Kategorie-Archiv: Panama

Wo der Rauch aufsteigt

Ich habe gebucht! Doch ich lasse euch noch ein bisschen zappeln…

Und erzähle euch derweil vom brennenden Busch. Von den letzten Flecken Regenwald in Panama, von dem innerlichen Zwiespalt zwischen gewinnbringender Wiederaufforstung und dazu vorher notwendiger Brandrodung, von Teak-Plantagen und kal(t)kuliertem Business, Indianern und Investoren.

Es war der zweite Abend in Panama und ich ging auf Schnüffeltour. In den nagegelegenen Hafen von Balboa hat es mich gezogen, um ein bisschen Schiffsluft zu schnuppern. Da laufe ich Johan über den Weg. Er wird jetzt für eine gute Woche hier sein und sich um sein panamesisches Geschäft kümmern: Teakholz Plantagen. Und während wir nun beide eine schnelle Minipizza an der Ecke zum Abendessen haben, erzählt er mir von seinem Business. Und vermutlich weil ich ihm ein bisschen von meiner Reise erzähle, die ihn an einen seiner eigenen, noch offenen Träume erinnert, bekomme ich vor unserer Verabschiedung die Einladung, ihn in den nächsten Tagen auf seine Reise ans Ende der Welt zu begleiten. Er wird für Zwei Tage nach Darien fahren, wo seine Bäume stehen und von außer Kontrolle geratenen Bränden hoffentlich nicht allzu schwer verletzt worden sind. Und nachdem ich ohnehin etwas mehr Zeit brauche, mich hier auf den Flug vorzubereiten, sage ich ihm am Ende schlicht und einfach zu.

Wir fahren mit dem Auto aus Panama City heraus und nach Osten. So lange, bis die Straße im Urwald endet. Oder sagen wir besser: In so einer Art Urwald, denn richtig ur-originalen Wald gibt es hier kaum noch, erklären mir Johan und Omar, der Fahrer, auf dem Weg dorthin. Schon auf dem Hinweg deutet Omar immer wieder in die umliegenden Hügel, wo an mehreren Stellen Rauch aufsteigt – wie wir es bei Janosch gelernt haben. Ich denke mir: Was will er denn? Das habe ich die letzten paar Monate immer wieder gesehen. Die Leute verbrennen gefallenes Laub und Äste sozusagen auf niedriger Flamme, damit das Land anschließend aufgeräumt und neu bepflanzbar ist. Und wenn der Brand nicht außer Kontrolle gerät, düngt die Asche sogar den Boden. Doch als wir am See vorbeikommen, erklärt Omar, dass man all die Inseln, die hier das Wasser wie ein Feld mit vielen Maulwurfshaufen erscheinen lassen, normalerweise gar nicht sieht. Nur ein, zwei vielleicht. Der Rest ist sonst immer unter Wasser! Und auch Johan lärmt wieder und wieder, dass er Panama noch nie so dürr und trocken gesehen habe. Der Klimawandel ist eben überall…

Dann kommen wir zur ersten Plantage. Für mich steht ein Pferd bereit. Wobei… eigentlich war es für Omar gedacht. Aber er lässt mir den Vor(t)ritt. Und so (sch)reiten wir nun gemeinsam durch die ungefähr Acht Jahre alten Baumreihen. Der Boden ist verkohlt und nur wenige, nach dem Feuer gefallene Blätter liegen zwischen den manchmal knie-, manchmal mannshoch verkokelten Stämmen. Johan zieht sein Taschenmesser und schnitzt an ein paar Stellen freiliegende Wurzeln an, um zu sehen, wie dick die verbrannte Schicht wirklich ist. Gott sei Dank: Es ist wohl nicht so schlimm und die Bäume werden mehr oder weniger unbeschadet weiterwachsen. Doch allein die Tatsache, dass dieses Feuer nicht absichtlich von seinen Arbeitern, sondern von einem der Nachbarn angezündet worden war und wenn man so will „versehentlich“ auf seinem Grundstück gelandet ist, beunruhigt ihn natürlich. „Ja wissen denn die Leute nicht um den Ausnahmezustand des Landes, um die außergewöhnliche Trockenheit?“, will ich wissen. Doch, doch, meint Omar. Es ist mittlerweile von offizieller Seite untersagt, diese „Aufräumfeuer“ anzustecken. Doch die einen tun es trotzdem. Und die anderen, die tun es gerade mit Absicht! Zum Beispiel gibt es in näherer Nachbarschaft ein paar kriminelle Typen, die auf diese Weise an Land kommen wollen. Sie fällen und stehlen Holz von den Plantagen fremder Investoren oder legen Brände, um diese so lange zu vergraulen, bis sie die weiße Fahne ziehen und das Land verlassen. Doch natürlich wird das keiner tun, denn es steckt in so einer Plantage jede Menge Geld von privaten Langzeitanlegern. Johan muss um seinen Stand hier kämpfen. Doch wie man mit solchen Typen umgeht, das wird er sich in den nächsten Tagen gut überlegen müssen…

Wir fahren nach und nach alle seine Plantagen ab. Unterwegs passieren wir einen Hügel, der in lodernden Flammen steht. Ein hilfloser Bauarbeiter versucht das Feuer am Rand mit ein paar Besenhieben aufzuhalten. Doch er hat keine Chance: Es zieht, wohin es der Wind weht! Und die Bäume, die hier in der Nähe stehen, sehen deutlich mitgenommener aus, als die des ersten Pflanzgebietes. Es ist kein guter Tag für Johan und Omar, der unter dem Jahr die Plantagen in seiner Obhut hat. Sie entscheiden, das zur Anzeige zu bringen. Doch als wir in Yaviza, dem allerletzten Dorf, bevor der für mich unpassierbare Wald zwischen Panama und Kolumbien beginnt, auf der Polizeiwache ankommen, beginnen diese fast zu lächeln: Leute, wir haben jetzt wirklich keine Zeit für eure Privatprobleme, denn es brennt seit heute Früh ein Teil des Naturschutzgebietes! Alle verfügbaren Kräfte sind jetzt dort eingesetzt, um mit erster Priorität diesen Flecken Regenwald zu retten.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort. Wie Johan zum Regenwald und dessen immer noch fortschreitender Abholzung steht, würde mich brennend interessieren. Und die Art, in der er mir antwortet und auch von selbst immer wieder dieses Thema auf den Tisch bringt, überzeugt mich. Wie ich ihn einschätze, kann er ein ziemlich strikter und auch harter Geschäftsmann sein. Aber in Wirklichkeit ist er jemand, den es schmerzt, das Land so trocken und verdorrt zu sehen. Man spürt das, wenn man hinter ihm durch die Felder und Hügel schreitet. Er erzählt immer wieder, dass diese Trockenheit auf die Abholzung des Regenwaldes zurückzuführen ist. Vorher hat der Wald selbst die Feuchtigkeit gespeichert und den Regen für das Land erzeugt. Jetzt gibt es schlicht nichts mehr, was den Boden vor der aggressiven Sonne schützt. Breite Risse haben sich aufgetan in der Erde, Bäche und Sümpfe sind ausgetrocknet und die darin lebenden Schildkröten und Aligatoren sind entweder schon gestorben oder dümpeln in einer letzten, lächerlich mickrigen Pfütze und hoffen auf baldigen Regen. Johan kann sich selbst noch an das Land hier erinnern, wie es vor guten Zehn Jahren Grün und in vollem Saft stand. Er wirkt ehrlich bestürzt, hilflos und traurig über die Tatsache, dass man die Leute nicht aufhalten kann, immer weiter und weiter Bäume zu fällen.

