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47_Am Limit

Zum gemeinsamen Frühstück beobachteten wir den Sonnenaufgang – überall dort, wo wir nicht saßen. So wie gestern Abend, als die Sonne genau dort unterging, wo wir zu Abend aßen. OK, die Devise lautete: Warmstrampeln!

Wir fuhren so bis Mittag zum nächsten größeren Ort, kauften nochmal kräftig ein, dann ließen wir unser Küken Paul von Dannen ziehen. Er hatte ohnehin ein Tempo drauf, das keiner mithalten konnte. Doch, Luca hätte können. Aber ich glaube am Abend war er froh, dass er nicht musste… Es ging nämlich einen gnadenlosen Pass hinauf. Erst zeigte er sich nur im Schafspelz: Es ging ganz gemächlich dahin. „Schläms hindre“, wie man bei mir daheim sagen würde. Aber schon mit ordentlich Gegenwind, sodass das schwer beladene Rad keinen Meter mehr weiterrollte, sobald man aufhörte zu treten. Das hab ich schon ganz gern! Da lieber gleich so steil, dass man wenigstens merkt, dass es bergauf geht und schon gar nicht erst erwarten würde, dass das Rad weiterrollen könnte, wenn man zu treten aufhört. Und kaum hatte ich meine insgeheimen Flucher über das fiese Flach-Bergauf fertiggedacht, zeigte sich der Wolf: 10% Steigung. Und drüber manchmal. Flacher wurde es nur selten und wenn, nur für ein paar Meter. Aber zum Ausschnaufen war´s kaum ausreichend. Und je weiter es gegen Passhöhe ging, umso steiler wurde es. Und umso windiger. Natürlich von vorne. Und flach wurde es plötzlich überhaupt nicht mehr! Ich wünschte mir mindestens noch drei bis fünf weitere Untersetzungsstufen. Es war wirklich manchmal haarscharf, dass ich nicht vom Rad fiel! Einmal knetete ich bis zum letzten Tropfen Kraft gegen die Mischung aus Steigung und Wind, bis mein Rad schließlich einfach nicht mehr vorwärts fuhr und ich einfach an der Windwand aufgeben musste. Anfahren war bei dem steilen Gelände unmöglich. Da blieb nur eins: Wer sein Rad liebt, der schiebt!

Wettertechnisch stellt euch folgende Bedingungen vor: Es war unten sonnig und warm. Aber schon auf der besagten, gemeinen Schräge am Fuße des Passes konnten wir beobachten, wie sich über den Kamm ein dickes Wolkenmeer schob. Das sah ungefähr aus, als ob ein riesiges Wattemonster von der anderen Seite auf den Berg heraufklettern wollte und bereits seine Pranken am Grat eingehakt hatte. Und je weiter wir raufkamen, umso mehr näherten wir uns der dicken weiß-grauen Suppe. Irgendwann kurz vor der Passhöhe sahen wir nur noch stiebende Nebelschwaden, horizontaler Nieselregen und es pfiff eisig kalter Wind. Schnee am Straßenrand. Nur gut, dass wir hier nicht wegen der schönen Aussicht heraufgefahren sind! Sondern einfach, weil wir uns gern selbst quälen.

Wir packten uns ein nach Vorbild von Hr. Michelin. Aber trotzdem war es nicht richtig warm. Da half nur noch ein Einkehrschwung. Pasta für alle. Und Wein, gesponsert vom Nachbartisch… Fein, fein, aber Glühwein wäre auch eine Idee gewesen!

Na, nicht, dass ihr denkt, ich würde mich auch noch beschweren wollen. Keinesfalls! Und im Übrigen sind wir weiter unten auch noch für unseren Kampfgeist entschädigt worden: Campingplatz im Olivenberg, direkt neben der Straße, keine Hunde, keine Hähne und warm war´s auch jedem von uns. Nur der Regen, der hätte nicht aufziehen müssen…

 

Palase (Zelt mit Linda, Luca)

Tages-Km: 45,54km / -Zeit: 4:07h / -Höhenmeter: 1.177m

Gesamt-Km: 2.739km / -Zeit: 187:42h/ -Höhenmeter: 21.631m

 

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