DSC03055_klein

396_Final Countdown: 3

Ein hell erleuchtetes Grau am Morgenhimmel weckt mich heute. Das ist mein Zeichen: Es muss weitergehen. Und das tut es auch. Es geht mir bedeutend besser. Durch die Nase kann ich zwar noch nicht atmen, aber mein brummender Kopf ist so gut wie Vergangenheit. Und mein Frühstück schmeckt mir auch schon wieder halbwegs.

Dann fühle ich den Sattel und es geht mir besser. Ich fahre erstmal ins Städtchen. Lieber mal ruhig angehen lassen, denke ich mir. Und dazu werde ich nicht zuletzt durch das grobe und ruppige Kopfsteinpflaster gezwungen: Schieben! Aber es herrscht einen total entspannte Stimmung hier. Die Leute, die gerade unterwegs durchs Zentrum sind, schlendern genüsslich den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Und es geht mir noch besser. Dann endlich kann ich wieder fahren. Ich spüre den Wind und ich sehe das blaue Wasser. Und das Wolkenloch über mir lässt auch ein Stück blauen Himmel durchscheinen. Und es geht mir noch besser. Ich habe ein paar Lieder im Kopf, die ich unbedingt hören will. Und dann kann mich plötzlich nichts mehr halten: Es geht mir einfach saugut!

Wenn man krank wird, hat das meistens nicht nur mit dem Körper zu tun. Der Kopf! Ihr kennt das bestimmt: Warum wird man immer am ersten Urlaubstag krank? Weil dann plötzlich der Wille dagegenzuhalten schwach wird. Im Beruf kann man nicht. Weil die Arbeit noch fertig werden muss vor dem Urlaub. Doch kaum hat man Feierabend, fällt der Druck ab und schwupps: Zerlegt´s einen. So war das auch bei mir. Ich hatte ehrlich gesagt ein paar echte Sch…tage. Alles ging langsam dem Ende zu. Und ich keine Ahnung, wie´s danach weitergeht. Ich wollte nicht ankommen. Ich habe mich gesperrt wie ein bockiger Esel. Doch die Zeiger der Welt lassen sich nicht bremsen. Sie ticken unbeirrt weiter und zerren und zupfen und zetern an dir. Und wie sehr du dich auch sperrst: Du hältst nie dagegen! Ich hatte mir ein, Zwei Tage Pause gewünscht, um nochmal in Ruhe über die Reise nachzudenken, zu reflektieren und resumieren. Ich hätte diese Zwei Tage vor den allerletzten Tag gelegt. Doch irgendwie ist es jetzt anders gekommen. Und irgendwie ist es auch gut so. Ich habe viel geschlafen und viel nachgedacht. Und jetzt habe ich es geschnallt: Warum Angst haben vor der Zukunft? Ich muss doch einfach nur das machen, was ich für die Reise ja schon wusste: Es kommen lassen. Ich stecke mir mein Ziel. Doch den Weg dorthin kenne ich nicht. Ich lasse einfach Tag für Tag kommen und so wird er sich schließlich definieren. Im Nachgang, nicht im Voraus. Damit bin ich in den letzten Monaten bestens gefahren. Und so werde ich bestimmt auch durch die nächste Zeit kommen. Und überhaupt: Schließlich kann ich es mir in meinem Alter nicht mehr leisten, zu weit in die Zukunft zu planen…

Und mit dieser Erkenntnis fällt heute Vormittag ein großer Brocken Angst von meinem Herzen ab. Es wird schon weitergehen. Der Himmel wird immer wieder Blau werden. Und blauer und blauer…

Und schon fährt links ein Motorradfahrer ran und lädt mich ein, bei ihm zu Hause zu übernachten. Im obersten Stock seines Häuschens mit einer Totalübersicht über die Bucht von Angra dos Reis. So läuft das, wenn man loslässt…

 

 

Angra dos Reis, Brasilien (Bei Filipe)

Tages-Km: 100,03km / -Zeit: 6:12h / -Höhenmeter: 825m

Gesamt-Km: 25.566km / -Zeit: 1.735 / -Höhenmeter: 218.861m

5,612 total views, 3 views today

7 Gedanken zu „396_Final Countdown: 3“

  1. hola brigitte
    me alegro que estés mejor de salud y puedas continuar falta poco, muy poco escribeme por favor feliz tarde

  2. Hi Angi,
    ich bin nicht nur froh darüber, dass es dir wieder besser geht, sondern auch dass du deine Weltreise gesund und ohne größere Schäden/Krankheiten gemeistert hast. Du wirst wohl sicherlich von jedem Land ein Bakterium als Mitbringsel mitnehmen, aber daheim kannst du dich ja wieder von deiner Familie aufpäppeln lassen. Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Spaß in Rio. Genießt die Olympia-Eröffnungsfeier und die ganzen Events drumherum. Das ist ein einmaliges Erlebnis! Einen Spruch wollte ich dir und insb. deinem Bruder noch auf den Weg geben, den ich gerade vorhin gelesen habe: Sex ist wie Olympia: Dabei sein ist alles 😉
    Ich freu mich schon riesig auf dich!!! GLG

  3. Hallo Angela ,
    schön, dass es dir wieder besser geht. Wir wünschen dir für deine letzten Kilometer alles Gute. Wir sind stolz auf Dich und deine Leistung und dein Durchhaltevermögen. Danke für die spannenden Berichte , die wir regelmäßig gelesen haben. Mach’s gut und viel Spaß bei der Olympiade
    Daniela mit Familie

  4. Guten Morgen Angela,
    auf in den neuen Tag. Sei froh, wenn’s dir die Sonne nicht besonders gut meint – die nächsten ca 70 km fordern dir noch über 1100 Höhenmeter ab (natürlich geht’s da auch wieder runter), um am Ende 10m tiefer zu liegen – also wieder ein ordentlicher Kraftakt. Danach aber schleicht der Weg so ziemlich eben dahin bis zur Marina da Gloria. Fri + co sind auf dem Weg nach Frankfurt – morgen früh sind sie in Rio, und du?
    Schau mal auf Phi’s Webseite im Olympia-Teil. Werden Erinnerungen wach? LGM

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *