cremeg6

65_Wwhoou!!!

Was Hunde angeht, so würde ich mich fast sagen trauen, dass diese nun schon ein bisschen Routine geworden sind. Sie sind einfach da und gehören wohl irgendwie auch einfach dazu. Ich meine, ich kriege nicht mehr jedes Mal einen Pulsschlag von 280 wenn sie auf mich losgehen. Und sie tun es hier täglich, mehrmals. Von der Seite, von hinten, unerwartet und absehbar, von hinterhältigen Ecken hervor und manchmal von Weitem klar erkennbar, allein und in Horden: Sie rasen auf mich zu, sie knurren mich an, sie fletschen die Zähne. Und sie bellen, was der Karren hergibt! Aber all das beeindruckt mich nur noch mittelmäßig, denn schließlich habe ich gelernt, wie man am besten damit umgeht. Man schaut ihnen in die Augen und sagt ein freundliches, liebevolles „Iijjaa, iijjaaa“. Die meisten sind dann beruhigt und geben die Jagd auf. Die großen meistens nicht. Denen hilft dann ein lautes, gefährliches „He!“ auf die Sprünge. Jedenfalls scheint tatsächlich eine Regel nicht aus der Luft gegriffen zu sein: Nämlich die, die besagt, dass bellende Hunde nicht beißen. Zumindest bis jetzt nicht. Und die meisten von ihnen bellen, um ihren eigenen Schiss zu vertuschen – soweit zumindest mein persönlicher Erklärungsversuch für diese Regel.

Jetzt fahre ich also heute am späten Nachmittag nach zähem Bergauf endlich ein leichtgängiges Bergab hinunter und genieße die nieselgraue Landschaft. Es geht flott dahin. Aber ihr glaubt ja nicht, dass sich das weiße, langhaarige, oberschenkelhohe Monster davon hätte abhalten lassen, mir schon von der Horizontlinie entgegen zu rasen und… (na ihr wisst ja mittlerweile, was alles zum Programm gehört). Das Mistvieh war links von mir in einem privaten Olivenanwesen und ein paar gute Höhenmeter den Hang hinunter auf der Lauer gelegen, hatte mich – wie auch immer – erspäht und ist wie eine Rakete losgestartet. Aber diesmal hat mich das nicht im Geringsten beängstigt. Eher beeindruckt! Die Zielstrebigkeit, durch die sich der weiße Blitz nicht mal durch den anstrengenden Hügel, den er noch vor sich hatte, von seiner Mission abbringen ließ – Respekt! Ich mag solche Entschlossenheit! Und da habe ich, als er schon schlapp zu machen schien, ihm noch aufmunternd zugerufen: „Komm schon, komm schon, schneller, schneller!“ Das hat er offenbar verstanden und gleich noch eine Schaufel Kohlen aufgelegt. Und ich muss ihm sogar noch eins zugestehen: Doof war er auch nicht! Denn er rechnete offenbar meine Bewegungsgeschwindigkeit exakt in seine Richtungsführung mit ein. …zumindest nicht mathematisch, geometrisch oder physikalisch doof. Aber grundsätzlich doof. Denn ich fühlte mich nicht zuletzt so sicher, weil mich während dieser ganzen Zeit ein stabiler, 2m hoher, stählerner Maschendrahtzaun begleitete. „Warum tut sich der das an, dieser blöde Hund?“, fragte ich mich. Es würde jetzt noch genau drei…zwei…eine Sekunde dauern, dann würden sich unsere beiden Bewegungslinien tatsächlich kreuzen. Aber nur einer von uns beiden würde tatsächlich am Schnittpunkt eintreffen. Denn der andere von uns würde schon eine Nanosekunde früher jäh in den Drahtrauten hängengeblieben sein. Und so kam es! …so kam es fast, muss ich sagen. Spulen wir nochmal kurz zurück: Ich fahre… links der Zaun… dahinter der Hund… DREI!… Zaun… Hund…ZWEI!… Zaun… Hund… EINS!…                        …HUND!

Es hat mich schier vom Rad gerissen! Hört doch genau dort dieser Sch…zaun auf! Und jetzt? Wie sollte ich den aufgestachelten Köter um Gnade betteln? Im Schock entfloh mir irgendwie nur ein abgrundtiefes, elendslautes „Wwhoou!!!“. (Ich muss grad selber lachen, jetzt, da ich es hinschreibe!). Ich habe nicht wirklich diesem Monster entgegengebellt??!! Aber na, warum auch nicht. Ihr seht, ich schreibe noch. Es hat also offensichtlich gewirkt. Der Hund ist abrupt stehen geblieben und hat mich mit einem halblauten, verständnisvollen „Waff“ (vom Typ: „Ach so!“) von Dannen rasen lassen. Was auch immer ich ihm da in Hundesprache gesagt habe, es hatte es in sich!

…oder vielleicht stimmt auch die Regel, die besagt, dass Hunde uns Menschen verstehen. Wenn sie uns verstehen, dann denken sie vielleicht auch wie wir. Und dann denken sie bestimmt auch, dass Menschen, die bellen, … u.s.w.

 

Asprohoma (Zelt)

Tages-Km: 67,22km / -Zeit: 4:42h / -Höhenmeter: 983m

Gesamt-Km: 3.774km / -Zeit: 257:42h/ -Höhenmeter: 32.957m

14,383 total views, 1 views today

Ein Gedanke zu „65_Wwhoou!!!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *