Kategorie-Archiv: Albanien

49_So ein Tag, …!

Und wie es weiterging! Der Tag heute war – um es mit einem einzigen Wort zu beschreiben – gigant-omani-stis-simo! Die Strecke war schier unbeschreiblich schön: Die Sonne strahlte, was das Zeug hielt und wir hatten fast ununterbrochen das Meer direkt an unserer Seite. Es roch abwechselnd nach Blumen, Pinien und Rosmarin. Von Zeit zu Zeit bimmelten Schafe, Geißen (Ziegen), Esel, Pferde oder Kühe durch die Büsche am Straßenrand. Der Asphalt schlängelte sich mal um rote Felsen und mal durch Olivenhänge. Es ging viel bergauf und auch ein bisschen bergab. Dabei ist uns aufgefallen, dass es hier in Albanien immer deutlich steiler bergauf geht als in Kroatien. Und wir fragten uns, was wohl zuerst da war: Die Straße oder die Schilder. Es war am Anfang einer jeden Steigung nämlich auf jeden Schild 10% angegeben. Und wir spielten mit dem Gedanken, dass die Albaner möglicherweise ganz schön schlaue Füchse sein könnten… So würde es doch die Staatskasse deutlich schonen, wenn von jedem Schild nur eine Sorte produziert werden müsste… und das waren eben für das Schild der Steigung die 10%. Dann mussten halt später alle Straßen genau diese Steigung haben. Wieso aber nun ausgerechnet 10 und nicht 12 oder 8% das Rennen machten, ist wiederum durch eine feinstens ausgeklügelte Formel nachweisbar, die vom Aufwand für die ersten Erdarbeiten über die exakten Asphaltkosten bis hin zum Farbbedarf für die weißen Seitenlinien alle kostenrelevanten Faktoren im Straßenbau berücksichtigt und auch hier eine maximale Budgetreduzierung errechnet. Ihr sollt an dieser Stelle davon verschont bleiben…

Beim Mittagessen stellten Linda und Luca fest, dass ihr Weißbrot (also nicht ihr gemeinsames, sondern das eines jeden… aber man sagt doch nicht „ihre Weißbröter“, oder?) fast hart geworden war bei dem warmen Wetter. Also band Linda ihre zwei harten Fladenhälften hinten auf den Gepäckträger und trocknete sie noch vollständig für eine anständige Portion Semmelknödel zum Abendessen. Ich hatte zwar überhaupt keinen Drang, den Rührbesen in freier Wildbahn zu schwingen, aber diesen Floh konnte ich den beiden irgendwann mal nicht mehr aus den Ohren ziehen. Also fügte ich mich. Und zugegeben: Es hat hervorragend geschmeckt!

Wir fuhren fast bis Sonnenuntergang und fanden wie vom Schicksal geleitet einen kleinen Traumstrand. Ich konnte kurz baden im kristallklaren Wasser, es gab eine Toilette und es gab guten Zeltuntergrund und Tische und Bänke. Ein Campingparadies! Alle waren überglücklich über den schönen Platz. Nur eins hatten wir vergessen: Das Bier!

Fünf Minuten später kam der Strandbesitzer, sperrte seinen Kiosk auf und sagte: Bedient euch! Ein mannshoher Kühlschrank voller…na? …Bier tat sich auf und wir schauten uns nur wortlos an.

Das Abendessen war kaum vorbei, knisterte vom Strand her schon Luca´s Lagerfeuer. Wir setzten uns drum rum, wärmten unsere Vorderseiten und beobachteten ihn gespannt beim Brotbacken. Wer hätte gedacht, dass Fladenbrot so aufwendige Prozesse erfordert? Es war endlich fertig, da war es bereits stockfinstere Nacht. Und wir fast schon bettfertig.

Dann sagte Luca: „Hä, schaut mal, da schwimmt ein Licht auf uns zu!“ Und er hatte vor ein paar Stunden noch gemeint, dass das bestimmt alles wie der Anfang eines ganz bösen Horrorfilms sein könnte…die fangen auch immer mit ein paar jungen Leuten und Camping-Idyll an. Jetzt wurde es uns ein bisschen gruselig…

Da plötzlich hörte man Schnorchelgeräusche. Oben am Parkplatz ging eine Autotür. Ein Mann kam zum Strand herunter. Und eine anderer stapfte jetzt aus dem Wasser, eine Harpune in der Hand! Aber das böseste Horrorszenario dieses Films war, dass einer der beiden Fischer seine Bierflasche einfach hinter sich auf den Kiesstrand warf, als er bei uns am Lagerfeuer saß. Die Szenen davor waren eher nicht so schrecklich: Sie brachten uns frisch gefangenen Fische, fragten, ob wir Salz, Öl und was zum Braten hätten, wir brachten alles und sie bereiteten uns den frischesten Fisch ever. Zum Nachtisch ein Stamperl Raki für jeden…

…ich liebe Horrorfilme!

 

 

Strand hinter Sarande (Zelt mit Linda, Luca)

Tages-Km: 62,97km / -Zeit: 4:34h / -Höhenmeter: 1.141m

Gesamt-Km: 2.825km / -Zeit: 194:23h/ -Höhenmeter: 23.293m

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Chilling

The last few days were absolutely amazing and full of beautiful moments…impossible to write down everything. I never thought that Albania would be so different from North to South and especially from what you hear about that country in Germany. It´s so beautiful – almost like Italy and Toscana the nearer you come to the Greek border: Olive-trees, beautiful sandbeaches, blue Water, red coloured rocks covered with dark green forest… you should definitely come and visit this country! And I´m sure: Albanian people will welcome you with wide open arms and help you whenever they can and do everything to make your stay as pleasant as possible.

We´re having a day of rest here in Himare, watching the waves coming to shore and having coffee and Gyros-Pita all day long… that´s what I call holidays!

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Chilling

Nach all den aufregenden, letzten Tagen kam uns allen der gestrige Schlechtwettertag eigentlich ganz gelegen, um guten Gewissens den Nachmittag im Bett zu verbringen. Und nachdem über Nacht der Wind nochmal stark aufgefrischt hatte, Regen mit sich brachte und die Wellen vor unserem Zimmer in tosende und fast bedrohliche Wasserberge hat wachsen lassen, beschlossen wir einstimmig, es nicht zu übertreiben mit unserem Ehrgeiz und – sollte es sich nicht bessern bis zum Morgengrauen – nochmal einen richtigen Pausetag dranzuhängen.

…es hat sich nicht gebessert. Es war noch windig und es regnete, als ich zum ersten Mal aus dem Fenster guckte. In stillem Einvernehmen schliefen wir alle seelenruhig bis zehn. Dann waren Linda und ich langsam wach genug für ein krächzendes „Morgen!“, worauf schließlich auch Luca ein Brummen von sich gab. Dann fragte Linda nach seinen Plänen für diesen Tag, im Speziellen, ob er weiterfahren wolle. Er meinte: Ich habe heute keine Motivation zum Radeln. Das war genau die richtige Antwort! Und wir krochen wieder zurück unter die warmen Wolldecken.

Später hielten wir ein für Abenteurer königliches Frühstück auf dem Balkon mit Müsli, Eiern und Cappuccino aus dem Café unten, quatschten über dies und das und sitzen jetzt im Nachbar-Café mit Internetzugang und schreiben euch das hier.

Morgen geht´s aber hoffentlich weiter in Richtung Griechenland…

 

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48_Krasses Pferd!

Irgendwann musste es ja so weit kommen: Regen. Wind. Kalt. Ungemütlich. Die Motivation ließ heute Früh zu wünschen übrig. Aber deswegen nicht auf den Drahtesel zu steigen wäre ja auch ein bisschen für verwöhnte Gören. Wir packten uns also wasserdicht ein und los ging´s. Zur Abwechslung mal bergauf. Und der Regen… wurde immer stärker. Und der Wind… wurde immer stärker. Und der innere Schweinehund… wurde immer stärker. Ich hatte irgendwie keine Kraft mehr – die gestrige Etappe wohl noch in den Knochen. Und die Banane leider noch in der Packtasche anstatt schon zermantscht im Magen. Nur gut, dass Luca voraus gezogen war. Da mussten wir wohl hinterher. Und endlich zeichnete sich eine Mittags- oder wenigstens Kaffeepause ab: Der nächste Ort stand angeschrieben. (Nur) noch 10 Kilometer. Und ein Pass. Aber wenn eine Pause am Horizont winkt, schafft man auch den. Und dann passierte mir das Unding, das Unding der Unmöglichkeit….

Ich fuhr über die Kuppe, es ging erst einmal flach bergab, nach 300m eine Linkskurve mit Betonmauer rechter Hand, danach steil bergab. Ich ließ es rollen, fing nach ca. 150m leicht zu bremsen an: Nichts tat sich. Ich bremste stärker: Nichts tat sich. Ich zog beide Bremshebel bis an den Anschlag: Nichts tat sich. Ich wurde einfach immer schneller. Und die Betonmauer kam immer näher!

Ein kurzer Anflug von Panik, der Puls stieg schlagartig auf 200. Ich hatte genau noch eine Chance: Den Fuß mit voller Kraft gegen den Asphalt zu stemmen. Doch der schmierte einfach in gleicher Geschwindigkeit mit – aber langsamer wurde ich nicht wirklich. Aber was hätte ich sonst tun können? Ich presste einfach weiter und langsam, langsam verlor ich an Geschwindigkeit. …kurz vor der Mauer stand ich!

Ich hatte natürlich schon in den letzten Tagen bemerkt, dass die Bremsen nachgestellt werden sollten. Aber dass es so schlagartig gehen würde, damit hatte ich nie gerechnet. Durch den Regen wurden die Felgen offensichtlich noch rutschiger und die Bremswirkung war schlicht keine mehr. Aber es war ja gut ausgegangen! Nur: Wie kam ich jetzt den Pass wieder runter? Linda und Luca waren schon weit voraus. Und ich versuchte die ersten Meter mit aufgestemmtem Fuß nach unten zu kommen – keine Chance. Ich stieg ab und… (ich mag´s gar nicht schreiben) …schob. Doch in den steilen Passagen konnte ich kaum das Rad halten, so schwach waren die Bremsen mittlerweile. Da half nur eins: Werkzeugsackerl raus, anziehen. Bei strömendem Regen und Eiseskälte, denn in der Zwischenzeit war der Regen durch sämtliche Oberjackenschichten durchgesickert.

Endlich unten, erwarteten mich die anderen beiden in einem Tankstellen-Cafe und wir beschlossen, es für heute gut sein zu lassen. Checkten in´s nächste Hotel ein und verbrachten einen chilligen Nachmittag bei schlappen 30 Grad Heizungsluft. Aber mit Blick auf das türkisgrüne, albanische Meer… direkt vom Bett aus!

 

Himare (Hotel mit Linda, Luca)

Tages-Km: 22,41km / -Zeit: 2:05h / -Höhenmeter: 520m

Gesamt-Km: 2.762km / -Zeit: 189:48h/ -Höhenmeter: 22.152m

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47_Am Limit

Zum gemeinsamen Frühstück beobachteten wir den Sonnenaufgang – überall dort, wo wir nicht saßen. So wie gestern Abend, als die Sonne genau dort unterging, wo wir zu Abend aßen. OK, die Devise lautete: Warmstrampeln!

Wir fuhren so bis Mittag zum nächsten größeren Ort, kauften nochmal kräftig ein, dann ließen wir unser Küken Paul von Dannen ziehen. Er hatte ohnehin ein Tempo drauf, das keiner mithalten konnte. Doch, Luca hätte können. Aber ich glaube am Abend war er froh, dass er nicht musste… Es ging nämlich einen gnadenlosen Pass hinauf. Erst zeigte er sich nur im Schafspelz: Es ging ganz gemächlich dahin. „Schläms hindre“, wie man bei mir daheim sagen würde. Aber schon mit ordentlich Gegenwind, sodass das schwer beladene Rad keinen Meter mehr weiterrollte, sobald man aufhörte zu treten. Das hab ich schon ganz gern! Da lieber gleich so steil, dass man wenigstens merkt, dass es bergauf geht und schon gar nicht erst erwarten würde, dass das Rad weiterrollen könnte, wenn man zu treten aufhört. Und kaum hatte ich meine insgeheimen Flucher über das fiese Flach-Bergauf fertiggedacht, zeigte sich der Wolf: 10% Steigung. Und drüber manchmal. Flacher wurde es nur selten und wenn, nur für ein paar Meter. Aber zum Ausschnaufen war´s kaum ausreichend. Und je weiter es gegen Passhöhe ging, umso steiler wurde es. Und umso windiger. Natürlich von vorne. Und flach wurde es plötzlich überhaupt nicht mehr! Ich wünschte mir mindestens noch drei bis fünf weitere Untersetzungsstufen. Es war wirklich manchmal haarscharf, dass ich nicht vom Rad fiel! Einmal knetete ich bis zum letzten Tropfen Kraft gegen die Mischung aus Steigung und Wind, bis mein Rad schließlich einfach nicht mehr vorwärts fuhr und ich einfach an der Windwand aufgeben musste. Anfahren war bei dem steilen Gelände unmöglich. Da blieb nur eins: Wer sein Rad liebt, der schiebt!

