Kategorie-Archiv: Jordanien

141_Middle East Final Stop!

 Now I definitely must write you about my time here in Jordan. I didn´t forget you but as I was out in the desert and on the street which means without electricity to charge the tablet and mostly without any internet connection it was just a bit difficult to write you earlier. On Thursday I arrived here in Amman where I´m staying in a really homely hostel, packing the bike, doing the washing, blog writing and data saving for the last 3 days. I almost finished except some letters I still have to write. But tomorrow´s another day, isn´t it?

But how was my time here in Jordan? It was so, so surprising for me! I already wrote about Wadi Rum and Petra, but still there are some more Canyons and Wadis, nature reserves, castles, ….to see. And now I know that the 2 weeks were by far not enough time to explore the whole country! Maybe one day I´ll come back with a backpack and do some hiking. It´s the perfect place for being out in the nature!

In my German summary I wrote about something like a religious experience I made here. Or let´s say “also here” because I already made it in Israel and actually in every country I have been until now: It makes me really happy that also here in Jordan I could experience a lot of tolerance – thank you my new friends! I think it was amazing that I was always offered water, tea, coffee and even hot chocolate from someone who´s strictly keeping the fasting rules! And also I never felt uncomfortable when – while riding the bike – I only wore the short cycling pants when after some honest tries to cycle with a skirt I realised that it was just extremely impracticable (I was more often pulling it out of my wheels or keeping the wind from blowing it away by constantly having one hand on my knees. I was more taking care of my outfit than concentrating on the traffic!). But I felt like everybody did accept me the way I was – women like men. And this is what it all is about: To respect each other the way we are and to be open minded and tolerant. And I feel I was really lucky to meet many, many people to really live this rule from the bottom of their hearts. In Germany, if you follow the daily news in the television right now you might only hear about the extreme Islamic groups. You even might end up saying or thinking that all muslims are like that if you never hear anyone telling you that there are also a lot of “normals”! Of course there is that extremely radical Islamic movement right now. But this makes it even more special what I could experience in the Islamic Jordan: I can definitely tell you that I met amazingly warm hearts here, respecting and welcoming me a lot and I wish that this will be the good news for your days after reading the newspapers!

So all in all I had a time I for sure will never forget, thinking of the crazy beduin driving me like double-crazy through the beauty of Wadi Rum, the port workers in Aqaba who did all that was in their power to help me to find a ship, the amazing hotel manager who allowed me to camp in his garden and to use the toilet and WiFi instead of chasing me away from his property because I didn´t rent a room, of course the incredibly amazing time in Petra, all the truck drivers showing me “thumps up!”, blowing their horns in all the various sounds you only can imagine, all the people smiling and waving at me and giving me at least 10 “Welcome to Jordan!” every day! Thank you for all the good moments!

And once again: please don´t feel bad because I cannot stay forever or because I stopped answering your hundreds of phone calls: this is just my culture. I´m on my way, I have a goal and I want to reach it. And you have to let me go. This was the rule. But be sure I´ll not forget you!

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I´m really thankful for the time here in Jordan but also getting more and more curious about India now… only 2 more nights!

 

Amman (Sydney Hostel)

Tages-Km: 37,62km / -Zeit: 2:33h / -Höhenmeter: 316m

Gesamt-Km: 8.079km / -Zeit: 563:42h / -Höhenmeter: 78.495m

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141_Endstation Middle East!

So, das war´s auch schon wieder mit Jordanien. Und was schreibe ich jetzt als Resumée? Schwierig! Dieses Land war für mich so voller Überraschungen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und ob ich überhaupt anfangen soll, den so mancher von euch wird diesen Flecken Erde bestimmt schon längst für sich entdeckt haben und sich jetzt nur denken, wie ich der Zeit hinterher hinke….

Aber egal. So mancher war bestimmt auch noch nicht hier und für diese Leute werde ich jetzt versuchen, alle meine Eindrücke meiner Wüstenreise auf´s Papier zu bringen. Ich fange mal bei der Landschaft an: Heiß! Meistens sandfarben, staubig und trocken. Aber nicht überall gleich! Unten an den Meeren – am roten und am toten Meer – ist es um ein Vielfaches heißer als oben auf dem Gebirgszug, wo einem eigentlich immer eine frische, kühle Brise um die Nase weht. Und vor allem nachts ist das traumhaft, denn man kann richtig feine, saubere Luft atmen und einwandfrei schlafen! So viel zu den klimatechnischen Fakten in den Sommermonaten, die ja eigentlich nicht als die ideale Reisezeit gelten, weil zu heiß. Nun, heiß schon, aber erträglich!

Bis hierher könnte man aber vielleicht noch glauben, dass die ganze sandige Gegend doch ein bisschen langweilig werden würde auf die Dauer. Ha! Da täsucht ihr euch aber gewaltig! Es gibt nämlich Sehenswürdigkeiten en masse! Aber nicht, wie so oft, die hunderste Kirche und das tausendste Museum, nein! Hier gibt´s, was es sonst wohl niergendswo gibt: Es gibt die Wüstenregion um Wadi Rum mit einer einzigartigen Farbenpracht und noch wirklich unberührter Natur. Es gibt Petra, die alte Höhlenstadt, in die man am liebsten heute noch einziehen möchte, so gut ist die städtebauliche Struktur und die Raumqualität der einzelnen Höhlen! Und es gibt noch zahlreiche Wadis, also Flusstäler, die ich gar nicht alle erkunden konnte. Das sollte man vielleicht auch tatsächlich besser im Frühjahr, denn dann wird man dort auch noch Wasser finden. Es gibt alte Burgen und Schlösser und es gibt pures arabisches Leben hier in den Straßen von Amman. Es gibt definitiv jede Menge zu entdecken in diesem für mich bisher unscheinbaren Land! Und ich bin meinem überirdischen Tourplaner mehr als dankbar, dass ich das alles habe finden dürfen!

Und noch etwas finde ich immer wieder und mehr und mehr auf dieser Reise: Den Zugang zum Thema Religion. Zu Schulzeiten habe ich mich, wenn Reli auf dem Stundenplan stand, immer über eine Freistunde gefreut – es hat mich einfach nicht wirklich interessiert! Beziehungsweise war das, was mich dieses Fach vielleicht lehren wollte, irgendwie von vornherein schon eine Selbstverständlichkeit für mich. Ich selbst bin ja nun mit dem christlichen Glauben aufgewachsen. Aber jetzt war ich vor kurzen in Israel, wo ich eigentlich zum ersten Mal in Kontakt mit dem jüdischen Glauben gekommen bin. Und hier, in Jordanien, wird nach islamischen Regeln gelebt. Und da sagt man immer, dass die so unterschiedlich seien – bis auf ein paar wenige, kleine Gemeinsamkeiten und ein paar Parallelbezüge in den historischen Gründen. Aber mein Eindruck ist ein viel simplerer: Es gibt in allen diesen Drei Religionen eine einzige, gemeinsame Grundregel. Und diese lautet „Tolaranz“. Und ich hatte das Glück, bisher fast immer auf diejenigen Leute zu treffen, die gar nicht erst auf die Idee kommen würden, diese grundlegendste Grundregel aus Bibel-, Tora-, Koran- oder Sonstwas-Texten mit Leuchtmarker herauszustreichen oder sie dir mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Brust zu klopfen, sondern die diese längst in Fleisch und Blut haben und sie einfach leben. Hier in Jordanien, wo das Einhalten des Ramadan immerhin polizeilich kontrolliert wird und wo man, wenn man zuwider handelt und sich dabei erwischen lässt, wenn man etwa auf offener Straße bei Sonnenlicht Wasser trinkt, isst, raucht oder eine Frau küsst, bis zum Einbruch der Dunkelheit in den Knast wandern kann, genau hier wurde mir als offensichtlich nicht-islamischer Touristin Wasser und sogar Kaffee, Tee oder Kakao angeboten, wann immer ich einen Raum betreten habe. Die Polizei hat mich auf meiner Highway-Strecke angehalten und mir Wasser und zwei Äpfel gereicht: Ich solle etwas essen, ich würde müde aussehen! Und der wilde Beduine, der mich einen Tag lang durch die Wüste von Wadi Rum chauffiert hat, hatte für mich Obst und Wasser dabei und trug es mir auch noch den rutschigen Felsen hinauf!

Oder sprechen wir kurz über den Dresscode: Ich hatte irgendwann aufgegeben, meinen Wickelrock alle paar Kilometer aus den Speichen und Zahnrädchen zu basteln und bin einfach in meinen kurzen Radlerhosen gefahren. Doch nicht ein einziges Mal hatte ich den Eindruck, mir würde das jemand übel nehmen oder als Respektlosigkeit auslegen. Die Damen, die ich am Straßenrand gegrüßt hatte, haben fast alle mit einem freundlichen Lächeln zurückgegrüßt und die Herren der Schöpfung ja sowieso… Man sieht es mir ja ohnehin an, dass ich aus einer anderen Kultur komme. Und das war jederzeit toleriert hier! Es gibt sie also auch hier im Islam, die offenen Gemüter, für die das friedliche Miteinander höchsten Stellenwert hat. Die einfach ihr Leben auf dieser wunderschönen (ursprünglich zumindest…) Welt genießen wollen und sich über jeden freuen, der mit ihnen mitmachen will. Diejenigen sind für mich die wirklich religiösen Leute! Denn ist es nicht genau das, was Gott haben wollte? Oder das, wofür Jesus gekämpft hat? Ich glaube schon…

Und ich glaube auch, dass all die eifrigen Bibelzitierer, die mich nach kürzester Zeit mit ihrem religiösen Wahnsinn aus Jerusalem verjagt haben, noch weit davon entfernt sind, das, was sie täglich lesen und neon-gelb aus ihren dicken Schmökern herausstreichen, auch wirklich zu verstehen und zu leben. Bis dahin werde ich bestimmt noch viele unvergessliche Momente mit allerlei anderen Kulturen, Nationalitäten und Religionen genießen, für die es nur diese eine Regel gibt. Und ich freu mich schon drauf.

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Und jetzt: …ab nach Indien!

 

Amman (Sydney Hostel)

Tages-Km: 37,62km / -Zeit: 2:33h / -Höhenmeter: 316m

Gesamt-Km: 8.079km / -Zeit: 563:42h / -Höhenmeter: 78.495m

 

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140_Zwei weisse Tauben

Aufgewacht, aufgepasst, streng bewacht! Ich habe auf so etwas wie einer Müllhalde gepennt. Nicht so schlimm, wie ihr jetzt denkt! Aber auch kein botanischer Garten. Nebenan war das Karak Krankenhaus, stabil eingezäunt mit oben drei Lagen Stacheldraht. Und von dort hinter dem Zaun hat mich – kaum, dass ich aus dem Zelt geschlüpft war – einer von einem turmartigen Gebäude gesehen. Das heißt: Nicht mehr abgelassen, mich anzustarren. Und das heißt auch, dass innerhalb der nächsten Viertelstunde noch Zwei Männer gekommen sind, um dasselbe zu tun. Und um dem ganzen einen offiziellen Charakter zu geben meinte doch glatt der nächste, ich solle diesen Platz bitte verlassen. Das sei Krankenhaus-Zone. Ich lachte ihn aus und war Gott sei Dank ohnehin schon auf dem Sprung!

Ich fuhr fröhlich los und traf als bald eine Entscheidung, die ich im Nachhinein nie mehr so treffen würde! Ich beschloss, den landschaftlich um ein Vielfaches schöneren „Kings Highway“ zu verlassen und die letzte Etappe bis zum Flughafen auf dem „Desert Highway“ zurückzulegen. Der Grund war einfach: Auf dem Kings Highway erwartete mich noch ein weiteres, tiefes Tal, das von den gut Dreizehnhundert Metern Höhe auf fast Zweihundert Meter hinunter führte. Das wär´s ja nicht gewesen. Aber das alles wieder hinauf? Nein, nein, noch einen Tag voller Gedanken an Fresszeug wollte ich mir nicht antun! Da hatte ich lieber ein bisschen mehr Zeit für den Kauf meines Flugtickets nach Indien. Also rauf auf die Wüstenautobahn!

Zunächst war da eh nur der Zubringer. Supergeil! Fast ausschließlich leichtes Bergab und Rückenwind – es ging wie im Flug dahin! Doch dann kam die große Wendung: Zuerst wurde alles viel lauter: Das Rauschen des Windes und der Fahrzeuglärm in Kombination ließen Musikhören schlicht unmöglich werden! Auf dieser Straße wurden die ganzen Container, die unten im Süden in Aqaba vom Schiff genommen wurden, nach Norden transportiert. Ein LKW nach dem anderen raste an mir vorbei. Und jeder zweite hupte vor Begeisterung über die pinke Box im grauen Brummifahrer-Alltag. Und dazu hatte sich der straffe Rückenwind jetzt durch den Richtungswechsel in straffen Seitenwind von links gewandelt. Das war wirklich kein Spaß! Ich hatte es euch ja schon einmal beschrieben: Jedes Mal, wenn ein großes Fahrzeug an mir vorbeifuhr, schubste mich dessen Druckwelle erst mal nach vorne Rechts bevor es mich mit voller Wucht gegen seine Vierte Achse sog. Das Ganze wurde durch den Seitenwind noch dahingehend verstärkt, dass ich durch den Windschatten der überholenden Fahrzeuge erstmal in ein Loch viel, wo ich sonst stark gegen den Wind zu lenken hatte. Und gleichzeitig kamen die Laster selbst ins Schlingern, weil die hohen Container dem Wind eine ordentlich große Angriffsfläche entgegenhielten. Es kam also immer mal wieder ein Brummi verdächtig nahe! Und gegen Ende des Tages, als ich schon „auf den Felgen“ daher kam, krönte dieses Spielchen noch ein Wüstenphänomen: Windhosen! Die erkannte man schon von Weitem an den Sandschwaden, die bisweilen die Sicht zur Gänze einschränkten! Diese wanderten links von der Wüste herüber und erreichten schließlich die Straße. Ich hatte zuerst angehalten, weil ich mir nicht sicher war, wie sich diese Staubwolken anfühlen würden, wenn man mitten reinfährt. Doch als ich da so stand, meinte ich, mir noch einen Denkfehler erlauben zu müssen: Das bisschen Sand; wozu habe ich denn so eine gute Brille? Ich stieg auf und keine Zehn Meter später lupfte es mich schon vom Rad. Es ist mir bis heute unerklärlich, wie ich mich mit nur noch den Zehenspitzen meines rechten Fußes in dieser knackigen Böe vom Umfallen retten konnte! Klar: Wenn den ganzen Tag starker Wind weht, dieser aber keinen Sand transportiert, dann wird wohl der Wind, der den Sand vom Boden aufzuheben und in der Luft zu halten vermag ein bisschen stärker sein! …jetzt weiß ich das. Und ich werde es wohl nicht so schnell wieder vergessen! Nur gut, dass ich fast eine ganze Spurbreite – den Seitenstreifen – für mich alleine hatte. Bis zur Hälfte der Strecke zumindest…

Dort war nämlich das Ende des ausgebauten, neu asphaltierten Autobahnabschnitts! Und das hieß im Klartext: Der Seitenstreifen ist plötzlich längs-gerillt und dick mit Kies eingerieselt. Und in regelmäßigem Abstand lagen jetzt tote Hunde und explodierte LKW-Reifen auf meinem Weg. Und weiterhin bedeutete dies, dass die Fahrbahn der motorisierten Fahrzeuge schlicht uralt und durchgeritten war: Dicke, tiefe Risse und Wannen bis hin zu Zwanzig Zentimetern tiefe Löcher waren an der Tagesordnung. Das verstärkte nochmal den Lautstärkepegel um mindestens das Doppelte, wenn alle Sieben Achsen mit bestimmt nicht nur Hundert Km/h Speedlimit an mir vorbei brachen. Zum ersten Mal auf dieser Reise war mir Himmelangst um mein sagenhaft tolles Leben und ich habe nicht nur einmal zu Gott um das Überleben dieses Tages gebetet! Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich gerne die paar Hundert zusätzlichen Höhenmeter des Kings Highways in Kauf genommen!

Ich beschloss, für euch ein paar Bilder zu schießen und ein kleines Video zu drehen. Denn in Worten kann man das nicht annähernd so beschreiben, wie es sich in Wirklichkeit anfühlt. Und selbst ein Video kann es nicht wirklich…

https://www.facebook.com/photo.php?v=1631977877061399

Doch kaum hatte ich dass getan, schoss es mir durch den Kopf: Ob Gott damit wohl einverstanden wäre? Da bete ich schon zu ihm, dass er mir hier heraus hilft und dann bleibe ich auch noch stehen, um für euch ein paar spektakuläre Bilder zu schießen anstatt mich mit allen Kräften schleunigst von diesem heißen Pflaster zu kneten. Doch kaum hatte ich das fertig gedacht, passierte das schier Unglaubliche: Gerade als ich die Kamera eingepackt hatte, stach ein LKW wie von Sinnen durch die Löcher neben mir im Asphalt. Und gute Zweihundert Meter vor mir kam er ins Schlingern, war schon auf dem Mittelstreifen und verlor ein Stück Holz. Ein Balkenabschnitt von gut Achtzig Zentimetern Länge und im Querschnitt gute Vierundzwanzig auf Vierzehn. Dieses „Hölzchen“ sprang munter wie ein Flummi von der linken Fahrbahn auf die rechte, schlug gute Zwei Meter über dem Erdboden noch ein paar Purzelbäume bis er schließlich über den Seitenstreifen in den Straßengraben sprang. Dann begann der linke, hintere Reifen des Fahrzeugs böse zu qualmen. Als ich ein paar Augenblicke später an dem Karren vorbeifuhr, bekam ich die Erklärung: Die Radaufhängung war wohl irgendwie defekt geworden. Da hatten die Vollpfosten muss ich schon sagen, den Reifen mit einem Seil und wohl dem Stück Balken hochgebunden. Und als sie dann mit voller Wucht in die Vertiefung im Straßenbelag gerauscht sind, ist das Holz herausgesprungen, der Reifen runtergekracht und das ganze Gefährt munter aus der Spur gekommen. Und dann fiel mir ein, was wohl passiert wäre, wenn ich die Bilder nicht für euch geknipst hätte….ich wäre nämlich um genau die besagten Zweihundert Meter früher dran gewesen!

Hinter der nächsten Kuppe, nachdem ich mich bei meinen Schutzengeln bedankt hatte, sah ich zwei weiße Tauben vom rechten Straßenrand wegfliegen und im Horizont verschwinden. In der Wüste! Tauben! Ich sah das als Zeichen dafür, dass die Gefahr des Tages jetzt überstanden war und die zusätzlichen Schutzengel jetzt in den verdienten Feierabend geflogen sind. Ich fühlte mich ein bisschen sicherer. Auch, weil jetzt die Straße wieder besser geworden war und ich wieder meinen ganzen Seitenstreifen für mich hatte. Nach diesem Erlebnis konnte mich das nächste Verrücktum, das noch auf mich wartete, schier nicht mehr aus der Fassung bringen: Ich hielt an einem kleinen Kiosk an um mir nach überstandenem Schreck ein bisschen Flüssigzucker in Form von Pepsi zu gönnen. Als ich diese bezahlte, hielt ich dem Verkäufer drei Münzen entgegen und als er sie nahm, umfasste er mit seiner kalten Hand meine Fingerspitzen. Ich stutzte ein bisschen und zog dann mit einem energischen Ruck meine Hand aus der seinen. Da sah ich über den Tresenrand, dass seine andere Hand bereits lüstern seine Nudel knetete! Also echt! Ich zeigte ihm nur meinen Mittelfinger aber er schloss genüsslich seine Augen und hauchte nur ein „Aaaah, beautiful!“ in meine Richtung. Aha, ein Kompliment also. Dann kam zum Glück ein weiterer Kunde – woher auch immer! Ich packte die Gelegenheit beim Schopf und schob schnell mein Rad weiter des Wegs. Doch als der andere Gast abgefertigt war, dauerte es keinen Atemzug mehr, bis sich hinter dem Kioskhäuschen die Hintertür auftat und mir der Heißblütige hinterher pfiff. Ich war ja schon weit genug weg und konnte mich also auch umdrehen. Da zog er vorne seine Hose runter und schaukelte mit entspanntem Grinsen seinen nackigen Pimmel im warmen Wüstenwind auf und ab. …welcome to Jordan!

 

Amman International Airport (Zelt)

Tages-Km: 102,63km / -Zeit: 6:55h / -Höhenmeter: 674m

Gesamt-Km: 8.042km / -Zeit: 561:09h / -Höhenmeter: 78.178m

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139_Träumelieschen

Zum zweiten Frühstück gab es heute gleich mal einen satten Anstieg von rund Achthundert Höhenmetern. Das zieht sich! Und an was man da so alles denkt, wenn man nur stur den Berg hinauf strampelt: Kaiserschmarr´n mit Apfelmus, Schnitzel mit Kartoffelsalat, Rindsroulade mit Kartoffelbrei, Kaiserschmarr´n mit Apfelmus, Schupfnudeln, Kässpatzen, Sauerkraut mit Blut- und Leberwurst und Petersilienkartoffeln, Apfelstrudel mit Vanille-Soße, nein: Heute lieber Kaiserschmarr´n. Mit Apfelmus, nicht mit Zwetschgen. Oder doch Linsen mit Spätzle und Wienerle…oder Kassler, Weißwurst mit Breze und süßem Senf, Obatzda mit Zwiebelringen, Wursttopf mit Wienerle, Debreziner, Käskrainer, Schweinsbratwürstle, Kalbswürstle, oder den Klassiker von unserer „Tante Pepi“: Zwei knusprige Wollwürst? Oder Kaiserschmarr´n! In dicken, fluffigen Brocken mit zentimeterdick Puderzucker drüber. Oder lieber die knusprigere Variante mit karamellisierten Mandelblättchen und abgelöscht mit Amaretto? Eieieieiei, qualvolle Entscheidung! Ach was, Entscheidung: Beide her! Zamschütten, umrühren, nochmal dick einschneien mit Staubzucker, damit keiner den Bluff merkt und rein damit. Den ganzen Haufen! Ich hätte heute schier durchdrehen können, wenn ich nur an all die guten Sachen und speziell an Kaiserschmarr´n dachte!

…ach, irgendwie freu ich mich auch schon wieder auf daheim!

 

Kurz vor Karak (Zelt)

Tages-Km: 32,40km / -Zeit: 3:33h / -Höhenmeter: 869m

Gesamt-Km: 7.939km / -Zeit: 5540:14h / -Höhenmeter: 77.504m

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138_Rotzbuben, elendige!

So süß das kleine Hotel gelegen war, so bitter war der Anstieg zurück auf den King´s Highway. Eine satte Stunde mühseligstes Schieben! Oben nochmal die Ferse verarzten und dann Strecke machen. Es ging munter bergauf und bergab. Ganz entspannt eigentlich. Man hat hier auf rund Dreizehnhundert Metern über dem Meeresspiegel gute Luft und frischen Wind, der die Fahrt sehr angenehm macht. Aber heute ist mir zum ersten Mal etwas begegnet, was nicht ganz so angenehm war: Die Jungs hier!

Damit meine ich wirklich alle Altersklassen von Gerade-aus-der-Windel bis mitten ins Streusel-Gesicht. Die sind dermaßen verzogen, frech, aufmüpfig und manchmal sogar richtig unverschämt, dass ich nur schnell wieder raus wollte, aus den Dörfchen! Einmal haben mich Schulkinder gestoppt. Wenn die zu Fünft vor dir eine Straßensperre aufbauen, hast du eben keine andere Wahl, als stehen zu bleiben. Sie wollten Geld. Aber ich hatte keins. Einem schüchternen Aprikosenverkäufer, der allein und verlassen und mitten im Niemandsland stand und auf einen gnädigen Kunden wartete, dem hatte ich eine Hand voll Obst für Fünf Dinar abgekauft. Das hätte er wohl für die ganze Kiste nicht bekommen. Aber warum nicht! Doch nicht für diese Rotzlöffel! Und als ich einfach nichts rausrücken und weiterfahren wollte, haben die mir glatt eins auf die Schulter gehauen und gegen die Taschen gekickt. Oder im Ort fuhr ich für ein paar Meter in der Mitte meiner Spur, weil rechts am Straßenrand Fußgänger waren. Da hupt mich ein junger Max derartig energisch und dauerhaft an, um mir damit wohl zu signalisieren, dass die Straße ihm und den Autofahrern vorbehalten sei und ein Radler gefälligst aus dem Weg zu rücken hat, wenn ein Wichtigmann wie er des Wegs kommt.

