273_Gringa

Konnte ich! Ich habe dazu direkt gut geschlafen, unter dem Steinbruch. Fast etwas zu nah darunter eigentlich, wenn man bedenkt, dass in einem Steinbruch Steine herausbrechen und herunterfallen können… Doch der Morgen hat mich gesund aus dem Zelt gelockt, also ist ja alles gut gegangen. Nur, dass jetzt schon wieder der guatemaltesische Opa mit seiner Enkeltochter auf dem Arm im Anmarsch ist. Ich erlitt einen mentalen Rückfall: Wenn die hier doch sind, wie in Indien?

Doch sie sind es nicht. Hier kommt dann nämlich auch die Tochter, die Mama der Kleinen und sie bringen dir frischen Kaffee und Milchbrötchen zum Frühstück. Und dann gehen sie auch wieder. Sie sind eben doch freundliche Leute, die Guatemalt…. (ich werde das nie für alle Länder wissen!). Dann stieg ich auf´s Rad und stürzte mich in den nächsten Bergauf-Tag. Wieder wie gestern: Zivilisation, Zivilisation, Zivilisation. Und ich knete gemächlich zwischen ihr durch die Straße hinauf. Überall (muss man fast) grüßen (wenn man ein freundlicher Gast sein will): Das strengt auf die Dauer an! Und manche glotzen dann doch nur zurück, anstatt zurück zu grüßen. Oder pfeifen dir gar noch hinterher, anstatt dir von vorn in die Augen zu pfeifen! Ich kann mir nicht helfen, aber hier sind die Leute irgendwie anders. Die Mexikaner waren mir vom ersten Moment an sympathisch. Aber hier ist irgendetwas anders…

Dann winken sie dir wieder von ihren Gärten, ihren Buden, ihren Dächern, ihren Omnibussen, ihren Lastwagen, ihren Steinbrüchen aus zu. Heißen dich willkommen und wünschen dir eine gute Reise. Vielleicht sind sie ja doch nicht soooo anders? Ach, ich weiß auch nicht. Jedenfalls gibt es viele gute erste Eindrücke. Aber ein ist nicht zu leugnen: Ich höre heute viel zu oft „Gringa“ und „Dinero“. Gringos sind die Amerikaner, wenn man sie ziemlich abfällig behandeln will. Das kommt noch von alten Einfall- und Belagerungsaktionen…. Und „Dinero“ ist das Geld. Ich habe in ganz Mexiko nicht ein einziges Mal den Begriff „Gringo“ oder „Gringa“ vernommen. Luca, der andere Italiener, hatte mir seinerzeit in La Paz erklärt, dass mich das ab sofort oft erwarten würde. Doch nichts! Nicht in Mexiko! Und hier? Kaum bin ich einen Tag in Guatemala, höre ich es in fast jedem Satz. Ob ich was zu essen kaufe oder was zu trinken. Sie tuscheln unter sich und hinter mir. Oder manchmal trällern mir die kleinen Kinder das hinter den Büschen hervor. Immerhin: Die meisten Kleinen winken dazu und strahlen bis über beide Ohren. Sie freuen sich ehrlich, einen „Gringo“ zu sehen. Aber allein die Tatsache, dass sie dich „Gringo“ nennen, spricht ja wohl Bände. Da weiß man doch, wie bei den Alten geredet wird!

Jedenfalls ruft das ein bisschen Unbehagen hervor, wenn man als Gast in einem Land ist. Ich kann mir jetzt ein bisschen besser vorstellen, wie sich die italienischen Gastarbeiter gefühlt haben müssen, die in ihrer Armut ihr Schicksal in die Hand genommen haben und nach Deutschland gekommen sind, um zu arbeiten. Und hier werden sie dann nur belächelt und abwertend als Spaghettifresser bezeichnet…

 

Santa Barbara, Guatemala (Zelt)

Tages-Km: 54,80km / -Zeit: 5:00h / -Höhenmeter: 1.057m

Gesamt-Km: 17.021km / -Zeit: 1.153h / -Höhenmeter: 153.975m

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272_Guatemala Endlossiedler

Heute war es so weit: Die Grenze zu Guatemala wartete auf mich! Die Anreise war noch ein bisschen schwerlich. Heiß! Und nach Dreißig Kilometern ging es ziemlich abrupt bergauf. Die Mexikaner zogen es vor, unten zu bleiben. Dort ließ ich also meinen Pass stempeln. Dank Davide, wieder einmal. Denn wer weiß, ob ich die mexikanische Migrationszentrale – das kleine Hüttchen – nicht übersehen hätte, wenn er mich nicht per E-Mail sensibilisiert hätte! Jedenfalls hatte ich kaum die Ausreiseerlaubnis, zog der Asphalt steil nach oben. Laut meiner Information sollten es jetzt noch knappe Drei Kilometer sein bis Guatemala. Doch gefühlt waren es nochmal Zehn…

Die Straße war wie eine typische Passstraße: Nichts, das einen vom Weg ablenkt. Bis auf einen Schlag ein Chaos an Verkaufsbuden den Weg säumte: Schuhe, Unterhosen, Brillen, Gürtel, Taschen, Socken, Schirme, einfach alles konnte man da kaufen! Die Buden standen so eng um mich, dass ich mich kaum abzusteigen traute. Denn absteigen bedeutete schon fast eintreten! So eng war die Straße jetzt. Irgendwie fast schon bedrängend…nein, nein, lieber weiterfahren! Dann kamen die Obstbuden und Saftläden. Was für ein Drama! Ich hatte nämlich alle meine Pesos bis auf den aller-, allerletzten schon ausgegeben. Und eine Bank kam erst hinter der Grenze. Da wiederum waren allerdings die Säfte aus! Ich hatte nach dem Anstieg und der brennenden Hitze so fürchterlich Durst, aber kein Wasser mehr im Tank und kein Geld, mir ein Becherchen eisgekühlten Fruchtsaft zu kaufen. Die pure Folter waren da diese Zehn-, Zwanzig-Liter-Bottiche prall voll mit weißem, gelbem, rotem Saft!

Dann kam endlich der Schlagbaum. Wenn das schon die Grenze sein soll, dann ist das die Lumpigste, die ich je gesehen habe! Aber es standen keine schwer bewaffneten Soldaten rum – kann also nicht die Grenze sein! Doch da sah ich rechts ein kleines Kabäuschen: Grenzkontrolle! Also doch! Zuerst das Visum holen. Kein Problem: Zettel ausfüllen, unterschreiben, Stempel, fertig. Noch das Rad „deklarieren“. Da stellte ich mich jetzt hinter dem amerikanischen Motorradfahrer an und wartete gute Zwanzig Minuten, bis sie seine Karre endgültig freigeben wollten. Derweil wurde der Schalter nebenan frei. Der Beamte fragte: „Haben Sie Fahrzeuge anzumelden?“ Ich sagte: „Ja, mein Fahrrad!“ Da schmunzelte er freundlich, stempelte ein Papier und meinte nebenzu: „Mit einem Fahrrad haben wir kein Problem! Gute Reise!“ Zwei Minuten, so gefällt mir das! Von wegen Chaos an der Grenze, wie Davide gemeint hatte. Das ging sowas von flott und freundlich, direkt vorbildlich ist das hier!

Das Chaos kam jetzt! Denn ich brauchte als aller erstes eine Bank. Dann Wasser. Dann was zu Essen. Banken und Purifikadora seien jetzt entlang der Hauptstraße, hatte der „Stempel-Beamte“ mir noch erklärt. Nur… ich konnte sie nicht finden! Bis ich endlich eine Bank gefunden hätte, wäre ich längst auf den Asphalt getrocknet, hätte nicht der amerikanische Motorradfahrer mir unterwegs Zwanzig Quetzal zugesteckt und gesagt: „Hier! Und du kaufst dir jetzt was zu trinken!“ Ohne Widerrede habe ich mich diesem Befehl dankend gefügt! Dann hatte ich wieder ein bisschen Sprit und fand so nach und nach, was ich brauchte. Doch dann zeigte die Uhr auch schon Drei am Nachmittag! Zeit, aus diesem Ameisenhaufen rauszukommen und ein sicheres Plätzchen für die Nacht zu suchen.

Doch „hier raus“ gab es nicht. Sicher, es wurde lichter. Das Städtchen wurde zum Vorstädtchen und zum Dorf, doch das Dorf wollte und wollte nicht enden. Und wie ein anderer Radfahrer es mir vorhergesagt hatte: Es geht einfach nur bergauf. Da kommst du nicht so wirklich raus! Es stimmte. Es ging rauf und rauf, auch mal bergab, das schon. Aber links und rechts der Straße Häuser, Hütten, Buden! Ich hatte keine Lust, dort eine Familie zu fragen, ob ich bei ihnen im „Garten“ bleiben dufte. Denn ich war ziemlich erledigt und wenn man bei jemandem zu Gast ist, muss man sich ja auch ein bisschen mit dem Gastgeber unterhalten. Dazu war ich schlicht nicht mehr im Stande! Da kam ein eingezäunter Kiesplatz. Und – vermutlich etwas widerrechtlich – deklarierte ich diesen als mein Nachtquartier. Doch natürlich hatte mich jemand da hineingehen sehen. Und kaum hatte ich mein Zelt aufgebaut, kicherte und prustete es hinter mir: Die Nachbarn kamen!

Oh nein, bitte nicht doch! Ich bekam schon Panik! Was, wenn die hier so sind wie in Indien?

Doch sie sind es nicht. Nicht ganz so aggressiv. Und so anständig, dass sie auch wieder gehen. Gut, vielleicht ist es hier ein bisschen einfacher, weil ich ein paar Brocken Spanisch spreche. Jedenfalls ist jetzt auch die zweite Horde Einheimische im Abmarsch und ich hoffe, ich kann in Ruhe die Nacht verbringen…

 

La Democracia, Guatemala (Zelt)

Tages-Km: 58,36km / -Zeit: 4:31h / -Höhenmeter: 631m

Gesamt-Km: 16.966km / -Zeit: 1.148h / -Höhenmeter: 152.917m

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271_Wasserhupferl

Und tatsächlich: Das war die Rettung! Heute habe ich sie wieder, die Form. Heute kann´s weitergehen. Auf nach Guatemala!

Aber ein Mal schlafen wird´s noch brauchen. Davide hat mir geschrieben: „Bevor du nach Guatemala reinfährst, musst du unbedingt in „Lagos de Colón“ übernachten. Das liegt perfekt, sodass du am nächsten Tag rechtzeitig zu allen Grenzbüros kommst! Beim letzten Restaurant lassen sie dich zelten. Direkt vor dem Wasserfall.“ Als ich wissen wollte, was es da genau zu sehen gibt kam nur: „Wirst sehen, es gefällt dir.“ Und gestern hat er mir gleich nochmal geschrieben: „Lagos de Colón, zelten am Wasserfall!“

Ich hatte ja keine Ahnung, was er damit so Wichtiges hatte! Aber, „na gut“, dachte ich mir, „tun wir ihm eben den Gefallen“. Weil heute so ein schöner Tag war. Es kam nämlich endlich die langersehnte Bergabstrecke! Doch weil ich mich mit einem anderen Radfahrer ein bisschen verquatscht hatte, kam ich reichlich spät an die Stelle, an der die Straße nach „Lagos…“ abbog. Fast hatte ich schon geglaubt, ich hätte die Abzweigung gar übersehen!

Ich hatte mich an einer Tanke informiert: Ungefähr Fünf Kilometer geht´s jetzt „Leerstrecke“. D.h. Strecke, die mich nicht vorwärts bringt, weil ich sie morgen Früh wieder zurückfahren muss, bis zum Punkt der Abzweigung. Davide hatte sich zu diesem Thema ausgeschwiegen. Und bei Stand Fünf Kilometer wurde mir auch klar, warum: „Lagos…, 5m“ stand da am Wegweiser! Ja ´zefix, der spinnt ja wohl! Lenkt der mich Zehn Kilometer weit in die Pampas für einen lumpigen Wasserfall! Als ob wir daheim nicht auch Wasserfälle hätten! Am End´ noch viel schönere! Schon habe ich mich geärgert, dass ich ihm so blind vertraut habe. Denn mehr als einen, vielleicht mal Zwei Kilometer fahre ich eigentlich nicht vom Weg ab. Und jetzt Zehn? Das sind mehr als Zehn Prozent meiner Tagesleistung! Und so langsam ging mir für heute auch die Kraft aus… ich war ungefähr halb stinksauer: Ein bisschen stinkig und ein bisschen angesäuert. Auf ihn, weil er nicht verstehen kann, dass mich diese Zusatzkilometer einfach nur Kraft kosten – Kraft verschwenden! Und auf mich selbst, dass ich nicht genauer nachgefragt hatte, was denn da genau so Tolles sein soll in diesem „Lagos de Colón“.

…es war der Hammer! Eine Lagune mit türkis-grün-blauem Wasser. So klar, dass man unter der Wasseroberfläche die Baumwurzeln sehen konnte! Und die Fischchen. Und überall führten kleine Stege und Brücklein von einem See zum nächsten, die durch kleine Wasserfälle miteinander verbunden waren. Der Fuchs! Wie er das nur entdeckt hat? Ich war fast schon an einem perfekten Zeltplatz und die Sonne war gerade hinter den Berg gerutscht. Ich schwitzte von der Hitze hier herunten und schob seit gut einer Stunde mein Rad entlang der Wasserkante. Baden! Das wär´s jetzt. Einfach reinspringen und endlich abkühlen! Ob er sehr böse wäre, wenn ich jetzt schon mein Zelt aufschlagen würde und nicht mehr bis zum letzten Restaurant ginge…?

Ach was soll´s: Wahrscheinlich will er, dass ich sehe, was für einen tollen Zeltplatz er ausfindig gemacht hat. Und ich kehre nochmal um. Gehe den ganzen langen Weg am Wasser entlang zurück, um auf die andere Seite der Lagune zu kommen. Und eine Dreiviertelstunde später komme ich endlich an. Am letzten Restaurant. Und ich frage, ob ich hier zelten darf. Und der Wirt nickt: „Ja, ja, da drüben!“ „Da drüben“ ist direkt am Wasserfall. Genau, wie Davide es mir aufgetragen hatte. Es ist wie im Paradies hier! Und mein Betthupferl ist heute ein Wasserhupferl: In eines der vielen, mal kleineren, mal größeren, flachen Terrassenbecken mit kristallklarem Süßwasser. Es ist ein Traum in naß. Es ist das Beste zum Schluß! Es ist einzigartig und unvergeßlich. Es ist der schönste Abschied, den ich von meinem geliebten Mexiko haben kann. Und es ist ein offizielles Dankeschön an Italien wert: Dankeschön, Italien!

 

Lagos de Colón, Mexiko (Zelt am Wasserfall)

Tages-Km: 92,16km / -Zeit: 4:50h / -Höhenmeter: 320m

Gesamt-Km: 16.907km / -Zeit: 1.144h / -Höhenmeter: 152.286m

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Nirvana

Was soll ich sagen: Noch immer hockt mein Erkältungsanflug mir in den Nebenhöhlen. Doch als ich aufwache, hängt der Himmel dick voller Wolken. Und wenn ich jetzt heute nicht weiterfahre…? Ich muss in Comitán sowieso etwas zur Post bringen. Das ist die letzte Gelegenheit für lange Zeit, denn Guatemala City möchte ich umfahren. Nur heute haben die natürlich zu.

Ich bin vernünftig und lege noch eine Pause ein – eine richtige Schlafpause: Hier draußen gibt es weder Internet noch eine Telefonverbindung. Und die schattenspendende Wolkendecke ist mehr als ein Angebot des Himmels, heute den Tag im Zelt zu verbringen. Und in die Stadt fahre ich morgen, wenn die Geschäfte wieder geschäftig sind.

Das schreibe ich natürlich alles später nieder, denn heute habe ich ja einen Faulen. Also auch kein Computer!

 

Vor Comitán, Mexiko (Campingplatz)

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270_Würg…, ächz…, knet…

Ich habe keine Kraft, aus dem Bett zu klettern. Und schon der Wecker hat mich mitten aus dem Tiefschlaf gerissen. Zu einer Zeit, zu der ich normalerweise schon von selbst wach geworden bin. Heute soll es weitergehen, aber Lust und Motivation und Energie lassen noch auf sich warten. Es liegt möglicherweise dran, dass ich mir bei Cory gestern einen Anflug einer Erkältung eingefangen habe. Der Schädel brummt mir schon ein bisschen! Und die Nase läuft auch…

Doch heute muss was gehen. Drei Tage habe ich schon pausiert, nicht dass ich in den Faulenzer-Modus falle! Denn aus diesem sich wieder herausarbeiten ist tatsächlich schwierig. Ich überwinde also den inneren Schweinehund und bin sicher, wenn ich erst mal wieder auf dem Rad bin, geht es wieder besser.

…geht es nicht! Es geht erst mal bergauf. Ja wie jetzt? Ich dachte, ich habe diese ganze Schinderei vor Drei Tagen auf mich genommen, um danach als Belohnung eine halbe Ewigkeit bergabfahren zu können! Doch nein, ich täusche mich nicht: Es geht bergauf. Davide hat mir einen Übernachtungstipp für die Tage nach San Cristóbal zugesteckt. Dieser Tipp liegt bei ungefähr Neunzig Kilometer. Und als ich bezweifelt hatte, das zu schaffen meinte er: Klar, es geht ja Vierzig Kilometer bergab. Doch irgendwie warte ich jetzt seit Stunden auf diese Teilstrecke! Es zieht und zieht und zieht sich. Und ich habe immer noch keine Kraft. Weder in den Beinen, noch in den Armen, noch im Kopf. Ich will einfach nur schlafen!

Nach einem ganzen Nachmittag Straßenbaustelle und ungefähr Zweitausend „Hola!“ – man muss ja auch jeden Bauhelm freundlich begrüßen – reicht es mir. Es steht fest: Den Moment, in dem die Straße für Vierzig Kilometer den Berg hinunter führt, habe ich definitiv verpasst. Ich biege jetzt in den Campingplatz vor Comitán und haue mich auf´s Ohr. Auf dass es mir morgen vielleicht besser laufe…

 

Vor Comitán, Mexiko (Campingplatz)

Tages-Km: 74,81km / -Zeit: 5:28h / -Höhenmeter: 853m

Gesamt-Km: 16.817km / -Zeit: 1.139h / -Höhenmeter: 151.965m

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Mexico, mi Amor!

Time has come. Time to look back as ahead of me there are only 3 cycling days left for Mexico. So what do say? Let´s go back to California: “Girl, you cannot go to Mexico! A woman travelling alone – they will rob you, rape you, kill you!” Mexico is wild, Mexico is dangerous, Mexico is corrupt, Mexico is not where you want to go! Now close your eyes for a minute and think of all the bad things you can imagine about a country and you will have a light idea of what I did hear before crossing the boarder.

But thank God for my wooden head: I had the time of my life here! Mexico is paradise! Thinking back of the deserts of cactus in the Baja, the beaches and the fresh, green, tropical forests I crossed between Mazatlan and Acapulco and the cute city centres of Mazatlan, Puerto Vallarta or San Cristóbal…it was amazing! But by far not everything that made me feel so, so comfortable here. Next plus point is definitely food! No matter if you eat tacos, tortillas, tortas or burritos on the street or compose your own tortilla with fruit and vegetable from the market – you will always find something your stomach really likes. If only you avoid ordering pasta… let just do the Italians! (or me) And then the little snacks…everywhere…anytime: pineapple, melon, papaya, mango, guayaba, guanabana, bananana and however they are all called… as fruit cocktails, shakes, juices, ice creams. Or right out of the just opened coconut. It´s how I imagine heaven!

And now most interesting, most important: The Mexican. The Mexicans, no matter if man or woman, boy or girl, grandfather or uncle or aunt… all the people along my way they were friendly, hospitable, sunny and shiny and anything but dangerous! All along my way I was always treated like a most welcome guest. And it was their bright smiles, their waving and their whistles – by mouth or by special car horns – that made almost all of my days. Mexican people as I could know them are extremely good buddies with a huge heart and maybe sometimes a bit of a naughty head. But who´s not… I absolutely like them. I liked them all. And some I will definitely not forget and hopefully see again one day.

Mexico is a place where for sure a lot of things still go quite wrong, thinking of only one of them: waste production and waste recycling. But a lot of things still go very right! As they don´t seem to be ruled by their own created rules. If you need help on the street they simply offer you a ride on the back of their pick-ups and don´t hide behind the excuse and rule that this is not safe or that the car is too small. When you´re tired and exhausted from cycling and looking for a Hotel the policemen tell you to go even against the one way as this is the fastest way for you to find rest. And if there are still guests in the restaurant of course you can already pinch your tent on the terrace as long as there is enough space for it. To all the people who do still think with their hearts and put their common sense over impersonal laws: Thank, thank, thank you! Thank you for keeping this world human! Here in Mexico I found that. And I love, love, loved it!

For me Mexico was two months of …well, yes, there was also some cycling. But I´m about to say it was just the background-choir in the song. The front was sung by feelings and emotions, from highly happy to deeply down sometimes, as you always will find them when you approach your own personal limits. But who loves the mountains must also love the valleys. I love the mountains. I love the up-and-downs. I loved Mexico!

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Mexico, mi amor!

Auf diese Verausgabung hin habe ich mir Zwei Tage Pause gegönnt. Es ist aber auch zu einladend, dieses San Cristóbal: Viele kleine Cafés, Restaurants, Bars mit Live Musik. Und alles so hübsch hergerichtet! Ich meine mich zwar zu erinnern, dass Rosalba, die coole Frau im Hostel in Ensenada, die hier in der Region Chiapas ihre Heimat hat, mir damals erklärt hat, dieses Städtchen sei nicht wirklich typisch mexikanisch. Zugegeben: Es ist wohl ziemlich westlich! Aber ich kann meine Herkunft ja auch nicht leugnen. Und will es auch gar nicht. Mir gefällt es hier! Ich sitze draußen bei Kaffee und Kuchen oder einem frischen Orangensaft und schreibe euch.