Wettertechnisch stellt euch folgende Bedingungen vor: Es war unten sonnig und warm. Aber schon auf der besagten, gemeinen Schräge am Fuße des Passes konnten wir beobachten, wie sich über den Kamm ein dickes Wolkenmeer schob. Das sah ungefähr aus, als ob ein riesiges Wattemonster von der anderen Seite auf den Berg heraufklettern wollte und bereits seine Pranken am Grat eingehakt hatte. Und je weiter wir raufkamen, umso mehr näherten wir uns der dicken weiß-grauen Suppe. Irgendwann kurz vor der Passhöhe sahen wir nur noch stiebende Nebelschwaden, horizontaler Nieselregen und es pfiff eisig kalter Wind. Schnee am Straßenrand. Nur gut, dass wir hier nicht wegen der schönen Aussicht heraufgefahren sind! Sondern einfach, weil wir uns gern selbst quälen.

Wir packten uns ein nach Vorbild von Hr. Michelin. Aber trotzdem war es nicht richtig warm. Da half nur noch ein Einkehrschwung. Pasta für alle. Und Wein, gesponsert vom Nachbartisch… Fein, fein, aber Glühwein wäre auch eine Idee gewesen!

Na, nicht, dass ihr denkt, ich würde mich auch noch beschweren wollen. Keinesfalls! Und im Übrigen sind wir weiter unten auch noch für unseren Kampfgeist entschädigt worden: Campingplatz im Olivenberg, direkt neben der Straße, keine Hunde, keine Hähne und warm war´s auch jedem von uns. Nur der Regen, der hätte nicht aufziehen müssen…

 

Palase (Zelt mit Linda, Luca)

Tages-Km: 45,54km / -Zeit: 4:07h / -Höhenmeter: 1.177m

Gesamt-Km: 2.739km / -Zeit: 187:42h/ -Höhenmeter: 21.631m

 

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46_Strandnacht

Am nächsten Morgen wartete schon die nächste Überraschung auf uns. Wir fuhren in Fier ein uns irgendetwas stimmte ganz gewaltig nicht hier! Etwas war anders…aber was? Zuerst fiel uns der rote Streifen am rechten Straßenrand auf. Ein Radweg – unglaublich! Gut, er war komplett zugeparkt. Aber immerhin. Die Vision zählt! Und als ich diesen roten Streifen länger bewundert hatte, kam es mir plötzlich: Hier fehlte der Müll am Straßenrand! Und mehr noch: Hier fehlte sogar der Dreck! Fier war blitzeblank gefegt! Und das Zentrum wurde gerade großräumig umgebaut in eine ziemlich deutsch anmutende Innenstadtzone mit Pflaster, Gehsteigen und Bäumen. Das hatte ich nicht erwartet hier in Albanien. Es dauerte nicht lange, kamen wir an einem Casino vorbei, davor ein astreiner Bentley (…schreibt man den so?). Aha, wir waren offenbar im Tresorraum des Landes angekommen.

Während Linda Brot kaufte, suchte ich nach einem zweiten Ladekabel für mein Equipment. Gab es nicht. Nicht im Sortiment. Aber der Ladenbesitzer hatte genau das Kabel, das ich brauchte, an seinem eigenen Rechner anstecken. Er zog es ab und gab es mir. Als ich fragte, was es kostete, winkte er nur ab und bedeutete mir, dass es ihm eine Ehre war, mir helfen zu können. Er wolle dafür bestimmt nichts haben! Das war vielleicht ein feiner Zug, mann oh mann! Dann gingen wir für Linda einen Flaschenhallter ans Fahrrad „kaufen“. Sie ging in den Laden, kam mit dem Besitzer wieder raus, zeigte ihm sozusagen am lebendigen Beispiel, was sie brauchte. Dann verschwand er im Laden und durch´s Fenster sah sie, wie er ihren Halter an einem anderen Rad abschraubte. Sie schon ein eleicht schlechtes Gewissen deswegen. Und als sie fragte, was er dafür bekomme, meinte er: „Geschenkt.“ Das war ein Vormittag!

Wie beflügelt stoben wir aus Fier hinaus über die Dörfer und Felder, durch herrliche Hügellandschaften und uralte Baumalleen. Bis wir schließlich im Olivenhain unsere Mittagspause machten. So gemütlich war´s fast noch nie bisher! Anschließend kam nochmal ein anderer Eindruck von Albanien: Die Hügel wurden fast schon Berge und so weit das Auge reichte Oliven- und Weinberge. Und das Meer im Hintergrund. Traumhaft schön!