So ging das den ganzen Tag. Aber nur mit Jungs! Die dürfen sich hier offenbar alles erlauben und man könnte fast vermuten, sie werden schon zum großen Macker erzogen. Während die Mädels ganz schüchtern hinter einem Baumstamm hervorlugen und dir mit allem Mut, den sie aufbringen können, ein zartes „Hello“ zusäuseln und strahlend zurückwinken, wenn du den Gruß erwiderst. Das war heute ziemlich auffällig und bisweilen sogar unangenehm. Wenn die nämlich wüssten, dass ich eigentlich macht- und wehrlos bin mit dem teuren und schweren Rad…! Nur gut, dass sie sich dann doch durch ein lautes „He!“ oder eine quietschende Vollbremsung erschrecken lassen und schleunigsst Reiß´ aus nehmen. Aber ein Stein fliegt meistens trotzdem noch hinterher! Ich will ihnen aber mal ein allgemein gutes Augenmaß zutrauen und behaupten, sie haben absichtlich daneben geschossen…. Hoffentlich geht das immer so glimpflich aus!

Die Nachtruhe fand ich weit weg von jeglicher Zivilisation tief unten in einem Flussbett. Dort hatte ich zwar von den Menschen meinen Frieden, aber es war gleich deutlich heißer und die Luft staubig und dreckig und die Fliegen massiv lästig…. Was so ein paar Hundert Höhenmeter gleich ausmachen!

 

Zwischen Dana und Karak unten im Valley (Zelt)

Tages-Km: 57,06km / -Zeit: 4:16h / -Höhenmeter: 925m

Gesamt-Km: 7.907km / -Zeit: 550:40h / -Höhenmeter: 76.634m

 

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137_Was? Da-na?

Ich hatte es gestern gerade noch den Berg hinter Wadi Musa hinauf geschafft, als sich schon die Sonne begann zu verabschieden. Da schob ich flink mein Radl in eine Art Grundstück – die Zufahrt war nur mit ein paar schaftkantigen Steinbrocken versperrt. Nicht aber für mich: Ein Ruck und die Durchfahrt war frei! Dann schob ich meinen Schwerlaster über die knisternden Dörrblumen und dachte mir: „Was für eine Freude, dieses Rad! Mit meinem ersten Rad damals in Spanien hätte ich mich niemals über diese ekelhaft spitzigen Dornengewächse trauen dürfen! Aber dem hier, dem tut das nichts – wie schön!“ Dann zog ich meine dicksohligen Turnschuhe an, denn durch die dünnen Sandalen stach es schon durch. Und vorwärts zur Kuppe, wo ich mit der Sonne einschlafen kann!

Das Zelt war aufgestellt, die Matte aufgeblasen und ich hatte mich gerade neben meinem Fahrrad, das direkt am Zelt stand, auf`s Ohr gelegt. Alles wurde ruhig und friedlich. Und da hörte ich ein leises „Pffffffffff…..“ das mich sanft in den Schlaf säuselte…. Man soll eben doch nie den Reifen vor dem Abend loben!

Der nächste Morgen begann also mit Platten flicken. Und dementsprechend war der Plan, früh loszukommen, vom Universum wieder mal über den Haufen geworfen worden. Als ich endlich alles repariert, eingepackt und gefrühstückt hatte, war es eigentlich schon zu heiß zum angenehmen Radeln. Ich hatte gerade wieder den schafkantigen Stein zurückgerollt, setzte mich drauf, um meine Turnschuhe wieder gegen die Schlappen einzutauschen, da wackelte plötzlich der Sitz unter mir. Aha, also aufpassen, nicht dass er beim Aufstehen ins Wanken gerät und mir auf die Felsen fällt! Soweit die Theorie! In der Praxis habe ich mich super vorsichtig erhoben, doch anstatt das Ding mit einer Hand vom Umfallen abzuhalten…. „Ratsch!“: Linke Ferse böse aufgeschürft! Hätte ich nur eine Schaufel mitgenommen! Dann hätte ich mich jetzt eingraben können. Wenn ein Tag schon so anfängt!