Es ist offiziell verboten, den Wald zu schneiden. Doch als Omar es mir in diesen Worten mitteilt, entweicht Johan ein belächelndes „Tsss!“. Es ist verboten, doch es gibt natürlich Ausnahmen. Und es gibt selbstverständlich Korruption. Eine Ausnahme, wenn ich das richtig verstanden habe, könnte zum Beispiel ein Privatmann haben, der sagt, dass er einen Regenwaldbaum dringend für seine Hüttte zum Bauen braucht. Schon kann er die Säge ansetzen. Hingegen kann kein reicher, ausländischer Investor kommen und den Wald beseitigen, um eine gewinnbringende Plantage anzulegen. Doch natürlich gibt es ein paar schwerreiche Großfäller, die schon seit Vierzig und mehr Jahren Bäume schneiden und verkaufen und sogar eine Ausnahmeregelung bekommen haben, als das Gesetz des Schnittverbots in Kraft getreten ist: Sie dürfen noch ein paar (ich meine Zwanzig) Jahre lang weiterschneiden. Und wenn ihr wüsstet, was Johan mir von seinen Kollegen, von anderen Investoren und deren Umgangsmethoden erzählt hat, wie die mit Schusswaffen und Drogen spielen, dann kann ich mir nur zu gut denken, dass hier auch nach Ablauf des vereinbarten Ultimatums keiner es wagen würde, sich so einem „Guru“ in den Weg zu stellen. Es würde ihn schlicht Kopf und Kragen kosten. So einfach ist das in der Wirklichkeit!

Außerdem gilt dieses Gesetz natürlich nur für staatlichen Grund. Es gibt aber indigene Grundbesitzer, die sich neben dieser Regelung natürlich ins Fäustchen lachen. Sie plündern munter weiter und fällen und brandroden auf Hochtouren! Um zum Beispiel später Bananen anzupflanzen – ein schnelles und bequemes Business. Als wir uns zurück auf den Weg nach Panama City machen, steht vor uns ein Laster mit ein paar Stücken Riesenbaum auf der Ladefläche. „Da schau, das ist mit Sicherheit ein Urwaldbaum!“, meint Johan zu mir. Aber wie kann man das denn jetzt aufhalten? Schlicht und einfach kein Tropenholz mehr kaufen? Das ist zumindest ein Anfang. Eine Grundregel. Aber man muss sich ein bisschen einarbeiten. Denn wenn man zum Beispiel Teakholz von Johans Plantage kaufen würde, dann hätte man damit eine Art Wiederaufforstung unterstützt. Natürlich keine Wiederaufforstung des Regenwaldes. Aber immerhin: Er hat den Grund gekauft, als dort schon kein Wald mehr war. Und er hat Bäume gepflanzt. Die jetzt gute Zwanzig Jahre lang wachsen, bevor sie geschnitten werden. Und dann wird möglicherweise die nächste Generation wieder anpflanzen. Klar, es handelt sich um eine Monokultur, die den Boden auch auf eine Art Einseitigkeit ausbeutet. Es werden immer dieselben Mineral- und Nährstoffe aus der Erde gezogen. Aber um die Situation hier zu retten, müsste man schlicht und einfach Strg+Z drücken können. Es war nämlich von der Natur schon perfekt eingerichtet! Und jegliche Art unseren menschlichen Agierens ist dagegen einfach nur lächerlich und hilflos. Eine Wiederherstellung eines gesundes Gleichgewichtes für Natur und Boden wird es in unserer profitorientierten Gesellschaft nie mehr geben. Das wage sogar ich in meiner pinkfarbenen Naivität vorherzusagen.

Was also, wenn man unbedingt Teakholz braucht? Dann könnte man es tatsächlich aus panamesischen Plantagen kaufen, denn eins steht fest: Aus dem Urwald können diese Bäume nicht geschnitten sein, weil Teakholz in Zentralamerika nicht wächst – es ist in Asien zu Hause. Es ist also von Natur aus gesichert, dass es von einer Plantage kommt. Und die nächste Absicherung könnte sein, dass für eine Plantage kein Wald gefällt werden darf. Er war also schon gefällt, als jemand eine Teakpflanzung angefangen hat. Aber das ist schon etwas wackliger, wie wir gelernt haben. Am Ende hilft nur eins: Sich den Besitzer, Eigentümer, Betreiber des Geschäftes ansehen und ihn persönlich kennenlernen. Mit ihm nach Panama reisen und ihn und seine Leute kennenlernen. Bei Johan zum Beispiel hatte ich jetzt nach diesen Zwei Tagen das Gefühl gewonnen, dass er sich seinen Herzschlag für unberührte Natur bewahrt hat. Es klingt absurd, ich weiß! Aber er schwärmt mir wieder und wieder von einer Wanderreise in die Wälder Schwedens – seiner Heimat – vor. Wie er dort irgendwann mal eine kleine Hütte im Niemandsland haben will, ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Einfach nur mit dem, was die Natur ihm spendet. Und gebaut mit seinen eigenen Händen und ohne Materialien, die in einem Wald nichts verloren haben. Und auch seine Ehrlichkeit in Bezug auf bestehende Zertifizierungsmethoden, die es im Holzhandel gibt – seiner Meinung nach schlicht Betrug und Geldmacherei ohne jegliche tatsächliche Garantie hinsichtlich Herkunft der Hölzer oder Arbeitsbedingungen der Arbeiter – überzeugen mich davon, dass in seiner harten Investorschale ein wirklich gutes Herz schlägt. Am Ende hilft möglicherweise wirklich nur, keine Tropenhölzer zu kaufen und auf einheimisches Holz zurückzugreifen. Aber ihr wisst ja bestimmt, dass auch unsere europäischen Fichtenwälder nichts als grausige Monokulturen sind, für die der Originalbestand an Wald schon dran glauben hat müssen…

Alles in allem habe ich leider keine Lösung für euch gefunden. Kein Rezept und auch irgendwie keine gute Nachricht. Aber ich habe ein paar wirklich hochinteressante Einblicke in die Machenschaften des Bananenlandes gewinnen können und ich hoffe, es war auch für euch – wenn auch nicht beruhigend – wenigstens informativ. Persönlich fühle ich mich jedenfalls enorm bereichert durch diese Zwei Tage und ich danke Johan und Omar von Herzen, dass sie mich ohne Geheimniskrämerei an ihrem Business teilhaben ließen. Danke und allzeit alles erdenklich Gute für euch und eure Bäume!

 

Balboa, Panamá (Zelt im Hostal Amador)

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Ein Architekt muss planen

Jetzt befinde ich mich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr umhin komme, ein bisschen zu planen. Ich habe es natürlich nicht lassen können, dem Schiffstraum noch einen letzten Anlauf zu geben. Aber schon sehr bald stand fest: Der strahlend weiße Matrose vor ein paar Tagen war leider keine Reisevorschau! Doch mittlerweile bin ich immerhin schon so weit aus meinen Träumereien herausgereift, dass ich kaum mehr Zeit und Energie investiere. Klar, einen Funken der Hoffnung lasse erhalten ich am Glimmen. Aber ein Feuer entfache ich diesmal nicht mehr. Die Kontakte, die mir zugespielt werden, enden in einem buchbaren Segelboot, das mich von Kolon – der Stadt am Nordende des Panamakanals – in die Karibik und von dort irgendwann nach Cartagena – die Stadt in der Nord-West-Ecke von Kolumbien – bringen würde. Für teures Geld natürlich. Aber: Teures Geld habe ich derzeit nicht! Und wenn man ohne Schönmalerei die Fakten betrachtet, habe ich eigentlich nicht mal mehr die Zeit, von Cartagena aus zu starten. So viel kann ich noch rechnen, dass sich das mit Rio nicht mehr ausgehen würde. Also wohin denn jetzt?

Ich klemme mich einen Tag lang hinter meinen Bildschirm und lasse fast schon vergessene Gefühle wieder aufleben: Ich starte Excel! Und parallel switche ich zu Google maps, wo ich mir Stückweise die Distanzen zwischen verschiedenen Städten oder Meilensteinen meiner noch vor mir liegenden Reise ermittle. Dann errechne ich mir aus den bereits gefahrenen Strecken einen Faktor, um den sich Google im Allgemeinen vermisst. Ich komme auf gute Dreizehn Prozent Strecke, die ich auf die Google-Strecke noch aufschlagen muss, um einen einigermaßen realistischen Wert zu erhalten. Und aus meinen Aufzeichnungen weiß ich ungefähr, welchen Kilometerdurchschnitt ich am Tag und somit in den mir verbleibenden Dreieinhalb Monaten zu fahren im Stande bin. Den Startpunkt der zu berechnenden Route setze ich in Rio. Und von dort aus klicke ich mich rückwärts ein Stück weit südlich die Küste entlang, dann in die Hauptstadt von Paraguay, wo ein Drei gute Freunde von mir leben, die ich unterwegs gerne besuchen möchte. Dann geht´s weiter zum „Salar de Uyuni“, der wohl berühmtesten Salzebene dieser Erde. Sie liegt hoch oben in Bolivien. Als nächstes stellt sich mir „Machupicchu“ in den Weg, mindestens ebenso berühmt, aber eigentlich ein mehrtägiger Wanderpfad zu der ehemaligen Inkastadt. Ich werde meinen Sattel vermutlich nicht verlassen. Aber ich habe gehört, man kann da auch hinfahren… Richtig Zeit, um zu recherchieren, habe ich nicht – ich lasse es wieder einmal auf mich zukommen. Und dann…? Ja, dann werden mir die Kilometer schon langsam knapp! Ganz grob sprechen wir hier von Fünfeinhalb Tausend. Dafür muss ich schon fast die ganzen Drei Monate veranschlagen, denn es wird wieder steil! Ich habe also noch gut einen halben Monat zu vergeben.

Will ich da jetzt lieber nach Kolumbien, wo der Kaffee wächst? Oder ins schlaraffenartige Ecuador, das Heimatland von Dieter, der damals vor vielen Jahren auf demselben Stockwerk im Studentenheim gewohnt und mir von zu Hause vorgeschwärmt hat: Es gibt Berge, es gibt Meer, es gibt Wald und Bäche und Wasserfälle. Es gibt wilde Tiere und es gibt tropisches Obst. Es gibt einfach alles. Es ist das Paradies! Worauf setze ich jetzt den Fokus? Fest steht nur: Einen Teil der Strecke muss ich überbrücken. Aber welchen? Welcher wird´s? Und welcher nicht?

 

Balboa, Panamá (Zelt im Hostal Amador)

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The Trip to Panama

After the up and down in Guatemala – geographically as mentally – I was hoping to find back into my beloved flying-feeling I had felt when I was cycling down the West Coast, the Baja California and the beautiful Pacific coast of Mexico. I now reached Balboa, a suburb of Panama City, which for me will be the final station of Central America. And reflecting that part of the trip now I know: The ups and downs didn´t end. I didn’t get the real good feeling, I didn´t get the flow. I will not remember that stretch as a bad time! But I will remember it as a hard time: High mountains to climb in Guatemala, heat in Nicaragua, strong winds from the front in Nicaragua and Panama, the “Gringo-feeling” that continued being just sometimes very friendly and at least half of the time not very welcoming. Then the bed bugs that kept me running until Panama. Plus being on main roads most of the time, accompanied by dirty, noisy, dangerous traffic… Central America is not a part of this world I would recommend to someone to visit with a bicycle. Except from Costa Rica which with its beaches, it´s small and so often naturally shaded roads, it´s clear and clean rivers, it´s environmental consciousness and it´s noticeable friendly and open spirit surprisingly was a cyclist´s paradise!

The rest of the central American countries is maybe difficult on a bike, but definitely worth a trip with a backpack or a mountain bike. Or just a lot of time to meet and chat with the local people. That´s maybe the thing I was missing most as my schedule to reach Rio on time is quite tough. But whenever I dedicated some time to the people here, to ask them about their lives, their conditions and their visions and to also tell them about life in Germany I felt we could transcend the huge gap between our so different lives – the gap between rich and poor, the local and the Gringo. If you have the time and the linguistic ability you will manage to make them understand that just the fact of having a nice bike or equipment is not the proof that you´re super rich and come from the land of milk and honey where it´s raining coins and dollar bills instead of water drops. They maybe will be surprised but happy to know that also in Germany people have to work quite a bit and safe their money if they want to travel the world. And you will feel when they start recognising that you also have a heart and feelings and not just a “thick” wallet. There definitely is a chance to approach each other. It takes time but it was always worth it.

Nevertheless it´s not a place for the bike – in my opinion. When I´m cycling I want to get lost in the beauty of untouched nature. I want to be taken away by it´s magical spirit and it´s overwhelming energy and not by a big truck overtaking me way to close! I want to feel a relaxed atmosphere of people who are well balanced inside and not to be stressed up by busting city life and traffic. And unfortunately from Guatemala to Panama – excepting Costa Rica – I haven´t been offered these conditions. But don´t think it was a lost time or a waste of energy! …Janosh can tell you best:

https://www.youtube.com/watch?v=NW8sUHfQkZs

 

Balboa, Panamá (Zelt im Hostal Amador)

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Die Reise nach Panama

Jetzt sitze ich hier im Hostal und sinniere. Ich resümiere. Nordamerika war mehr als ein gelebter Traum. Es war eine Bereicherung nicht an Erfahrungen, die man nicht noch ein Zweites Mal machen möchte, sondern eine, die mir das Herz an Zwei Stellen ausgebeult hat, damit ab sofort die USA – die großartige, die einmalige, die fabelhafte „West Coast“ – und Mexico mit seiner „Baja California“ einen dauerhaften Platz darin haben! Und was ist jetzt mit Zentralamerika? Sie steht´s mit Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama?

Guatemala, der Fifty-Fifty Joker.

Ich habe warmherzige, freundliche liebevolle und liebenswerte Menschen getroffen dort! Aber es gab auch genauso viele Momente, in denen ich mich unwohl, ungewollt, unwillkommen gefühlt habe. Die Einwohner sind sicherlich mit die Ärmsten dieser Welt. Aber manchmal bekommt man auch den Eindruck, sie verweigern sich der Ist-Zeit: Sie tragen fast alle ihre nach Maya-Art bestickte Kleidung. Aber tun sie es voller Stolz, oder tun sie es demonstrativ? Mit einem tollen Fahrrad, einer teuren Sonnenbrille, einem Smartphone und gar schon einer läppischen Landkarte bist du der Inbegriff des Fortschritts und der modernen Welt, die sich die einfachen Naturvölker nach und nach einverleibt wie ein böser Drache. Der „Gringo“! Doch dass auch du für das Fahrrad und das Touch-Screen-Telefon eine ordentliche Zeit lang gearbeitet hast, wissen sie nicht. Dass du dir nach teuer erstandener Grundausstattung die gesponserte Brille, die tagein, tagaus zuverlässig dein Augenlicht vor greller Sonne, Straßenstaub und springenden Kieselsteinen schützt, nicht mehr hättest leisten können, werden sie nie erfahren. Und dass eine Straßenkarte in Papierform auch schon ein Relikt aus alten Zeiten ist, das ich auch nur aus Liebe zur Tradition durch die Gegend fahre, erwähne ich besser gar nicht erst. Unsere Welten sind bereits so weit auseinander, dass man sich nur durch ein längeres Gespräch annähern kann. Doch da hapert´s noch an meinen Sprachkenntnissen. Mit viel Anstrengung meinerseits und Geduld zuhörerseits schaffe ich es dann tatsächlich, einen winzigen Einblick in die westliche Welt zu geben und ernte einen Hauch von Verständnis für unsere Lebensweise. Das sind dann die Highlight-Momente, denn ich spüre eine große, gegenseitige Sympathie. Aber wenn mir die Zeit für diese Annäherung fehlt – und sie tut es meistens – dann spüre ich deutlich die Kluft zwischen „arm und reich“.

Mein persönliches Fazit ist also: Guatemala muss man anders bereisen. Mit dem Fahrrad auf der Durchreise kann man zu wenig Kontakt herstellen mit dem Gastgeber. Hier sollte man Zeit haben, zu verweilen und ins Plaudern zu kommen. Und wer die Geduld hat, wieder und wieder von unserer Lebensweise zu erzählen, wird bestimmt viele dankbare „Aha!s“ und zustimmend nickende Köpfe von seiner Reise mit nach Hause nehmen. Außerdem ist Guatemala für mich das Land der Berge. Mit schwerem Gepäck gut bezwingbar, sofern man auf der Hauptstraße bleibt. …die wiederum nicht gerade eine landschaftliche Augenweide und angesichts des Verkehrs einigermaßen gefährlich, stinkig und laut ist. Wohin gegen die Nebensträßchen mich durch herrliche Berglandschaften geführt haben. Doch zu steil für ein Siebzig-Kg-Reiserad! Guatemala bekommt von mir also die Reiseempfehlung für Backpacking, Hiking & Mountainbiking. Mit dem pinken Drahtesel werde ich mich dort aber nicht mehr blicken lassen!

El Salvador, das Land der Vulkane.

Es war nur eine knappe Woche und für mich persönlich war zudem der Fokus auf mein Wanzenproblem gerichtet. Ich merke jetzt, dass ich dieses Land und seine Leute kaum empfunden habe. Aber an was ich mich noch ganz genau erinnern kann: In Salvador brodelt es! Was für die Salvadorianer längst Alltag ist, war für mich ziemlich aufregend. Sie sehen tatsächlich so kegelförmig aus, wie man sie im Kindergarten auf ein Blatt Papier kritzeln würde. Und sie rauchen und qualmen. Man kann eine ganze Stunde lang eine ends langweilige Gerade entlang strampeln, ohne sich auch nur einen Augenblick lang zu langweilen! Wenn man nur den Blick auf die Kegelspitze richtet. Doch auch hier müsste man mit dem Fahrrad entweder kleinere Nebenstraßen fahren oder die Vulkane das Reiseziel seinlassen, wenn man auf seine Kosten kommen will: Rucksack auf den Rücken und Vulkanwandern!

Honduras, der Unbekannte Verwandte.

Ich nehme an, dass Honduras viele Ähnlichkeiten mit seinen Nachbarländern hat. Aber ich kann mir nach nur Zwei Tagen der Durchreise kein Urteil anmaßen: Ihr werdet bessere Quellen finden!

Nicaragua, der letzte Tiger.

Man nennt sie ja die Tigerstaaten: Diejenigen Länder, die bereits zum Sprung aus der sogenannten „Dritten Welt“ in die ebenfalls so bezeichnete „Erste Welt“ angesetzt haben. Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann möchte Nicaragua auch so ein Tiger sein. …aber es fehlt im noch ein bisschen an Sprungkraft, wie ich finde. Es gibt (fragliche) Ansätze, aber es gibt auch viele Widersprüche dazu. Es gibt viele magere, bucklige, geschundene und geschrundene Menschen mit verzerrtem Gesichtsausdruck. „La Dolce Vita“ führen die hier sicher nicht! Und ihre geknechteten Pferdchen vor den schwerfälligen Karren genauso wenig. Es fehlt, wie in allen vorgenannten Ländern Zentralemerikas, noch gewaltig an Respekt vor dem Tier und auch dem Radfahrer. Und an Umweltbewusstsein: Die Seen von Managua und Nicaragua sind für mich pure Kloaken, in denen ich nicht mal mein Fahrrad waschen möchte. Von einem Badenachmittag ganz zu schweigen. Doch es wäre interessant, ein bisschen das Hinterland zu erkunden, weg von der Straße zu gehen und das Gelände unsicher machen. Ich vermute, dass man dort, wo es eigentlich kein Straßennetz mehr gibt auf herrliche Steppenlandschaften treffen würde. Vielleicht sogar mit dem Reiserad denkbar, aber möglicherweise auch riskant, weil man sich dort im Abseits nicht mit Wasser und Essen versorgen kann. Lassen wir das mal offen. Auf dem Pfad der Zivilisation jedenfalls ist das Fahrrad nicht unbedingt das beste Fortbewegungsmittel: Es ist heiß, laut, voller Abgase und eben auch gefährlich, wenn man dort auf der Hauptstraße bleibt. Keine Radreiseempfehlung von meiner Seite!

Costa Rica, das wahre Panama.

Dieses Land bekommt meine beiden Daumen nach oben und ein breites Grinsen dazu: Ach, wie schön ist Costa Rica! Die Landschaft ist wie im Bilderbuch, es ist sauber, es ist heiß aber es gibt kühle Zufluchtsorte, es gibt schattige Landstraßen, es gibt herrliche Strände, klare Süßwasserbäche, Wasserfälle, Obst und Pumpernickel. Und die Leute haben immer ein freundliches Lächeln für dich! Hier hat´s mir gefallen und hier würde ich euch auch mit dem Fahrrad herschicken. Gerade mit dem Fahrrad! Denn dann kann man jeden einzelnen Strand abklappern, ohne je einen Parkplatz suchen zu müssen oder Angst zu haben, dass einem das Mietauto oben am Straßenrand gestohlen wird, während man sich im Pazifikwasser verträumt. Man hat das Fahrrad an eine Palme gesperrt und behält es im Auge, während man am menschenleeren Strand plantscht, barfuß entlangschlendert und Muscheln sammelt. Und dann zeltet man in erster Reihe zum Sonnenuntergang. Costa Rica ist ein absoluter Radreise-Favorit: Ausprobieren!

Panama, die Autobahn.

Viel mehr ist dieses Land leider nicht. Denn es bieten sich nicht mal für Denjenigen, der hier nicht nur durchreisen will, viele Gelegenheiten, die Hauptverbindungsachse zwischen West und Ost zu verlassen. Es gibt nur diese Straße. Und wenn sie einmal nicht mehr im Bau sein wird, wird sie laut und vielbefahren sein. Das will man nicht, wenn man radelt. Panama hätte ich gut und gerne überspringen können. Ich glaube, Janosch hat sich damals ein bisschen vertan, als von Panama geschwärmt hat. Vermutlich war er mit Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer in Costa Rica unterwegs, als er sich den Titel für sein Kinderbuch einfallen hat lassen…

Zentralamerika war alles in allem nicht annähernd die Fortsetzung des Nordens. Aber denkt nur nicht, dass es umsonst gewesen ist…

https://www.youtube.com/watch?v=-WBlwNV8rlM

 

Balboa, Panamá (Zelt im Hostal)

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309_Las Americas

Was für ein Abschluß für Mittelamerika, was für ein Abschluß für den ganzen nordamerikanischen Kontinent!

Es war ein Tag voller Highlights. Doch was auf dem Papier so gut klingt, war in der Realität leider alles andere als gute Unterhaltung. Allem voran war da wieder Wind. Seit nun mehr Drei Tagen kämpfe ich gegen diese Naturkraft und so langsam geht es mir an die Substanz! Ich muss mich bewusst auf schöne Gedanken bringen, um hier nicht die Geduld zu verlieren. Umdrehung für Umdrehung erarbeite ich mir stoisch die letzten Achtzig Kilometer bis zur Hauptstadt: Panama City. Und als ob es auch streckentechnisch ein Überblick über alle Gegebenheiten sein soll, die man auf einer Radreise vorfinden kann, geht es noch einmal über ein paar Hügel. Und das bei Bedingung Nummer Drei: Hitze. Ich habe heute wirklich Mühe, mir die gerade mal mittelhohen Peaks zu erarbeiten. Meine Kraft lässt nach, meine Oberschenkel lahmen, mein Kopf glüht und meine Lippen sind von der Sonne so verbrannt worden, dass sie mir aufgeplatzt sind und giftig schmerzen. Es sind schon wieder Zweieinhalb Wochen, die ich seit meinem Aufbruch aus Managua unterwegs bin. Zweieinhalb Wochen ohne Pausetag. Es ist sozusagen die Zielgerade. Und wie im Sport üblich muss ich nochmal alle meine Reserven mobilisieren, um den Endspurt bis zum Kanal zu schaffen.

