DSC08691_klein

268_Papstjagd

Warum habe ich nur den Weg über Arriaga genommen? Am Ende war es nicht mehr als ein gehöriger Umweg. Der mich jetzt möglicherweise DAS Spektakel meiner Mexikoreise kostet: Der Papst kommt! Und zufällig will der auch noch genau da hin, wo ich meinen nächsten Zwischenstopp geplant habe: In San Cristòbal de las Casas. Das habe ich zufällig in Salina Cruz im Hotel erfahren. Doch zu dem Zeitpunkt hat es im Hirn noch nicht geklickt. Kennt ihr das? Ihr hört etwas, nehmt etwas zunächst nur als eine Information auf, speichert sie mal vorsichtshalber. Dann, so nach und nach, kommt euch der Gedanke, dass man aus dieser Information etwas machen könnte. Ich könnte ja den Papst nicht nur VIELLEICHT zufällig hier in Mexiko treffen. Ich könnte ja auch AUF JEDEN FALL den Papst hier zufällig treffen! Zufällig, weil er eben zufällig gerade dort „abhängt“, wo ich auch in der Gegend bin. Aber ob wir jetzt tatsächlich zusammentreffen, hängt doch ganz entscheidend von meiner Planung ab! Der Papst hat ja seinen Plan schon gemacht: „Er kommt am Montag!“, weiß ich vom Hotel. Und das seit Donnerstag Früh! Doch heute erst funkt es durch bei mir: Ich will ihn eigentlich nicht nur vielleicht gerade zufällig sehen. Ich will ihn sehen!

Doch jetzt bin ich fast ein bisschen knapp dran, um es mal in gemächlich-bayrischer Manier auszudrücken. Auf gut deutsch: Es wird verdammt eng! Ich habe nämlich nochmal so einen Tag wie gestern bis hinauf nach Tuxtla zu absolvieren. Wenn ich das geschafft habe, ist schon Sonntagabend! Aber wenn ich richtig früh aus den Federn krieche, mich voll ins Zeug hänge, könnte ich vielleicht noch irgendwie…

Endlich im Hotel! Tuxtla ist geschafft. Und ich auch! Davide hat mir einen hilfreichen Tip für ein günstiges Hotel geschickt. Doch das habe ich nicht gefunden. Habe in der besagten Straße irgendwann zwei Polizisten gefragt, ob sie dieses Hotel kennen würden. Der eine meinte: „Ja, ja, das sagt mir was…“ Aber er erinnerte sich leider nicht annähernd, wo genau ihm das was gesagt hatte. Da funkte sein Kollege an die Polizeiflotte um die Ecke. Ja, ja, da musste du Drei Blöcke zurück! Doch da fand ich nichts als einen älteren Senor, dem dieses Hotel auch schon mal was gesagt hatte. Aber wo…? Noch eineinhalb Blöcke weiter! Aber unterwegs wurde er selbst unsicher und fragte sicherheitshalber noch einen Senor auf der Straße. Dieser hatte von diesem dubiosen Hotel noch nie was gehört. Aber ich brauche das Hotel XY unten an der Hauptstraße. Dort zurück, fand ich den Laden nach nur zwei weiteren Querstraßen. Doch ihr wollt ja nicht wissen, was die mir für ein Zimmer angeboten hätten! Zu dem Preis noch dazu! Ich fragte mich weiter. Da schickten sie mich ein bisschen die Straße runter. Da sind Zwei billigere Unterkünfte. Doch dort sah ich, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Noch einen dreckigeren Laden! Bah! Pfui Teufel! Nicht einmal, wenn sie mir das Geld, das sie von mir verlangt hätten in dreifacher Höhe ausbezahlen wollten, würde ich da bleiben!

Jetzt stand ich da mitten in einer schon ordentlich großen Stadt. Und keine Ahnung, wo ich bleiben soll. Die Müdigkeit übermannte mich. Und wenn ich erschöpft bin, nehmen rapide meine Entscheidungsfähigkeit und Entschlusskraft ab. Ich stand auf der Straße, die Dunkelheit brach langsam an und ich hatte keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte. Einfach weitersuchen? Nochmal die eine Straße nach dem doofen Hotel Miguel abgrasen? Raus aus der Stadt und campen? Zu spät! Das würde ich nie schaffen! Ich fand mich irgendwie weitersuchend, mich langsam in Richtung der einen Straße bewegend. Auf dem Weg fand ich noch ein Hotel, zu teuer. Die Empfehlung von dort: Du brauchst das „Hotel de Tuxtla“! Ist nur eine Querstraße weiter. Und da kostete das Zimmer jetzt genauso viel wie beim ersten Schuppen. Aber das Zimmer was sauber! Die Dusche geputzt, kein Schimmel an der Wand, oder besser: Keine Wand am Schimmel, keine faustgroßen Kalkknödel an den Wasserhähnen, und immerhin lauwarmes Wasser kam in einem üppigen Wasserstrahl aus der Brause. Und Internet war auch inklusive. Und hier bin ich jetzt und schreibe Zehn Couchsurfer an, ob ich morgen bei ihnen unterkommen könnte. Ein spontanes Hotelzimmer würde ich morgen in San Cristóbal nämlich garantiert nicht finden können! Darin sind sich irgendwie alle einig. Da ist alles auf Papst!

 

Tuxtla, Mexiko (Hotel de Tuxtla)

Tages-Km: 77,14km / -Zeit: 5:27h / -Höhenmeter: 872m / Starkwind scheint überwunden!

Gesamt-Km: 16.676km / -Zeit: 1.126h / -Höhenmeter: 149.233m

9,123 total views, 5 views today

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *