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287_1 Wetter-Taft

“Escuintla”, Guatemala: Die Sonne brennt!

“La Libertad”, El Salvador: Die Sonne brennt!

„Usulután“, Honduras: Die Sonne brennt!

Wetterbericht ist ein Wort, das ich schon bald im Fremdwörterbuch nachschlagen muss, weil ich so nach und nach dessen Bedeutung vergesse! Hier braucht man keine Vorhersage. Hier weiß man eh, wie´s morgen wird: Heiß! Unglaublich, unendlich, unerträglich heiß! Heute fahre ich auf offener Straße – wieder mal. Will heiß-en, dass ich bitter die Anwesenheit von dicht beblätterten Laubbäumen vermisse, die in den letzten Tagen bisweilen meinen Straßenrand gesäumt haben. Doch wenn dir hier nichts den lindernden Schatten spendet, rettet dich nur eins vor dem Dahinschmelzen: Fahrtwind. Es klingt paradox, weil man, um diesen zu spüren, sich ja anstrengen muss. Sprich: Den Kreislauf in Schwung bringt, den Körper durch Bewegung erwärmt. Doch tatsächlich kühlt dieser die vor Schweiß tropfnasse Haut, dass man am Ende doch so etwas wie eine kühle Brise empfindet. Solange es nicht bergauf geht!

Doch das tut es hier ja nicht. Ein Glück! Alles, was stetig steigt, ist die Temperaturanzeige auf meinem Fahrradcomputer. Ich stehe seit gut Zehn Minuten am Straßenrand und wollte eigentlich nur ein Foto des Maximalwertes schießen. Damit ihr mir auch glaubt, dass es wirklich gut warm ist! Doch gerade will ich die Kamera wieder wegpacken, springt die Anzeige um ein Grad weiter. Und so wiederholt sich das gute Zwanzig Mal! Kamera aus, Verschlußklappe drauf, [Temperatursprung], Kamera wieder an, Verschlußklappe auf, … da capo! Bis zum Ende des Shootings, so vermute ich, ist die Hitze gar schon dem kleinen Elektrohirn in die Leitungen gestiegen: Diese Anzeige jedenfalls kann ich ihm nur schwerlich abnehmen. Doch ziehen wir halt Zehn Grad ab, ist es immer noch schlicht und ergreifend einfach eins: Caliente!

Das könnte vermutlich auch eine Erklärung für den traurigen Unfall einer motorisierten Biker-Kollegin aus Kalifornien sein: Gerade noch hat sie im Vorbeifahren freudig gehupt und mir übermütig zugejubelt, treffe ich sie ein paar Kilometer später hier im Schatten eines Baumes sitzend, auf einer Verkehrsinsel, umringt von fürsorglichen Honduranern. Sie hat einen von der Seite kommenden Pick-up beim Überqueren der Hauptstraße einfach übersehen und ist nach einem bösen Aufprall einmal wild durch die Luft gewirbelt worden. Gott sei Dank ist ihr nichts wirklich Schlimmes passiert: Sie kann aufstehen, sie kann gehen, wenn auch etwas krumm und sie kann klare Gedanken fassen und sprechen. Alles Weitere ist ja letztendlich nicht wichtig. Aber klar, ich kann ihren traurigen Blick nur allzu gut nachvollziehen: Von einem Augenblick zum nächsten war ihre Reise beendet! Aber sie wird sie hoffentlich später fortsetzen. Für mich war dieses Erlebnis wie ein kleiner Weckruf: Noch ein bisschen wachsamer sein, denn die Temperatur steigt vermutlich nicht nur meinem Tacho zu Kopfe, sondern bestimmt auch den anderen Verkehrsteilnehmern… Und mir definitiv auch. Darum: Apfel-Keks-Pause!

 

La Arada, Honduras (Zelt)

Tages-Km: 53,49km / -Zeit: 3:37h / -Höhenmeter: 374m

Gesamt-Km: 17.809km / -Zeit: 1.211h / -Höhenmeter: 162.653m

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