Der vermutlich schwierigste Faktor heute war meine Stimmung. Der Morgen hat traumhaft gut begonnen dort mit den anderen Truckern. Es herrschte eine friedliche Frühstücksstimmung und ein kleines Hundchen huschte quirlig von einem Brotspender zum nächsten. Doch kaum auf der Straße, wurde aus der Morgenstimmung eine „Mordenstimmung“: Ich hätte sie alle an ihren Schöpfen packen und minutenlang schütteln können, die LKW- und Busfahrer, die so bedrohlich knapp an mir vorbeigezogen sind – allesamt heute! Und wie gestern den Typen am Steuer eines Kleinbusses hätte ich sie alle angeschrien und verflucht. Selten hatte ich Angst auf der Straße. Aber Panama reiht sich verkehrstechnisch leider in der Schublade von Indien ein: Respektlos, unwissend, lebensgefährlich schlicht und einfach! Gestern im Feierabendverkehr wurde ich bei starkem Seitenwind – und ihr wisst ja mittlerweile, dass dieser die Windschattenwirkung und Fahrtwindströmung von großen Fahrzeugen nochmal verdoppelt bis verdreifacht – von einem großen Doppeldeckerbus in voller Fahrt überholt. Und als mich dessen Druckwelle nach rechts gedrückt hatte, tauchte in meinem Augenwinkel besagter Kleinbus auf: Er war rechts neben mir in die Haltebucht der Haltestelle eingefahren. Und ich befand mich für zwei gnadenlose Schrecksekunden in dem Drei Meter breiten Luftraum zwischen zwei Bussen. Das pure Glück hat mich diese Szene unfallfrei überstehen lassen. Aber danach konnte ich es mir nicht verkneifen, beim Fahrer des Kleinbusses an die Scheibe zu klopfen, um ihm all mein eben freigesetztes Adrenalin ins Gesicht zu brüllen. …hätte er die Scheibe aufgemacht. Was er sich vermutlich nicht getraut hat, weil ich sie ihm beim „Anklopfen“ schon fast eingeschlagen habe… Und heute setzten sich solche Erfahrungen fort: Normalerweise hatte ich einen breiten Seitenstreifen zum fahren. Den ich bei dem bockigen Wind auch in seiner ganzen Breite ausnutzte. Doch bei jeder kleinen Brücke gab es für Fünfzig bis Einhundert Meter keinen Seitenstreifen. Ich musste auf die Fahrbahn wechseln. Diesen Spurwechsel kann ich dank meines Rückspiegels einigermaßen gut timen und in eine längere Lücke zwischen zwei Fahrzeugen legen. Doch glaubt ihr, dass einer hinter mir die Fahrt verlangsamen würde, wenn ich einmal auf der Brücke bin? Ja nicht im Traum daran zu denken! Und wieder ist es passiert, dass ein Kleinbus mich fast von der Straße gefegt hätte. Das folgende Fahrzeug hat daraufhin gleich nach der Brücke angehalten und mich gefragt, ob der Fahrer vor ihm mich eben geschrammt hat. Ich bin mit diesen Eindrücken also nicht ein hysterisches Weib, das müde und lahm vom vielen Reisen ist. Es ist wohl auch von Extern sichtbar, wie respektlos nah mir die schweren Maschinen kommen!

Dann setzte Regen ein. Und ich beschloss, mich über Zwei Fahrspuren und eine Abbiegespur bis zur Fahrbahnmitte zu kämpfen, um von dort aus nochmal Drei Spuren fließenden Verkehrs zu queren, weil mich ein McDonalds mit klimatisiertem Gastraum und freiem Internet seine „Einladung“ zum Mittagessen ausgesprochen hatte. So tief war ich schon gesunken, dass ein gelbes „M“ mich „M“agisch anzieht! Ich war enttäuscht: Das war also der bitterböse letzte Eindruck von Zentralamerika. Bei dem ich ohnehin schon so manche Schwierigkeiten hatte, meine gute Laune zu behalten, denke ich nur an den immer noch zweifelhaft benützten Begriff der „Gringa“. Aber jetzt musste ich den Sack zumachen. Es war an Panama, nochmal Aufwind unter meine Flügel zu pusten. Aber es hatte sich für Gegenwind entschieden. Und so verließ ich den Burgerladen eben mit hängenden Federn. Um mich noch in die letzte Tageshälfte zu quälen.

Doch hier kam der Wechsel! Ich stand missmutig am Rand der Sechs Spuren, die ich jetzt wieder rückwärts überqueren musste, um die Fahrt fortsetzen zu können. Ich hatte mich bereits auf längere Wartezeit eingestellt und stierte ziellos in die Luft, als ich plötzlich von ein paar kleinen Hupern aus meiner Trance gerissen wurde: Zwei Taxis hatten nebeneinander die Straße blockiert, um mich rüberzulassen. Ja ist denn das zu fassen? Das war so unerwartet zuvorkommend, aufmerksam und Gentlemen-like, dass ich fast im Hopserlauf die Straßenmitte erreicht habe! Und drüben rollte gerade noch ein gelbes Taxi heran, das mir mit Lichthupe die Fortsetzung meines Manövers signalisierte. War das ein kleines Wunder? Wir reden hier immerhin von einer Autobahn, die hier in Zweihundert Metern ihren offiziellen Anfangspunkt haben würde, aber natürlich an meiner Stelle schon Beschleunigungsspur war!

Das hat mir wieder Mut gemacht. Ich gönnte mir dazu ein bisschen Musik, denn ab jetzt würde ich noch mehr Platz für meine Fahrt haben. Und mit noch Zwei weiteren Stops beim freien WLan habe ich es tatsächlich geschafft. Ich würge mich den letzten kleinen Hügel vor meiner Abfahrt von der Speedstrecke hinauf, als sich mir oben plötzlich der Blick auf tut: Die Wolkenkratzer von Panama City. Oder besser gesagt ihre obersten Stockwerke. Und nur für einen Augenblick, bevor es nochmal durch üppiges Grün geht. Doch dieser eine Blick hatte schon gereicht, um mich wie durch einen imaginären Magneten Richtung Ziel zu ziehen: Ich will sie sehen, ich will sie jetzt unbedingt sehen! Die bedeutungsvolle Brücke. Die „Ponte de las Americas“. Die Konstruktion, die die beiden Amerikas miteinander verbindet: Nordamerika mit Südamerika. Und es wird mir jetzt erst bewusst, was es für mich heißt, diese Brücke, die über den Panamakanal führt, zu überfahren: Oben, auf ihrem Hochpunkt, werde ich das letzte Kapitel meiner großen Reise aufschlagen. Ohne Zeremonie, ohne jegliche Sentimentalität, denn ich werde mit vollster Konzentration alle Schwierigkeiten einer großen, hohen Bogenbrücke unter Kontrolle halten müssen: Bergauffahrt, Seitenwind, hektischer Abendverkehr, tiefstehende, blendende Sonne, kein Millimeter Standstreifen, Längsfräsung. Nach meinen Erfahrungen heute Vormittag war mir – und ich sage es ohne Scham – himmelangst vor diesem Manöver. Doch wieder – als hätten ein paar unsichtbare Verkehrsengel ihre Finger im Spiel – wurde ich überrascht: Fast alle Fahrzeuge hielten einen sicheren Abstand, verlangsamten hinter mir oder hielten mir gar den Rücken frei. Und so bin ich heil und heiter angekommen im Endspurt von Holario.

Was für ein Abschluß für Mittelamerika, was für ein Abschluß für den ganzen nordamerikanischen Kontinent!