Vor mir passieren die unterschiedlichsten Leute mein Kaffeetischchen: Touristen aller Länder dieser Welt. Aufgestylte mit klackernden Stöckelschuhen oder verfilzte Rastas mit Trekkinghosen und Wanderstiefeln. Und zwischendrin wuseln Unmengen von einheimischen Frauen die Gasse auf und ab und versuchen, ihre aufwendigen Stickereien an den Mann oder die Frau zu bringen. Sie wirken fast schon wie Fremdkörper! Doch eigentlich sind sie es, die diese Region bewohnen. Sie können sich nur in der Stadt und ihrer Urbanität nicht so gut zurechtfinden. Viele von ihnen laufen barfuß mit rissigen, ledrigen Sohlen. Sie tragen ihre Trachten: Röcke aus langhaarigem, schwarzen Schafsfell. Eigentlich scheinen sie nur Stoffbahnen, die oben in der Hüfte in Falten geschlagen und mit einem dicken Gürtel zusammengehalten sind. Und oberhalb des Gürtels stehen die Falten ein bisschen über. Oder anstatt des Felles sieht man auch dicke Filzgewebe, die mit einem bunten Bandmuster bestickt sind. Um die Schulter gewickelt meistens ein kleines Kind in einem Tragetuch. Und in den freien Händen ihre Stickarbeiten. Sie sind auf Anhieb von uns Westlern herauszukennen. Sie sind vielleicht sogar diese typischen Mexikanerinnen, wie man sie sich bei uns vorstellt: Schwarzes, üppiges und irrsinnig glänzendes Haar. Manchmal in Zwei Zöpfe geflochten, wie ich es im Kindergarten immer hatte. Und ihre Körpergröße erinnert irgendwie auch an Kindergartenalter… niedlich.

Überhaupt habe ich mich in Mexiko langsam daran gewöhnt, bei einem aufgespannten Sonnenschirm oder einem Türstock den Kopf einzuziehen. Auch bei Straßenschildern oder – ganz gefährlich: Bepflanzte Hängeampeln vor Hoteleingängen! Alles hängt für meine Begriffe auf Halbmast! Und einmal habe ich mir tatsächlich ganz böse meine Rübe gegen eine spitze Holzpfette gerammt. Ausgerechnet, als ich ohne Helm unterwegs war. Und als ich heute den Sommer-Overall meiner Träume gefunden habe – hätte – hingen meine Knöchel im Freien. Oder meine Oberweite. Tja, sind eben für Mexikanerinnen geschneidert! Manche Frauen sind kaum größer als Einsfünfzig – mit Sechs Zentimetern Absatz und Fünf Plateau. Einfach Putzig!

Dann wiederum gibt´s die, die sich mit unseren europäischen / amerikanischen Standards ganz wohl fühlen. So wie Coral zum Beispiel. Sie ist so alt wie ich, hat Drei Töchter im Teenageralter, ist mittlerweile geschieden und erzählt mir in ihrer eigenen Boutique, dass sie nicht mehr mit Achtzehn heiraten würde. Obwohl sie damit schon nicht einmal wirklich früh dran war: Manche Mädchen heiraten hier mit Vierzehn. Oder werden verheiratet… Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte, würde sie sich damit noch ein bisschen mehr Zeit lassen. Sie würde eine Schule besuchen, vielleicht sogar studieren, ein bisschen reisen und sich ein Bild von dieser Welt machen. Von schon so mancher jungen Frau habe ich das gehört. Sie haben mich immer bewundernd empfangen und mir alles Glück dieser Welt gewünscht, obgleich sie vielleicht auch ein bisschen neidisch waren auf meine Freiheit und meinen lockeren Lebensstil. Nun, immer war es ja nicht so. Und es kommt ja auch nicht von ungefähr. Immerhin habe ich das Geld, das ich hier ausgebe, selbst erarbeitet. Aber trotzdem ist mir mittlerweile längst bewusst geworden, dass ich einfach pures Glück hatte, im Zentrum von Europa, im Geldschrank dieser Welt auf die Welt gekommen zu sein. Das hat mir mein guter Freund Börni schon vor ein paar Jahren erzählt. Und jetzt sehe ich es ganz genauso. Wir haben alle Möglichkeiten dieser Welt. Wir können! Wenn wir nur wollen. Wohingegen viele junge Menschen hier und in vielen anderen Ländern dieser Welt wollen können, so viel sie wollen – da geht nichts! Kinder, die den ganzen Tag im Garagenladen stehen, um ein paar Dosen Cola zu verkaufen, die dir mitten auf der Autobahn Kokosnüsse aufschlagen oder – wie hier – mit dem Schuhputzkasten unter dem Arm zu Geschäftsmännern gemacht anstatt in die Schule geschickt werden. Welche Möglichkeiten sollten sie noch haben, außer dieses Geschäft bis zum Tod weiterzuführen? Wer hier ausbrechen will, muss alles auf´s Spiel setzen wie zum Beispiel Davíd, der in einem Zweiundzwanzig-Stunden-Marsch illegal in die USA eingewandert ist, um dort nach Schwarzarbeit zu suchen. Immerhin, er hatte Glück und konnte eine Zeit lang auf dem Bau arbeiten und gutes Geld verdienen. Doch heute könnte er uns von sicherlich so allerlei berichten. Einem halbjährigen Gefängnisaufenthalt inklusive…

Aber ich will ja eigentlich von den schönen Seiten berichten. Und davon hat Mexiko in Hülle und Fülle! Angefangen bei der einzigartigen Stein- und Kaktuswüste in Baja California, über die herrlichen Strände entlang der Westküste des Hauptlandes. Wobei es schöne Strände ja viele gibt… Mich persönlich haben die gigantischen Kakteen und die Streifen unberührter Wüstenlandschaft noch ein bisschen mehr fasziniert! Aber dafür punktet das tropische Festland mit Obst und Säften aller nur erdenklichen Arten: Wassermelone, Ananas, Mango, Papaya, Guanabana, Guayaba, … und wie sie alle heißen. Man kriegt sie mundgerecht als Mix-Coctails, geschält am Spieß oder als eisgekühlten Saft. Zum Spottpreis für uns Europäer. Und erst die Kokosnüsse! Auch eisgekühlt, wenn man Glück hat! Erst die Milch, dann das Fleisch – hmmmm!

Und das Beste kommt zum Schluß: Die Landsleute. Schon in Kalifornien habe ich Warnungen über Warnungen bekommen, dass ich doch als Frau niemals alleine nach Mexiko reisen könnte! Viel zu gefährlich! Raub, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Alles würde mich dort erwarten können. Schon nicht einmal Tijuana – wo für mich der Grenzübergang nach Mexiko war – würde ich überleben! Doch scheinbar bin ich zäh. Oder uninteressant. Jedenfalls habe ich es durch Tijuana hindurch geschafft und sogar meinen Weg bis nach La Paz gemacht. Doch von da an übersetzen auf´s Festland: Mein zweites Todesurteil! Denn Zwei hochgefährliche Staaten würde ich dort durchqueren müssen. Ich soll auf jeden Fall einen weiten Bogen über das Inland und die Berge fahren! Die meisten anderen Radfahrer haben sich an diesen Rat gehalten. Aber ihr kennt mich ja nun schon: Ich schau mir die Lage lieber selbst an. Und so hatte ich genau in diesen Gebieten meine beste Zeit! So wie in allen anderen Gebieten hier in Mexiko! In den ganzen Zwei Monaten, die ich jetzt hier bin, gab es nicht eine einzige auch nur annähernd gefährliche Situation. Keinen einzigen Moment des Schreckens oder der Unsicherheit. Ich habe mich – tags wie nachts – sicher und sogar behütet gefühlt! Die Einheimischen haben mir nicht ein Mal ihren Garten oder ihr Grundstück zum campen verwehrt. Sie haben mich auf ihre Terrassen oder sogar in ihre Häuser eingeladen. Und noch mehr: Sie waren immerzu freundlich und herzlich zu mir! Sie haben mir meistens ehrliche Preise genannt und mich vorzüglich behandelt. Mich auf der Straße begrüßt und mein Grüßen erwidert. Sie haben mich nicht ein Mal zurecht gewiesen: „Hier dürfen keine Fahrradfahrer… wäh, wäh, wäh!“ Ich bin behandelt worden, wie ein gern gesehener Gast. Und dafür liebe ich jetzt dieses Land!

Mexiko, du bist meine Reise vom ersten bis zum letzten Tag wert gewesen! Morgen mache ich mich auf Richtung Grenze nach Guatemala. Aber eins ist sicher: Was auch immer dort noch passieren mag: Die letzten Zwei Monate kann mir keiner mehr nehmen. Die sind mir sicher! Sicher aufbewahrt in meinem Herzen. Für immer.

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269_Reising high

Was genau „es geht Vierzig Kilometer bergauf“ bedeutet, wurde mir heute erst unterwegs bewusst! Die ersten Fünfzehn Kilometer rollte ich erst einmal gemütlich hinunter und raus aus Tuxtla. Dann kam wieder die berühmte Cuota-Tafel und das Mauthäuschen. Die letzte Toilettenanlage. Von jetzt an stieg die Straße. Und stieg und stieg und stieg. Nach Fünf Kilometern, legte ich eine erste kleine Trinkpause ein. Nach weiteren Fünf einen Apfel und ein paar Kekse. Mittagspause wollte ich nicht vor der Hälfte der Strecke machen. Also weitere Fünf Kilometer mindestens! Dann hockte ich mich an den Straßenrand in den Schatten und bastelte mir ein Sandwich mit italienischer Salami und Avocado. Nochmal Fünf und ich mache nochmal einen Stopp unter dem Sonnenschirm eines kleinen Getränkestandes. Insgesamt steht der Tacho jetzt bei Fünfunddreißig. Und die Tafeln auf der Straße, die die Kilometer ab dem Mauthäuschen zählen zeigen mir Zwanzig. Wahnsinn, das ist ja gerade mal die Hälfte der ganzen Steigung! Und die Uhr? Die Uhr zeigt schon Drei! Um Sechs wird´s dunkel. Ich habe also noch gute Drei Stunden für verbleibende Fünfundzwanzig Kilometer, davon mindestens Zwanzig bergauf. Wenn nicht gar alle Fünfundzwanzig!

Ich fahre eine Geschwindigkeit von Sechs bis Acht Km/h. Wer schnell rechnen kann, wird bestimmt schon festgestellt haben: Schaffbar ist es noch! Drei (Stunden) x Sieben (km/h) = Einundzwanzig Kilometer. Aber Pausen sind ab sofort tabu!

Ich setze mir ein Streckenziel: Schätze die Kilometer bis zur letzten, sichtbaren Kurve. Fünf bis Sieben. Also nach Fünf bis Sieben Kilometern darf ich kurz stehen bleiben. Für Fünf Minuten, nicht länger! Das funktioniert Zwei Mal gut. Dann werden mir die Fünf-Kilometer-Abschnitte schlicht zu lange! Ich setze mir kürzere Ziele, je nachdem, was gerade den kürzesten Abschnitt darstellt: Bis zur nächsten vollen oder halben Stunde, bis zur nächsten runden Zahl auf dem Tacho, bis zum nächsten Fünfer auf den Straßenschildern. Am Ende bis zum nächsten Kilometer auf den Straßenschildern! Ich kann nicht mehr. Kein Mensch weiß genau, wo dieses San Cristóbal liegt: Geht es bis zum Stadteingang bergauf? Oder überwinde ich vorher eine Kuppe, von der es noch ein bisschen bergab geht?

Die Sonne verschwindet hinter den Bäumen. Der Wind wird eisig. Ich muss mir was langärmliges anziehen. Und meine Windjacke, die ich seit Kalifornien nicht mehr gebraucht habe! Die Straßentäfelchen weisen jetzt Achtunddreißig Kilometer aus. Also noch Zwei, dann sollte die Steigung endlich überwunden sein. Wenn Davide Recht und exakt geschrieben hat! …Neununddreißig. …Vierzig. …Einundvierzig: Es geht bergauf! …Zweiundvierzig: Es geht bergauf!

