – Hunger!

Doch lange hielt das Knusperzeug nicht her. Ich fuhr Richtung nächstes Städtchen. Doch eigentlich wollte ich da zu solch später Stunde nicht mehr hineinfahren – Zelten ist da immer schwierig! Ich fragte also in einem Restaurant am Straßenrand, ob ich hier etwas essen und vor allem mit Karte bezahlen könnte. Ging leider nicht, da der Kartenleser defekt war. Sie schickten mich ins Ortszentrum zu einem Bankautomaten. Doch ich versuchte mein Glück erst etwas weiter zurück in einem anderen Restaurant: Wir nehmen auch keine Kreditkarte! „Aber versuch´s doch an der Tanke da drüben.“ Ich fahre zur Tanke: „Klaro, kein Problem. Alle zahlen doch heute mit Karte!“ Puuuh, endlich was ordentliches zu Essen! Mein Magen knurrte schon! „Aber wir schließen in Zwanzig Minuten, zum Essen gibt´s hier nix mehr!“ Ich ging also wieder zum letzten Restaurant und fragte den Wirt, was er mir für Fünf Euro machen könnte. „Omelett vielleicht?“, sagte der. „Oder Salat?“ Ich fragte, ob er denn keine Nudeln habe. Nackige Nudeln mit Olivenöl und Salz, das wär schon ein Traum! Salat hatte ich die letzten Tage in einer Tour. Und seit meine Gurken alle vertilgt sind hängt mir Salat eigentlich bei den Ohren raus! „Nudeln haben wir nicht!“ Da ging ich zum allerersten Lokal und checkte nochmal die Aushangkarte: Donald Duck kostet Vier Fünfzig und dahinter verbirgt sich eine Kinderportion Spaghetti Bolognese. Ich konnte mein Glück kaum fassen, setzte mich und bestellte. Da schaut mich der Kellner etwas verdutzt an… Donald Duck? Ob ich mir schon sicher sei? Ja, bin ich. Ich habe Fünf Euro und das ist das einzige, was ich mir leisten kann. Und genau, was ich jetzt brauche: Pasta. Also bitte!

Während die Nudeln köcheln erzähle ich ihm ein bisschen von meiner Reise. Dann klingelt eine Glocke und der Chef persönlich bringt mir eine Megaportion Spaghetti: „Eine Kinderportion!“ schmunzelt er. Er spricht Deutsch und fragt mich, wo aus Deutschland ich herkomme. „Aus München“, sage ich. – „Woher genau, ich war auch in München“ – „Ja hmm, also eigentlich komme ich ja gar nicht aus München…“ – „Ja woher?“ – „Aus dem Oberallgäu“ – „Woher genau?“ – „Aus Sonthofen.“ – „Ja, ja, kenne ich, kenne ich!“ – „Das gibt´s ja nicht“, sage ich. „Waren Sie mal dort?“ – „Ja klar, ich war Achtundzwanzig Jahre in Deutschland, davon Sechs in Sonthofen und Fischen. „In Fischen?“, frage ich. „Ja was haben Sie denn da gemacht?“ – „Ich hatte da eine hübsche Griechische Restaurant…“ Und dann kam mir ein Gedanke: Meine Tante hatte immer etwas vom `Griechen gegenüber` erzählt. Ich frage, ob er sie kennt. „Na klar! Na klar! Die waren oft hier!

Dann tranken wir ein Bier und durchforsteten das Internet nach der Telefonnummer meiner Tante. Und nach Sechzehn Jahren ruft bei der nun um Zehn in der Nacht der `Grieche von gegenüber` an, fragt sie, wie´s ihr so geht und erzählt, dass ihre Nichte gerade bei ihm auf Zypern bei einem Bierchen sitzt…

Ich durfte dann auf einem der Sofas auf seiner Terrasse schlafen und warte nun, dass er jeden Moment kommt, um das Lokal aufzusperren und mir auch seine Frau vorzustellen. So klein ist die Welt!

Und bestimmt gehe ich recht in der Annahme, dass er alle, die das lesen und sich noch an ihn erinnern, ganz herzlich grüßt! Ich grüße euch übrigens auch! Und ich danke Savvas und seiner Familie für die unglaublich großzügige Bewirtung, die Schlafcouch, die Dusche, das Bier, den Kaffe, das einzigartige Sandwich und natürlich die XXL-Portion Donald Duck – für alles einfach!

 

Pegeia / Zypern (Im Restaurant bei Savvas)

Tages-Km: 51,25km / -Zeit: 4:58h / -Höhenmeter: 898m

Gesamt-Km: 6.628km / -Zeit: 458:12h / -Höhenmeter: 61.519

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