Balboa, Panamá (Zelt im Hostal)

Tages-Km: 78,78km / -Zeit: 5:43h / -Höhenmeter: 904m

Gesamt-Km: 19.374km / -Zeit: 1.316h / -Höhenmeter: 174.436m

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308_Mango No. 5

Ladies and Gentlemen,

this is Mango number… Acht, um ehrlich zu sein. Was für ein Traum von einem Baum, der sich mir heute an den Wegrand gestellt hat! Mächtig, wie eine Achtzigjährige Eiche und über und über voll mit reifen und heranreifenden Mangos. Wie bei Frau Holle haben sie mir zugerufen: Hol´ uns hier runter, klaub´ uns auf! Wir Mangos sind allesamt reif – hol´ uns hier runter, klaub´ uns auf! Und weil ich ein echtes Goldkind bin, habe ich brav und anständig Folge geleistet und mir das natürlich nicht zweimal sagen lassen müssen!

Ich denke nur, dass vielleicht meine Augen doch etwas größer als mein Hunger gewesen sein könnten… mein Hunger für die nächsten Drei Tage. Eine ganze Tüte hab ich mit! Und somit steht der Speiseplan bis zum Wochenende: Morgens Mango, mittags Mango, abends Mango. Das ist insofern wie im Schlaraffenland für mich, weil ich Mangos über alles liebe. Nur es endet leider immer in einer Sauerei: Klebrige Finger, Handteller und Mundwinkel. Und auch das Messer pappt von der Spitze bis zum Griff. Sie sind nämlich nicht – wie man das in Deutschland gewöhnt ist – bombenhart und schmecken wie Kartoffeln. Nein, hier sind sie weich und saftig. Vor allem diejenigen Früchte, die von sich aus beschlossen haben, den Stamm zu verlassen, sind um den Kern eigentlich schon von löffelbarer Konsistenz. Das könnte vielleicht vom Aufprall auf der Erde kommen. Weiß nicht. Jedenfalls schmeckt eine Mango dann nach einem Tag in der Plastiktüte mit direkter Sonnenbestrahlung eher wie ein angewärmtes Chutney. Und jeden Tag, den ich jetzt verstreichen lasse, laufe ich Gefahr, dass sie beginnen zu gähren. Also keine Zeit verlieren: Obst ist angesagt!

Mangos sind übrigens wie Jungs: Sie kriegen Haare, wenn sie reif werden. …auf dem Körperzentrum. Wenn man das nicht so gern hat, dann muss man die gepflückten im Supermarkt kaufen. Ich geb zu, das ist die Königsklasse! Aber ich denk mir halt auch: Einem geschenkten Gaul und so weiter. Also nimmt der Verzehr einer Mango eine gewisse Zeit in Anspruch. Wie eine Katze, die sorgfältig ihren Pelz putzt, zuzle und sauge ich aus dem haarigen Kern die süße Fruchtmasse heraus. Das muss man mit Liebe und Genuss tun, denn sonst hat man am Ende mehr Haare auf und zwischen den Zähnen als Alice Schwarzer. Also Zeit nehmen! So werden Vier Mangos am Stück schon fast zu einer Art Meditation. Man zuzelt und sinniert und verliert sich in Gedanken. Wie zum Beispiel der Frage, was wohl morgen passieren wird.

Morgen komme ich – wenn alles nach Plan läuft – bis Balboa, der Hafenstadt am Südende des Panamakanals und einer Art Vorstadt von Panama City. Und ich habe einen Funken Hoffnung, dass vom Hafen dort doch Passagierschiffe nach Kolumbien oder Ecuador auslaufen. Eigentlich habe ich mich damit abgefunden, dass ich fliegen muss. Das ätzt mich ziemlich an, denn der Flug wird wohl gerade mal eine knappe Stunde dauern. Und dafür muss ich einen Tag lang um eine Fahrradverpackung rennen, alles auseinanderschrauben, mühselig zum und durch den Flughafen zerren, …um nach einer Stunde alles wieder auszupacken und zusammenzufügen. Doch ein paar Leute haben mir jetzt schon gesagt, dass es eine Möglichkeit mit dem Schiff gibt. Und heute, als ich mich nach den Vier Mittagsmangos mit prallvollem Ränzlein in ein schattiges Bushäuschen gelegt habe, um den einsetzenden Verdauungsprozess ungestört voranschreiten zu lassen, hatte ich fast so etwas wie eine Erscheinung! Ich liege da also schon gute Zwanzig Minuten und werde immer fauler und träger. Da beschließt mein dämmerschläfriges Unterbewusstsein, mich jetzt von der etwas unangenehmen Rückenlage auf die Seite zu drehen, damit ich daraus einen richtigen Schlaf machen kann und dazu bequemer liege. Und just in diesem einen Moment, in dem ich kurz meine Augen öffne, sehe ich am anderen Straßenrand einen jungen Panamesen in blenden weißer Uniform, Dunkelblauen Schulterpolstern (verzeiht mir bitte… ich werde mir nie merken können, wie die Dinger in Wirklichkeit genannt werden!) und Matrosenmütze. Das war so dermaßen absurd, denn um mich herum war alles heiß, trocken, staubig und dreckig. Keiner hätte da an Wasser gedacht. Geschweige denn an ein Schiff! Da wirkte dieser weiße Zwerg wie ein strahlender Engel, der entweder direkt vom Himmel gefallen oder in den falschen Bus eingestiegen war. Jedenfalls bin ich sofort auf und ihm nach. Wollte wissen, ob das stimmt mit den Passagierschiffen. Da meinte er: Ja, ja, das stimmt. Und ich solle am besten direkt beim Hafen in Balboa nachfragen.

Das werde ich, das werde ich! Und so kann ich es wirklich kaum erwarten, morgen den Tag hinter mich zu bringen. …ob das heute vielleicht ein Zeichen war?

