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267_Auf der Autobahn

Wieder ein typisches Beispiel dafür, was an einem Tag alles passieren kann! Bei Sturmböen habe ich meine Festung abgebaut und dann mein Rad Richtung Dorf gefahrschoben. Ein Mütterchen am Straßenrand hatte – während sie auf den Bus wartete – mich in meinem Kampf gegen den Wind längere Zeit beobachten können. Ich habe mich ihr schließlich mit kaum mehr als Fünf Km/h nähern können! Und als ich endlich auf ihrer Höhe war, steckte mir sie ein aufmunterndes „Kopf hoch!“ zu. Dann langsam, nach und nach flaute dieser lästige Reisebegleiter der letzten Tage bis auf ein paar vereinzelte Nachzügler ab. Dafür begann jetzt der Aufstieg. Und ich habe mich heute noch mehrmals an die große Straßentafel am Eingang der „Cuota“ – das ist hier die mautpflichtige Schnellstraße – erinnert. „Diese Straße überzeugt mit …“

  • Sicherheit
  • Sauberkeit
  • Toilettenanlagen und Rastplätzen

Nun, es mag vielleicht damit zu tun haben, dass ich mich mit meinem Fahrzeug nicht ganz so schnell vorwärts bewegen kann, wie man es üblicherweise auf einer Autobahn oder Schnellstraße tut. Aber ich kann den ganzen lieben langen Tag nicht ein einziges Klohäuschen oder Rastplätzchen besuchen! Meine Kekspause halte ich auf einem großen, ausgebeulten Felsbrocken ab, meine Mittagspause auf einer Mauer aus Steinkörben, die die Außenkurve einer großen Biegung sichert. Und von wegen „weniger flach“, wie der grüne Engel gemeint hatte. Die ist stellenweise mindestens so steil wie die alte Paßstraße, die sich genau gegenüber an der Bergwand entlang schlängelt und zu der ich immer wieder einen vergleichenden Blick rüberwerfen muss. Keine Bohne ist die steiler! Aber schöner und mit deutlich weniger Verkehr wäre sie, das steht fest! Und noch eine Vermutung drängt sich mir langsam auf: Da drüben fallen bestimmt die letzten, störrischen Windböen nicht so krass ein, wie hier. Da schleicht der Asphalt sich ganz eng am Fels entlang nach oben. Als ob er sich vom Wind verstecken möchte, kriecht er mit eingezogenem Kopf und dem Rücken zum Felsen Stück für Stück in die Höhe. Und hier herüben? Hier fräsen wir uns mit moderner Technik knallhart einfach durch die Hügel durch, schneiden 1A-Winddüsen in die Landschaft und bohren Tunnel wie Windkanäle! Oder wir hangeln uns über schwindelige, ausgesetzte, waghalsige Brücken von einer Kuppe auf die nächste. Und das soll jetzt fortschrittlich sein? Ja verdammt! Aber einer muss ja schließlich Schuld haben an meinem wachsenden Ärgernis hier! Wie soll man denn ein Siebzig Kilogramm schweres Fahrrad durch eine dieser Schneisen bringen, wenn einem dort ein Sturm von geballten Achtzig Sachen entgegenhaut? Immer genau an diesen Stellen muss ich blitzschnell vom Rad springen, weiter Ausfallschritt nach hinten, beide Hände fest am Lenker und den Kopf tief gesenkt zwischen die nach vorne ausgestreckten Arme klemmen, damit mir der Helm nicht in den Nacken geblasen wird. Und beide Bremsen auf Anschlag natürlich! Das ist vielleicht eine erstklassige Schei…e, sag ich euch! Und ich kann mich erinnern, wie ich heute beim mentalen Vorschreiben diesen Blog wieder und wieder mit „Mein Kampf“ überschrieben habe. Aber der Titel ist ja nun schon vergeben…

Steter Tropfen höhlt irgendwann aber doch den Stein. Und so sind die ersten Achthundertnochwas Höhenmeter endlich mühselig hinaufgewürgt. Jetzt wäre ein Päuschen recht. Doch: Diese Straße überzeugt MICH definitiv nicht mit Rastplätzen und Toilettenanlagen! Und noch nicht mal raus auf´s Dorf lassen die einen, um an Futter zu kommen. Doch klar! Ich bin ja auf der „Cuota“! Jetzt erst so langsam begreife ich, was das im Detail bedeutet! Eine Mautstraße werden die ja wohl nicht mit vielen lustigen Auf- und Abfahrten bauen. Da müsste ja jedes Mal ein teures Mauthäuschen mit Personal hin! Die nächste Ausfahrt vermute ich… lasst mich kurz rechnen… morgen!

Ja und überhaupt: Wo soll ich überhaupt schlafen heute Nacht? Links und rechts der Straße finde ich entweder hohes, struppiges Steppengras oder einen abgebrannten, rußigen „Grün“-Streifen bevor stabile Maschenzäune die „Cuota“ sichern. Es wird dämmriger. Und aussichtsloser. Ich spiele schon mit dem Gedanken, mich dort an einem Müllsammelplätzchen einzurichten. Doch das ist schon ganz schön schäbig… Aber Glück gehabt: Ich finde was Besseres. Ein kleines „Wassertürmchen“, oder wie man das Ding benennen will: Eine Betonplatte auf einer senkrechten Betonscheibe und Zwei Stützen. Drauf steht ein Wassersammelbecken. Und drunter bin ich durch die Betonwand vom letzten Wind geschützt. Aber am Ende penne ich heute trotzdem schlicht und schmucklos gesagt: Auf der Autobahn!

Lust auf einen uralten, hundertfach ausgeleierten Sparwitz?

Nnnneeein?                       Nnnneeein?                     Nnnneeein?      …

 

Auf der Autobahn, Mexiko (Zelt)

Tages-Km: 60,05km / -Zeit: 6:03h / -Höhenmeter: 1.220m / Starkwind, nur noch Stellenweise

Gesamt-Km: 16.599km / -Zeit: 1.121h / -Höhenmeter: 148.360m

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