IMG_4929-klein

46_Strandnacht

Am nächsten Morgen wartete schon die nächste Überraschung auf uns. Wir fuhren in Fier ein uns irgendetwas stimmte ganz gewaltig nicht hier! Etwas war anders…aber was? Zuerst fiel uns der rote Streifen am rechten Straßenrand auf. Ein Radweg – unglaublich! Gut, er war komplett zugeparkt. Aber immerhin. Die Vision zählt! Und als ich diesen roten Streifen länger bewundert hatte, kam es mir plötzlich: Hier fehlte der Müll am Straßenrand! Und mehr noch: Hier fehlte sogar der Dreck! Fier war blitzeblank gefegt! Und das Zentrum wurde gerade großräumig umgebaut in eine ziemlich deutsch anmutende Innenstadtzone mit Pflaster, Gehsteigen und Bäumen. Das hatte ich nicht erwartet hier in Albanien. Es dauerte nicht lange, kamen wir an einem Casino vorbei, davor ein astreiner Bentley (…schreibt man den so?). Aha, wir waren offenbar im Tresorraum des Landes angekommen.

Während Linda Brot kaufte, suchte ich nach einem zweiten Ladekabel für mein Equipment. Gab es nicht. Nicht im Sortiment. Aber der Ladenbesitzer hatte genau das Kabel, das ich brauchte, an seinem eigenen Rechner anstecken. Er zog es ab und gab es mir. Als ich fragte, was es kostete, winkte er nur ab und bedeutete mir, dass es ihm eine Ehre war, mir helfen zu können. Er wolle dafür bestimmt nichts haben! Das war vielleicht ein feiner Zug, mann oh mann! Dann gingen wir für Linda einen Flaschenhallter ans Fahrrad „kaufen“. Sie ging in den Laden, kam mit dem Besitzer wieder raus, zeigte ihm sozusagen am lebendigen Beispiel, was sie brauchte. Dann verschwand er im Laden und durch´s Fenster sah sie, wie er ihren Halter an einem anderen Rad abschraubte. Sie schon ein eleicht schlechtes Gewissen deswegen. Und als sie fragte, was er dafür bekomme, meinte er: „Geschenkt.“ Das war ein Vormittag!

Wie beflügelt stoben wir aus Fier hinaus über die Dörfer und Felder, durch herrliche Hügellandschaften und uralte Baumalleen. Bis wir schließlich im Olivenhain unsere Mittagspause machten. So gemütlich war´s fast noch nie bisher! Anschließend kam nochmal ein anderer Eindruck von Albanien: Die Hügel wurden fast schon Berge und so weit das Auge reichte Oliven- und Weinberge. Und das Meer im Hintergrund. Traumhaft schön!

Wieder unten wartete dann leider schon wieder das Vorstadt-Gewühle von Vlore auf uns. Aber nicht nur! Es überholte mich plötzlich ein anderer Gepäckradler, der im Vorbeiflattern nur „Hallo!“ sagte. Ein Deutscher! Ein Radler! Ein Österreicher (wie sich später herausstellte). Dann quatschte er Linda vor mir an, die drehte sich um und hinter mir sah sie noch einen von dieser Sorte – ihren Landsmann Luca, den sie in Dubrovnik bereits kennengelernt hatte und schrie ihm freudig entgegen. Das war cool! Wir gingen erst mal Kaffeetrinken und suchten uns anschließend das ultimative Nachtquartier: Zelten direkt am Meer!

Zu viert mit dem Rad in Albanien, die Deutschland-Österreich-Schweiz-Radreise-Gang im Glücksrausch: Und vor lauter Überdruß erst mal ab ins Wasser! Saukalt war´s, aber einfach notwendig unter diesen Bedingungen. Dann Kochen, Essen, Feuer machen. Es war ein unvergesslicher Abend unter Sternen mit Lagerfeuer, Saxophongedudel und Schliwowitz. …danke!

 

Vjete e Fthohte (Zelt mit Linda, Paul und Luca)

Tages-Km: 52,765km / -Zeit: 3:13h / -Höhenmeter: 305m

Gesamt-Km: 2.694km / -Zeit: 183:35h/ -Höhenmeter: 20.454m

 

14,155 total views, 7 views today

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *