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48_Krasses Pferd!

Irgendwann musste es ja so weit kommen: Regen. Wind. Kalt. Ungemütlich. Die Motivation ließ heute Früh zu wünschen übrig. Aber deswegen nicht auf den Drahtesel zu steigen wäre ja auch ein bisschen für verwöhnte Gören. Wir packten uns also wasserdicht ein und los ging´s. Zur Abwechslung mal bergauf. Und der Regen… wurde immer stärker. Und der Wind… wurde immer stärker. Und der innere Schweinehund… wurde immer stärker. Ich hatte irgendwie keine Kraft mehr – die gestrige Etappe wohl noch in den Knochen. Und die Banane leider noch in der Packtasche anstatt schon zermantscht im Magen. Nur gut, dass Luca voraus gezogen war. Da mussten wir wohl hinterher. Und endlich zeichnete sich eine Mittags- oder wenigstens Kaffeepause ab: Der nächste Ort stand angeschrieben. (Nur) noch 10 Kilometer. Und ein Pass. Aber wenn eine Pause am Horizont winkt, schafft man auch den. Und dann passierte mir das Unding, das Unding der Unmöglichkeit….

Ich fuhr über die Kuppe, es ging erst einmal flach bergab, nach 300m eine Linkskurve mit Betonmauer rechter Hand, danach steil bergab. Ich ließ es rollen, fing nach ca. 150m leicht zu bremsen an: Nichts tat sich. Ich bremste stärker: Nichts tat sich. Ich zog beide Bremshebel bis an den Anschlag: Nichts tat sich. Ich wurde einfach immer schneller. Und die Betonmauer kam immer näher!

Ein kurzer Anflug von Panik, der Puls stieg schlagartig auf 200. Ich hatte genau noch eine Chance: Den Fuß mit voller Kraft gegen den Asphalt zu stemmen. Doch der schmierte einfach in gleicher Geschwindigkeit mit – aber langsamer wurde ich nicht wirklich. Aber was hätte ich sonst tun können? Ich presste einfach weiter und langsam, langsam verlor ich an Geschwindigkeit. …kurz vor der Mauer stand ich!

Ich hatte natürlich schon in den letzten Tagen bemerkt, dass die Bremsen nachgestellt werden sollten. Aber dass es so schlagartig gehen würde, damit hatte ich nie gerechnet. Durch den Regen wurden die Felgen offensichtlich noch rutschiger und die Bremswirkung war schlicht keine mehr. Aber es war ja gut ausgegangen! Nur: Wie kam ich jetzt den Pass wieder runter? Linda und Luca waren schon weit voraus. Und ich versuchte die ersten Meter mit aufgestemmtem Fuß nach unten zu kommen – keine Chance. Ich stieg ab und… (ich mag´s gar nicht schreiben) …schob. Doch in den steilen Passagen konnte ich kaum das Rad halten, so schwach waren die Bremsen mittlerweile. Da half nur eins: Werkzeugsackerl raus, anziehen. Bei strömendem Regen und Eiseskälte, denn in der Zwischenzeit war der Regen durch sämtliche Oberjackenschichten durchgesickert.

Endlich unten, erwarteten mich die anderen beiden in einem Tankstellen-Cafe und wir beschlossen, es für heute gut sein zu lassen. Checkten in´s nächste Hotel ein und verbrachten einen chilligen Nachmittag bei schlappen 30 Grad Heizungsluft. Aber mit Blick auf das türkisgrüne, albanische Meer… direkt vom Bett aus!

 

Himare (Hotel mit Linda, Luca)

Tages-Km: 22,41km / -Zeit: 2:05h / -Höhenmeter: 520m

Gesamt-Km: 2.762km / -Zeit: 189:48h/ -Höhenmeter: 22.152m

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2 Gedanken zu „48_Krasses Pferd!“

  1. Hallo Hansj,

    herzig und drollig versteht eine Allgäuerin auch ohne Übersetzung – vielen lieben Dank der Komplimente! Und im Übrigen klingt deine Kurzgeschichte da mindestens genauso spannend. Was macht ihr Schweizer denn mit einem Rennrad auf einem Pass mit Schnee??? Ihr kennt wirklich gar keinen Schmerz, oder?

    VLG, bestimmt auch von Linda (sie schläft heute schon…ging ihr nicht so gut)!

  2. hallo angi,
    da hast du aber schwein gehabt. ich kenne das sch…….gefühl mit den bremsen. ist mir mal mit dem rennrad passiert. zu klamme finger weil zu kalt und schnee auf der strasse den pass runter und die bremswirkung mit den rennradclickschuhen war auch eher bescheiden. deine berichte sind sehr spannend aber auch „herzig“ und „drollig“ (linda kann dir das sicher übersetzen). ich hoffe ihr seid noch eine zeit zusammen unterwegs und habt spass. ich bleibe dran. hansj aus der schweiz.

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