Wieder unten wartete dann leider schon wieder das Vorstadt-Gewühle von Vlore auf uns. Aber nicht nur! Es überholte mich plötzlich ein anderer Gepäckradler, der im Vorbeiflattern nur „Hallo!“ sagte. Ein Deutscher! Ein Radler! Ein Österreicher (wie sich später herausstellte). Dann quatschte er Linda vor mir an, die drehte sich um und hinter mir sah sie noch einen von dieser Sorte – ihren Landsmann Luca, den sie in Dubrovnik bereits kennengelernt hatte und schrie ihm freudig entgegen. Das war cool! Wir gingen erst mal Kaffeetrinken und suchten uns anschließend das ultimative Nachtquartier: Zelten direkt am Meer!

Zu viert mit dem Rad in Albanien, die Deutschland-Österreich-Schweiz-Radreise-Gang im Glücksrausch: Und vor lauter Überdruß erst mal ab ins Wasser! Saukalt war´s, aber einfach notwendig unter diesen Bedingungen. Dann Kochen, Essen, Feuer machen. Es war ein unvergesslicher Abend unter Sternen mit Lagerfeuer, Saxophongedudel und Schliwowitz. …danke!

 

Vjete e Fthohte (Zelt mit Linda, Paul und Luca)

Tages-Km: 52,765km / -Zeit: 3:13h / -Höhenmeter: 305m

Gesamt-Km: 2.694km / -Zeit: 183:35h/ -Höhenmeter: 20.454m

 

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45_Not Girls

Die Fahrt durch das Land hatte uns gestern so gut gefallen, dass wir auch heute wieder versuchten, Autobahnen zu vermeiden, so gut es ging. Linda wollte vor ein paar Tagen nur Strecke machen. Aber jetzt schien es ihr zu gefallen, über die Felder zu reiten. So kam sie beim mittäglichen Cappuccino plötzlich mit dem Vorschlag an, eine Abkürzung zu unserem Tagesziel zu nehmen. Auch, wenn diese eine weiße Straße auf der Karte war. Weiß! Ihr wisst was das heißt? Feldweg mit knöcheltiefen Schlaglöchern. Und wenn man Glück hat, ohne Wasser drin. Na mal sehen, sagte ich. Schauen wir uns einfach mal an, wenn wir dort sind.

Als wir dort waren, fragten wir sicherheitshalber nochmal bei den Dorfbewohnern nach ihrer Meinung zu diesem Wegabschnitt. Zunächst war die Unterhaltung etwas den dortigen Straßenverhältnissen angepasst: Ziemlich holprig. Kein Wunder, mein Albanisch beschränkte sich leider noch immer auf die Mimik und Gestik. Aber wir hatten bereits die Idee bekommen, dass es wohl möglich sein müsste, diese Straße zu nehmen. Dann wurde aber doch der Schwiegersohn konsultiert, der uns in perfektem Englisch erklärte: Fist is difficult, then is good. But you can do. You know: I see you more like strong men, not like girls.

Ein feines Kompliment! Aber er hatte Recht: We could do! Und es war eine mords Gaudi da draußen im albanischen Nirvana: Rillen, Mulden, Löcher, Steine, Gräben, Brücken – wacklige, durchgefahrene, schwindlige. Und der Horizont gesäumt von riesigen, schneebedeckten Bergen. Die Sonne strahlte uns entgegen, das Schilf rauschte neben uns her. Es war wirklich ein schöner Tag! Den wir zurück in der Zivilisation kurz vor Fier im Nachbargarten des Dorfpolizisten abschlossen.

 

Cakaias (Zelt mit Linda)

Tages-Km: 65,95km / -Zeit: 3:51h / -Höhenmeter: 208m

Gesamt-Km: 2.641km / -Zeit: 180:21h/ -Höhenmeter: 20.149m

 

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44_Überlandfahrt

Nachdem wir unsere Tieflader mit Gemüse und Obst vom Markt, Feta und Quark von der Käserei und zwei Kipf Vollkornbrot und Keksen von der Bäckerei vollgeladen hatten, kämpften wir uns wieder aus Tirana hinaus. Zunächst wurden die Straßen enger, dann holpriger, die Löcher wurden tiefer und die Kanaldeckel fehlten bereits gänzlich. Die Läden am Straßenrand wurden ranziger, dann wechselte deren Sortiment auf Eisenwaren, Schubkarren, Werkstätten, Autoreifen. Dieses Warenangebot verlagerte sich schrittweise von Regalen in geschlossenen Räumen hinaus auf die Straße bis schließlich nur noch ein paar Holzkisten mit einem Brett und einem Haufen rostigem Werkzeug die Auslage war. Aber genau dort fand ich mein perfektes Schraubenschlüsselset für gute 3,50€. Ein echtes Schnäppchen! Und das gleiche dachte sich bestimmt auch der braungebrutzelte, runzlige, alte Albaner nachdem ich beim Handeln einen entscheidenden Fehler gemacht hatte. Aber warum sich drüber ärgern, es haben sich beide Seiten gefreut am Ende. Win-win. Was will man mehr?

Dann wurde es endlich ländlich und Albanien zeigte sich von einer ganz neuen Seite: Es wurde irgendwie feiner. Etwas wohlhabender. Es war offensichtlich eine fruchtbare Gegend, und man stieß auf Obstbäume und Weingärten. Sogar der Premierminister hatte diese Gegend für seinen Landsitz auserkoren! Interessant, was dieses Land alles zu bieten hatte!

 

Kavaje (Zelt mit Linda, auf dem Olivenberg)

Tages-Km: 57,08km / -Zeit: 3:28h / -Höhenmeter: 343m

Gesamt-Km: 2.575km / -Zeit: 176:30h/ -Höhenmeter: 19.940m

 

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42_Gang of Lezhe

Haha, I just read that the day before yesterday I wrote „ But it also makes us ask what experiences will wait for us there…” Now I can tell you: Second evening in Albania, wildcamping in a small village around Lezhe, crazy! We found the perfect place to build up our tents: flat field, some bushes a bit higher than our tents, nobody could ever see us. …except 20-30 boys and girls, brothers and sisters, uncles and cousins, mums and dads, dogs and cats of the village!

It started with 3 curious little girls seeing what did happen there in the bushes. Followed by 3 curious little boys, followed by the next-generation-football-team of Lezhe, followed by the rest of their families. Man, we could hardly manage to cook and to eat, surrounded for hours by all those incredibly nice and friendly people. They did offer us their homes to sleep there, invited us for dinner, did bring me a warm blanket for the cold night in the tent and some wood and old newspaper for a campfire. They came to say “good night” and they came back early to say “good morning” right before going to work or school. Or just to see if we survived the night safely.

Hey you guys there, if you should read this here: Thank you again for that incredibly good experience there in your football field! Be safe, take good care of you, keep as open and friendly as we could know you and if you ever should come to Germany: I will find a place to stay for you as well!

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43_Überlebt!

Der Hund hatte entweder mein Pfefferspray gerochen oder einfach die Geduld verloren, uns aus den Zelten zu knurren und zu bellen. Jedenfalls war er bald wieder weg und endlich, endlich begann für uns die Nacht. Und ich fühlte mich selten so sicher beim Wildcampen. Denn wer sollte uns denn noch aufspüren oder auflauern wollen: Es war ja schon das ganze Dorf hier gewesen! Und alle waren sie unglaublich hilfsbereit gewesen, hatten uns eingeladen in ihre Häuser, zum Abendessen, uns Decken und Brennholz für ein Lagerfeuer gebracht und uns zum Abschied umarmt und geküsst. Und diese Leute sollten uns jetzt umbringen wollen? Unvorstellbar. Und ich wickelte mich in 4m² albanische Wolldecke ein und schlief so warm und gemütlich wie nie zuvor!

Der Tag begann mit einem frühen „morning!“. Die ersten Mütter gingen zur Arbeit und schauten vorher noch kurz bei uns vorbei. Dann die Kinder, die zur Schule gingen. Dann die Verwandten, die gestern Abend am Telefon übersetzt hatten. Und zum Schluss der junge Fischer, der zur Schule hätte sollen, aber nicht wollte. Und alle wollten uns noch einmal sehen und verabschieden. Einfach geil. Ich kann´s nicht anders sagen.

Danach verbrachten wir den Tag auf lauten, engen, löchrigen und holplrigen Bundesstraßen und Autobahnen und sind mittlerweile im Hostel in Tirana – der Hauptstadt von Albanien. Die sich im Übrigen sechsspurig erobern lässt!

 

Tirana (Hostel Albania)

Tages-Km: 60,28km / -Zeit: 3:12h / -Höhenmeter: 224m

Gesamt-Km: 2.518km / -Zeit: 173:01h/ -Höhenmeter: 19.606m

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