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393_Final Countdown: 8

Woohoo, das Jammern hat sich gelohnt! Heute bin ich in Brasilien angekommen! Heute hat mich die Sonne beehrt. Und für meine fast durchwachte Nacht an der Tanke entlohnt! Auf dem zweiten Boot hatte ich gestern Mauricio aus Chile getroffen. Er fährt auch mit dem Rad. Und auch nach Rio. Aber – das haben wir beide gleich zu Anfang schon mal klargestellt – auch er will allein dort hinfahren. Na wunderbar! Das gefällt mir. Ich nämlich auch. Ich will meine Ruhe haben auf den letzten Metern. Hab keinen Bock, mich jetzt noch auf eine Gemeinsam-Reiserei einzustellen. Und ihm geht´s genauso. Folglich sind wir bis zum Abend gemeinsam gereist. Wenn wir uns schon in allem einig sind…

Allerdings wollte ich bis in ein bestimmtes Städtchen. Das habe ich dann leider verpasst, weil er während Fahrt und Quatscherei schließlich nicht auch noch richtig navigieren konnte… Doch dann war ich ein bisschen in der Zwickmühle, weil schon die Nacht hereinbrach und wir uns mitten im Reichenviertel tummelten. Das Ende vom Lied: Die Tanke eben. Er unter einem gigantisch großen Werbeplakat im Gras und ich hinter der Werkstatt auf der Reparaturmulde unter einem alten, durchgerosteten Blechdach. Im Falle, dass es regnen würde. Das hat es glaube ich nicht. Aber dafür ist während der mir heiligen Regenerationsphase Drei Mal der Kompressor angesprungen. …und ich jedes Mal ungefähr an die Zeltdecke!

Doch wie gesagt: Der Tag hat es wieder gut gemacht. Oder sagen wir besser: Die Wetterlage des Tages. Der geographisch-topologische Teil dieses achten Tages vor Schluss hat meine Gunst gefährlich stark strapaziert! Ich meine, ich habe mich ja seit Tagen darauf eingestellt, dass noch ein paar Bergauffahrten kommen könnten. Aber hätte ich wirklich damit rechnen müssen, dass mich Brasilien auf die alten Tage noch die Streif fahren lässt? Rauf, wohl gemerkt! Also so eine gnadenlose Schinderei hätte ich mir wirklich sparen können! Und das Beste daran: Runterwärts ist bei diesem Gefälle keineswegs die Entlohnung. Eher die Kirsche auf dem Sahnehäubchen dessen, was schon zu viel ist. Es stellt sich heute nämlich dasselbe Phänomen ein, wie in Guatemala. Gerade eben an die Fahrten dort in Zentralamerika gedacht, pfeift mich mein hinteres Ventil auch schon ins Abseits. Es werden bei diesen steilen Abfahrten meine Felgen einfach zu heiß. Das mag jetzt stimmen oder nicht. Ist mir egal. Es ist meine Theorie. Und diese besagt in Fortführung dieses Gedankengangs, dass ich einfach nie, nie, niemals auf die Felgenbremsen hätte gehen sollen! Was für ein Blödsinn. Die ganze Welt fährt mit Disc. Warum tu ich das nicht? Das Ding im Zweifelsfall zu reparieren hätte mir ja vor Fahrtantritt jemand erklären können. Bestimmt hätte ich verstanden, was ich zu tun hätte, wenn wirklich irgendwann etwas gewesen wäre…

Während ich also wieder einmal einen Schlauch am Straßenrand wechsle, wartet Mauricio – wir sind uns noch immer einig, dass wir alleine reisen wollen – Hundert Meter weiter unten auf die Fertigstellung meiner Reparatureinlage. Aber ein schlechtes Gewissen habe ich deswegen nicht. Schließlich habe ich oben auf ihn gewartet. Drei Minuten, Fünf Minuten, Zehn Minuten… bis ihn schließlich ein weißer VW-Bus neben mir wieder auf die Straße ausspuckt. ..ja, ja, das habt ihr schon richtig verstanden!

 

Maresias, Brasilien (Hostal B.Llocca)

Tages-Km: 58,96km / -Zeit: 4:18h / -Höhenmeter: 569m

Gesamt-Km: 25.283km / -Zeit: 1.717 / -Höhenmeter: 216.132m

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5 Gedanken zu „393_Final Countdown: 8“

  1. Verzeiht mir, dass ich es so kurz halte: Ich danke euch allen und von ganzem Herzen, die ihr mir immer und immer wieder genau im richtigen Moment einen Bollen Kraft schickt!

  2. Hi,
    Auch ich möchte Dich zum Endspurt nochmal richtig anfeuern 😊
    Ich habe Deine Reise von Anfang an verfolgt und Deinen spannenden, unterhaltsamen und bisweilen auch aufregenden Blog gelesen und Deinen News entgegen gefiebert.
    Großartige Leistung und eine Lebenserfahrung.
    Ich ziehe den Hut und wünsche dir einen erfolgreichen Endspurt 🚵 und viel Spaß in Rio ⛵️🌴🎷
    Mani aus dem wilden Süden

  3. Schaka!!!! Die paar Kilometer nach Rio packste jetzt auch noch!
    Und für die nächste Weltreise gibts dann Scheibenbremsen 🙂

    Übrigens ist das Trio dir dicht auf den Fersen 😉

    Viele Grüße aus dem Rheinland, Genieß die letzten Tage Radln!

  4. Hallo Angi
    heute mal ganz offiziell – auch wenn es nochmal hart wird – das kleine Stück schaffst du auch! Hör auf deine Mama lass dich verwöhnen und gönne dir gute Betten, leckeres Essen und bißchen Ruhe :-). Denken ganz fest an Dich!! Deine Reise war echt der Hammer – eine wahnsinnige Leistung von Dir! Unglaublich! Ich ziehe den Hut 👒 ich hätte das nicht gekonnt! Und dann noch einen Blog so neben her, es war immer sehr unterhaltsam, spannend und oft beängstigend darum freue ich mich um so mehr dich bald mal zu drücken! Halte durch!!
    Bis bald Deine Sushi 💜

  5. Grüß dich Angela,
    das wird noch ganz schön deftig: mehr als 3000 Höhenmeter, bei täglich 50 bis 60 km Strecke! Aber das schaffst du! Warm wird’s die nächsten Tage, versorg dich gut mit Getränken, stell ein letztes Mal auf dieser Reise dein Zeltauf und dann check für den Rest in feste Unterkünfte ein und lass dich verwöhnen. Lass dich drücken und in Gedanken schieben. Mama

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