So eine Weltreise ist manchmal eben kein Honigschlecken! Aber man hat doch immer die Wahl zwischen den berühmten zwei „M“s: Mann oder Memme? Ich habe mich für den Mann entschieden und es immerhin noch bis Dana geschafft. Dort hat mich zur Belohnung ein total süßes Hotel in mitten einer schon fast zerfallenen, alten Steinstadt beherbergt. Aber es ging halt zum Verrecken tief ins Loch runter! All die vielen Tages-Höhenmeter für die Katz`! Denn am nächsten Tag würde ich das alles wieder zurück schieben müssen. Aber als Gegenleistung haben sie mich brav noch zum Frühstück eingeladen. Wenn ich dafür nett über sie schreibe…und das kann ich aus tiefstem Herzen! Wenn ihr mal einen Wanderurlaub planen solltet und keine Idee habt, wo es hingehen könnte, dann widmet doch mal dem Naturpark von Dana einen Gedanken und lasst euch von mir das „Dana Tower Hotel“ wärmstens ans Herz legen. Und zögert nicht allzu lange: Alle hier in Jordanien leiden böse unter den Konflikten hier in den Nachbargebieten und freuen sich innigst über Besucher!

 

Dana (Dana Tower Hotel)

Tages-Km: 53,19km / -Zeit: 3:45h / -Höhenmeter: 618m

Gesamt-Km: 7.850km / -Zeit: 546:24h / -Höhenmeter: 75.709m

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136_Ziehen lassen…

Mittlerweile ist schon wieder Freitag und mein privater Reiseführer wohl endgültig hoffnungslos, ganz und gar und mit Haut und Haar verliebt… und daher der Abschied ein bisschen anstrengend. Wir kommen so gegen Mittag an seinem Restaurant an und ich beschließe kurzer Hand, den Nachmittag über noch hier zu bleiben um dann am Abend, wenn die Temperatur wieder ein bisschen angenehmer sein würde, noch ein paar Kilometer zu machen. Da strahlt er plötzlich wie ein Honigkuchenpferd, rennt ein paar Mal ins Dorf und kommt mit gefüllten Plastiktüten wieder zurück, schnipfelt und brutzelt und stellt mir schließlich um Fünf einen Teller mit Reis und Hähnchen in Joghurtsoße vor die Nase. Wow! Aber leider konnte ich trotzdem nicht bleiben. So ist das halt auf Weilreise. So ist die Regel, nach der gespielt wird. Aber Regel hin, Regel her: Manchmal ist es einfach Kacke! Er hatte Tränen in den Augen und als ich losfuhr sang Bryan Adams in voller Lautstärke aus den Boxen „When you love someone“…

 

Kurz nach Petra (Zelt)

Tages-Km: 5,63km / -Zeit: 1:00h / -Höhenmeter: 360m

Gesamt-Km: 7.796km / -Zeit: 542:38h / -Höhenmeter: 75.091m

 

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Just breathtaking

After the two incredible days in Wadi Rum I never expected that this experience could ever be topped. But it was! When I arrived in Petra or better Wadi Musa I first didn´t really have a plan how to get organised. But as always there was already a plan…made from „above“ maybe. I found myself in the middle of the busy streets looking for a certain hotel that was recommended as a good place to stay. And maybe I looked a bit too lost searching this hotel so that suddenly someone asked me: Looking for a place to stay? I said: Yes! And some minutes later I found myself in the little restaurant of Hesham having super sweet mint tea and a nice lady from Britain at my table. The bike was already inside the restaurant where it was safe and protected from the hot sun. And waiting with me until Hesham finished his duty in order to bring us to his couchsurfing place. And while we were waiting and having tea and waiting and having tea and waiting and… Hesham maybe realised what a nice girl I am. …and made a further plan for the evening: horseride up to the peak of the mountain, see the sunset and then go back to the restaurant and have dinner. Except from the fact that the moments on the horse´s back were quite uncomfortable to dangerous – Hesham was sitting in front of me and I was all the time struggling to keep sitting behind him – it was just extremely romantic up there! But as I am not only a nice but a really nice girl I could ride the horse by myself on the way back. And this was even more romantic because so, so relaxing and comfortable this time! I definitely must learn how to ride a horse so that for the next time I´ll be prepared to have my own one also for the uphill ride!

The next day all I had to do was: follow my private guide. A taxi dropped us in the middle of Petra-Site. From there we walked up to the big rock in front of the “Treasury” where we spent at least one hour taking millions of pictures of camels, dunkeys, horses, beduins and tourists of all kinds from above. This is the way I could spend my whole life! So great! Then we walked down to discover the caves, taking some more pictures and had another sweet tea in order to be refreshed for the evening program: run up to the monastery and the view point for the sunset within a record time of 30 minutes for all the 800 and something steps…(we a little bit forgot about the time when we were down there in the beautiful caves). But we made it to be up on time! Then walking down in the dark, crossing the whole site under a sky full of stars and ending up in front of the “Treasury” illuminated by hundereds of candle lights. It´s impossible to describe how it feels to hear the flute playing and the Arabic singing there in this mystic atmosphere and to walk back home through the canyon also filled with warm, magic candle light: you must experience it!