Ich kann nicht mehr! Mein Rücken tut weh, meine Schultern- und Nackenmuskeln krampfen schon seit Stunden! Langsam beginnt der Kopf zu schmerzen. Ich schalte mein GPS ein: Fünf Kilometer bis zum Zentrum von Cristóbal. Klingt easy. Aber wenn es noch Fünf Kilometer bergauf geht, habe ich keine Chance, das zu schaffen! Es ist schon dämmrig. Ich schalte mein Licht an. Und spähe am Straßenrand schon Campingplätze aus. Aber wirklich sicher scheint mir hier keiner: Die Zivilisation hat schon begonnen. Irgendetwas lässt mich stoisch weiterkurbeln. Bis zum Letzten! Ziehen wir´s durch!

Und dem Himmel sei Dank: Die Erlösung bei Zweiundvierzigeinhalb: Ich fahre über den höchsten Punkt und sehe San Cristóbal unten im Kessel liegen. Ich hab´s geschafft! Nur Schlafplatz habe ich noch keinen. Egal, erst mal runter, dann sehen wir weiter.

Unten am Ortseingang stoppe ich an der Tankstelle. Hier versuche ich nochmal, eine Verbindung mit dem Internet zu bekommen, um nach meinen Couchsurfing-Angeboten zu sehen. Mittlerweile haben ein paar geantwortet: Absagen. Nur zwei habe ich noch im Petto: Einer hat sogar zugesagt! Doch er kann erst um Neun oder Zehn Feierabend machen! Ich checke noch die Andere. Doch die reagiert nicht sofort. Ich erwäge in meiner Erschöpfung, diese Nacht hier an der Tanke zu verbringen. Oder doch im Hotel dahinter? Ich frage, was es kostet. Hmm, erschwinglich, aber was mache ich denn hier am Rand der Stadt? Sollte ich hier nur duschen und dann irgendwo da hinten in den Hügeln zelten? Keine Ahnung. Wer mag für mich entscheiden? Ich kann nicht mehr!

Ich frage den Rezeptionisten, ob er eine Unterkunft im Zentrum kennt, die etwas günstiger ist als das Hotel. Und er kennt eine! Er schickt mich auf den Punkt genau zum „Hostal Maria Chamula“. Dieses liegt mitten in der Fußgängerzone, neben an die Bibliothek mit freiem W-LAN, eine Chocolateria für morgen, ein Schnellimbiss für heute, ein kleines Käselädchen, ein Café-Restaurant mit Cappuccino… Es ist stockfinster und frostig kalt, als ich im Hostal ankomme. Hoffentlich haben die noch ein Zimmer frei! …es liegt gleich im Erdgeschoss. Ein Einzelzimmer. Ich darf mein Rad mit hineinnehmen und dann erst mal duschen. Dampfend heiß und ausgiebig duschen, bis ich wieder aufgewärmt bin und sich die Muskelverspannungen anfangen zu lösen. Und morgen habe ich frei! Ich fühle mich wie an dem Tag einer Projektabgabe. Alle Last fällt ab, man hat gekämpft, alles gegeben und es hat sich auch noch ausbezahlt! Glücklicher könnte ich nicht sein! Nur schade, dass ich es mit niemandem teilen kann…

 

San Cristóbal de las Casas, Mexiko (Hostal Maria Chamula)

Tages-Km: 64,25km / -Zeit: 7:03h / -Höhenmeter: 1.879m / 2.100 m.ü.N.N.!

Gesamt-Km: 16.740km / -Zeit: 1.133h / -Höhenmeter: 151.112m

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Spiess umgedreht!

Halb Sieben in der Früh, nicht wirklich richtig Früh, wie vorgenommen. Doch in Wirklichkeit wäre mir einfach nur nach umdrehen und weiterschlafen. Ich quäle mich auf die Beine und meine Schlaftrunkenheit und nicht erholte Müdigkeit in den Gliedern stellen mir die entscheidende Frage: Wer jagt hier eigentlich wen? Ich den Papst? Oder er mich?

Ich fühle mich von Ihrer Heiligkeit enorm unter Druck gesetzt! Wie soll ich das eigentlich schaffen? Bis hinauf nach San Cristòbal sind es Vierzig Kilometer nur bergauf. Auch das weiß ich aus dem Erfahrungsbericht von Davide. Für eine Recherche von Details wie Streckenprofil, exakte zu überwindende Höhenmeter, Streckenlänge fehlte mir gestern die Zeit. Es wird kein Spaziergang, das steht fest! Doch ich will ja nicht nur ankommen, ich will ja rechtzeitig ankommen, um noch den Papst zu sehen! Und was, wenn ich mich dafür jetzt bis zum Anschlag verausgabe und am Ende ist er gar schon wieder weg? Und ich habe aber trotzdem keine Unterkunft, weil mir bisher nämlich keiner geantwortet hat von den Couchsurfern?

Ich konsultiere die Website von Radio Vatikan. Da steht das Papstprogramm in Mexiko zu lesen. Auf die Uhrzeit genau! Und weiterhin steht da, dass ich ein bilderbuchmäßiger Dummkopf wäre, dieses Spiel auf Zeit zu riskieren: Schließlich predigt er dort oben schon um Zehn am Vormittag und verlässt die Stadt wieder so gegen Mittag…mit dem Hubschrauber! Also auf der Straße begegnen würden wir uns dann ja wohl auch nicht. Ich lese weiter: „Ankunft in Tuxtla: 15:00 Uhr…“ Ach, der kommt also hierher nach Tuxtla auch noch? Na, das ist doch aber ein feiner Zug von Ihrer Eminenz. Und so will es mein Schicksal, dass es ist wie so oft: Wenn man etwas zu verbissen anstrebt und es einfach nicht erreichen kann, sollte man loslassen. Und es kommt von ganz allein zu einem!

 

Tuxtla, Mexiko (Hotel de Tuxtla)

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268_Papstjagd

Warum habe ich nur den Weg über Arriaga genommen? Am Ende war es nicht mehr als ein gehöriger Umweg. Der mich jetzt möglicherweise DAS Spektakel meiner Mexikoreise kostet: Der Papst kommt! Und zufällig will der auch noch genau da hin, wo ich meinen nächsten Zwischenstopp geplant habe: In San Cristòbal de las Casas. Das habe ich zufällig in Salina Cruz im Hotel erfahren. Doch zu dem Zeitpunkt hat es im Hirn noch nicht geklickt. Kennt ihr das? Ihr hört etwas, nehmt etwas zunächst nur als eine Information auf, speichert sie mal vorsichtshalber. Dann, so nach und nach, kommt euch der Gedanke, dass man aus dieser Information etwas machen könnte. Ich könnte ja den Papst nicht nur VIELLEICHT zufällig hier in Mexiko treffen. Ich könnte ja auch AUF JEDEN FALL den Papst hier zufällig treffen! Zufällig, weil er eben zufällig gerade dort „abhängt“, wo ich auch in der Gegend bin. Aber ob wir jetzt tatsächlich zusammentreffen, hängt doch ganz entscheidend von meiner Planung ab! Der Papst hat ja seinen Plan schon gemacht: „Er kommt am Montag!“, weiß ich vom Hotel. Und das seit Donnerstag Früh! Doch heute erst funkt es durch bei mir: Ich will ihn eigentlich nicht nur vielleicht gerade zufällig sehen. Ich will ihn sehen!

Doch jetzt bin ich fast ein bisschen knapp dran, um es mal in gemächlich-bayrischer Manier auszudrücken. Auf gut deutsch: Es wird verdammt eng! Ich habe nämlich nochmal so einen Tag wie gestern bis hinauf nach Tuxtla zu absolvieren. Wenn ich das geschafft habe, ist schon Sonntagabend! Aber wenn ich richtig früh aus den Federn krieche, mich voll ins Zeug hänge, könnte ich vielleicht noch irgendwie…

Endlich im Hotel! Tuxtla ist geschafft. Und ich auch! Davide hat mir einen hilfreichen Tip für ein günstiges Hotel geschickt. Doch das habe ich nicht gefunden. Habe in der besagten Straße irgendwann zwei Polizisten gefragt, ob sie dieses Hotel kennen würden. Der eine meinte: „Ja, ja, das sagt mir was…“ Aber er erinnerte sich leider nicht annähernd, wo genau ihm das was gesagt hatte. Da funkte sein Kollege an die Polizeiflotte um die Ecke. Ja, ja, da musste du Drei Blöcke zurück! Doch da fand ich nichts als einen älteren Senor, dem dieses Hotel auch schon mal was gesagt hatte. Aber wo…? Noch eineinhalb Blöcke weiter! Aber unterwegs wurde er selbst unsicher und fragte sicherheitshalber noch einen Senor auf der Straße. Dieser hatte von diesem dubiosen Hotel noch nie was gehört. Aber ich brauche das Hotel XY unten an der Hauptstraße. Dort zurück, fand ich den Laden nach nur zwei weiteren Querstraßen. Doch ihr wollt ja nicht wissen, was die mir für ein Zimmer angeboten hätten! Zu dem Preis noch dazu! Ich fragte mich weiter. Da schickten sie mich ein bisschen die Straße runter. Da sind Zwei billigere Unterkünfte. Doch dort sah ich, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Noch einen dreckigeren Laden! Bah! Pfui Teufel! Nicht einmal, wenn sie mir das Geld, das sie von mir verlangt hätten in dreifacher Höhe ausbezahlen wollten, würde ich da bleiben!

Jetzt stand ich da mitten in einer schon ordentlich großen Stadt. Und keine Ahnung, wo ich bleiben soll. Die Müdigkeit übermannte mich. Und wenn ich erschöpft bin, nehmen rapide meine Entscheidungsfähigkeit und Entschlusskraft ab. Ich stand auf der Straße, die Dunkelheit brach langsam an und ich hatte keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte. Einfach weitersuchen? Nochmal die eine Straße nach dem doofen Hotel Miguel abgrasen? Raus aus der Stadt und campen? Zu spät! Das würde ich nie schaffen! Ich fand mich irgendwie weitersuchend, mich langsam in Richtung der einen Straße bewegend. Auf dem Weg fand ich noch ein Hotel, zu teuer. Die Empfehlung von dort: Du brauchst das „Hotel de Tuxtla“! Ist nur eine Querstraße weiter. Und da kostete das Zimmer jetzt genauso viel wie beim ersten Schuppen. Aber das Zimmer was sauber! Die Dusche geputzt, kein Schimmel an der Wand, oder besser: Keine Wand am Schimmel, keine faustgroßen Kalkknödel an den Wasserhähnen, und immerhin lauwarmes Wasser kam in einem üppigen Wasserstrahl aus der Brause. Und Internet war auch inklusive. Und hier bin ich jetzt und schreibe Zehn Couchsurfer an, ob ich morgen bei ihnen unterkommen könnte. Ein spontanes Hotelzimmer würde ich morgen in San Cristóbal nämlich garantiert nicht finden können! Darin sind sich irgendwie alle einig. Da ist alles auf Papst!

 

Tuxtla, Mexiko (Hotel de Tuxtla)

Tages-Km: 77,14km / -Zeit: 5:27h / -Höhenmeter: 872m / Starkwind scheint überwunden!

Gesamt-Km: 16.676km / -Zeit: 1.126h / -Höhenmeter: 149.233m

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