 

Petra (Couchsurfing bei Hesham)

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Atemberaubend

Nach ausgiebiger Nachtruhe stand heute Petra bei Tageslicht auf dem Programm. Wir gingen natürlich wieder zum Hintertor. Das war einfach deutlich billiger. Diesmal brachte uns allerdings ein Taxi. Als wir fast oben waren, gingen wir erst mal alle meine Bandscheiben einsammeln, die es mir gestern aus der Wirbelsäule gesprengt hatte. Und dann führte der Weg ein bisschen über Schotterpiste – immer mit einer Wahnsinns-Rundum-Aussicht! Dann hinunter in eine enge Schlucht. Dort blühten rosa Bäume und üppige Sträucher. Jetzt gab es da zwar kein Wasser, aber die Pflanzen verrieten, dass dem nicht immer so sein würde. Dann ging´s auf der anderen Seite wieder hoch. Auf schmalen Tritten entlang der senkrechten Felsenwände. Bis wir auf einem kleinen Plateau ankamen, das wohl die Endstation zu sein schien, denn von dort ging es nur noch bergab. Senkrecht gute Fünfzig (oder Hundert?) Meter bergab! Hesham meinte, wir müssten ganz nach vorne gehen. Und ihr habt ja keine Ahnung, warum! Ganz vorne am Abgrund angekommen, sahen wir auf das Eingangsportal der damaligen Schatzkammer – genannt „Treasury“. Und unter uns tummelten sich Kamele, Esel und Pferdewagen mit Touristen und Beduinen. Ich hätte dort ewig sitzen können!

Doch mein mittlerweile schon dreivierte-verliebter Führer hatte natürlich noch ein paar weitere Highlights auf der Liste. Und die wollte jetzt auch abgearbeitet werden! Zuerst runter zur Stadt. Wir schlenderten gemütlich durch die alten Höhlen und schossen hunderte – ach, was sage ich? – tausende Bilder. Dann Teetrinken. Dann die Grabeshöhlen mit ihren beeindruckenden Farbstrukturen in den Felsen. Als ich fragte, wie sie die Höhlen damals gebaut hatten, erzählte mir Hesham von einem seiner Dorfkollegen. Dieser war weit davon entfernt, ein richtiger Touristenführer zu sein. Aber er hatte es irgendwie geschafft, sich eine Horde Japaner zu angeln und diese durch die alte Stätte zu führen. Das ging wunderbar! Bis einer der Urlauber die unverfrorene Idee hatte, den falschen Führer ebenfalls nach der Entstehung der Stadt zu fragen. Da überlegte dieser kurz und gab schließlich die genialste Antwort, die man sich nur denken kann. Also das war so: Die ganzen Bewohner dieses Tals hatten einmal eine fette Party. Alle aßen, tanzten und tranken Wein, was die Fässer hergaben. Und als sie alle hoffnungslos betrunken waren, kamen sie auf die Idee, etwas anzustellen. Wie das eben so ist, wenn man betrunken ist. Und als sie am nächsten Morgen völlig zerstört ihren Rausch ausgeschlafen hatte, waren da plötzlich überall diese Höhlen in die Felsen geschlagen. Alle schauten sich völlig verdattert an. Aber dummerweise konnte sich beim besten Willen keiner mehr erinnern, was in der Nacht zuvor passiert war! So viel an dieser Stelle zur Historie von Petra.

Vor lauter Höhlen hatten wir dann fast den Sonnenuntergang verpasst! Den schaut man sich am besten von einer Aussichtsplattform hinter dem Kloster an. Nur liegt das Kloster gute Achthundertirgendwas Stufen über dem Grund der Stadt. Es wurde also ein bisschen hektisch jetzt. Aber erst mal oben angekommen, war der Ausblick atemberaubend schön. Oder kam das von dem Spurt hier hoch? Wir tranken einen zuckersüßen Tee und stiefelten dann bei Dunkelheit wieder alle Achthundertirgendwas Stufen hinunter und dann bei Grillengezirpe und Sternenhimmel durch das trockene Kiesbett der Stadt. Dann über einen mit großen, glattgetretenen Steinquadern antiken Weg, flankiert von einer Säulenreihe. Es war wie im Märchen! Wir endeten wieder in einer engen Schlucht – links und rechts stiegen die Felsenwände senkrecht in schwarzen Silhouetten empor. Es wurde immer enger. Doch plötzlich tat sich am Ende ein Lichtspalt auf! Hesham zog mich an meiner Hand und als wir aus der Schlucht herauskamen, waren wir wieder bei „Treasury“. Doch diesmal unten. Und dort war der ganze Vorplatz von Kerzen in Papierhüllen beleuchtet. Eine Flöte spielte. Dann ein anderes Instrument, begleitet von arabischen Gesängen. Es war einfach magisch! Leider durften wir nicht bleiben, weil wir kein Ticket für „Petra by night“ hatten. So traten wir den Heimweg an: Auf der Sohle der engen Schlucht, die wiederum links und rechts mit Kerzen ausgeleuchtet wurde. Es tut mir leid, aber das kann man wirklich nicht beschreiben. Das kann man nur erleben!

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