 

Coronado, Panamá (Zelt)

Tages-Km: 88,50km / -Zeit: 5:46h / -Höhenmeter: 766m

Gesamt-Km: 19.295km / -Zeit: 1.311h / -Höhenmeter: 173.532m

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307_Truckstop

Gestern Abend ist es noch richtig knapp geworden. Nach Zwei Tagen Baustellenisolation kam ich zum ersten Mal wieder in eine größere Stadt. Aber da war es schon Fünf am Nachmittag. Ich musste noch Essen besorgen und hatte mich für den Supermarkt entschieden. Doch diese Gänge nehmen immer eine gewisse Zeit in Anspruch. Bis das Rad geparkt und abgeschlossen ist, vergehen schon ein paar Minuten. Dann drin im Laden, wieder raus, gleich mal was essen, wieder aufsatteln: Eine Stunde ist wie nichts! Doch ich hatte mich ein bisschen verkalkuliert. Dachte, es würde wieder so abrupt aufhören mit den Häusern, wie es bei der Einfahrt nach Santiago angefangen hatte. Doch dem war nicht so! Eigentlich hörte es nie so recht auf. Bis heute nicht! Der Streckenabschnitt davor war wohl einzigartig verlassen. Und jetzt bin ich zurück in den üblichen Siedlungsstrukturen und -gewohnheiten. Jedenfalls hatte ich Schwierigkeiten, einen Zeltplatz zu finden. Am Ende war es bereits dunkel und in der gebotenen Eile hatte ich bei einem Haus gefragt, ob ich nebenan im Garten bleiben durfte. Der Platz war toll! Aber ich hatte vergessen, die Hunde der Hausherrin mit ins Kalkül zu ziehen bei der Platzwahl: Diese nicht gerade mit Intelligenz gesegneten Köter haben wirklich durchgehend Alarm geschlagen. Normalerweise kapieren die doch irgendwann, dass da jetzt jemand bleibt. Aber nicht die! Bei jedem Mal umdrehen ging´s wieder los. Vorausgesetzt es hatte zuvor aufgehört, das Gebell und Gejaule!

Jedenfalls mit früh starten war dann wieder nichts los. Hatte ja kaum geschlafen! Und außerdem musste ich wieder eine Jagdstunde einlegen: Über und über voller Bisse. Diesmal auch am Rücken, Arme, Nacken, … Doch die Tiere, die ich auf der Matratze finde, sehen jetzt anders aus. Sie sind noch winziger, nicht mehr schwarze „Stiftchen“, die krabbeln, sondern rote Pünktchen, die sich nicht vom Fleck bewegen. Ist das etwa ein Vorstadium? Oder reden wir von einem ganz anderen Befall. Etwa Flöhe? …aber die würden doch springen. Und sich nicht zerdrücken lassen. Hingegen das geht ganz leicht. „Quetsch“, bleibt ein kleiner, roter Fleck auf dem Laken. Ich nehme an, das ist mein eigener Lebenssaft. Naja, jedenfalls befinde ich mich wieder im alten Rhythmus, der den sportlichen Teil des Tages erst gegen Acht, halb Neun einleitet. Dann ist es schon munter heiß hier. Aber heute hatte ich – wie von Papa seinerzeit in Mexiko vorhergesagt – eine effektive Dauerkühlung: Wind. Von Vorne. Und effektiv auch nur, was die Temperaturregulierung angeht. Die Kilometerleistung hat leider etwas darunter gelitten.

Ich auch! Und damit ich heute wenigstens besser schlafe, probiere ich mal was ganz Neues aus: Ich schlafe mit Zwanzig Truckern! Also ich meine dort, wo gut und gerne noch Zwanzig Trucker schlafen. In einem Truckstop. Ein Paradies für Weltenbummler: Ich konnte duschen, ich konnte essen im Restaurant, ich konnte Blog schreiben an einem Tisch und währenddessen meine Geräte an eine Steckdose anschließen, das Fahrrad ständig neben mir, weil sich das alles in einem geschützten, halboffenen Hinterhof abspielt. Die Herren sehen fern während ich hier tippe. Sie hängen in Hängematten und dicken Polstersesseln und sind ganz gebannt von der Glotze. Und ich werde jetzt dann mal ins Zelt schleichen und hoffentlich einen selig ruhigen Schlaf finden. Nachti!

 

Rio Grande, Panamá (Zelt)

Tages-Km: 68,81km / -Zeit: 4:53h / -Höhenmeter: 264m

Gesamt-Km: 19.207km / -Zeit: 1.305h / -Höhenmeter: 172.765m

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306_Huch, ein Loch!

Es geht weiter mit Bilderbuchszenen. Doch heute erst wird mir bewusst, warum diese gigantische Aktivität doch irgendwie berechtigt ist hier im Land des famosen Kanals. Während ich mir gestern noch mit Bedenken die Stirn gerunzelt habe, ob solche eine breite Verkehrstrasse wirklich notwendig ist, erklärt sich mir heute der Grund: Ich sehe, wie die Straße vorher ausgesehen hat! Und ich spüre es bis in den Gesäßknochen. Da wird mir klar, dass das natürlich nicht mehr gehen konnte. Panama City hat einen großen Hafen, an dem sicher eine ganz ordentliche Menge an Waren aus Südamerika einschippert, die dann auf dem Landweg in Zentralamerika verteilt werden soll. Oder gar weiter nach Mexiko und Nordamerika verfrachtet werden will. Und dazu muss natürlich alles erst mal über die Autobahn in Panama.

…die zuvor aus Betonplatten gebaut war: Dong.         Dong.         Dong.         Dong.         Dong.         Dong.         Dong… Ihr kennt es ja bestimmt: An jeder Fuge ruckelt das Fahrzeug. Und noch ein bisschen mehr, wenn jede Platte – und ich rede tatsächlich von jeder! – sich im Laufe der Zeit ein bisschen abgesenkt hat. Es ist wie eine kleine Treppe. Ob das ein Phänomen einer über Jahre belasteten und befahrenen Betonplattenstraße ist, dass sich solche kleinen Absätze bilden? Dann wäre es ein Phänomen, das sich zu dem der Schlaglöcher gesellt. Mann, diesmal wäre es fast ungesund ausgegangen! Es geht ja zu meinem „Glück“ auch noch bergauf die meiste Zeit. Doch das anschließende Bergab ist alles andere als eine Freude! Bei diesen Konditionen muss ich wirklich aufpassen, keinen Absatz oder kein Loch zu übersehen. Die Straße flimmert, da sieht man manchmal nicht ganz klar, was in der Ferne für Gefahren im Asphalt lauern. Und zudem zeichnen diese kleinen Stufen ihren Schlagschatten auf der mir abgewandten Seite der Platte beziehungsweise der dahinterliegenden, abgesenkten Platte ab. Für mich sieht die Betondecke von der Weite also astrein und gleichmäßig grau aus. Bis ich nahe genug an die Fugen oder eine Kante heranfahre: Dann erst erkenne ich die Stufe!

Doch bis ich das kapiert habe, wäre es fast zu spät gewesen. Ich habe mir gedacht, ich lass mal wieder ein bisschen schneller laufen, damit ich für den Buckel drüben ein bisschen Anlauf nehme. Wenn ja die Oberfläche mal wieder schön glatt zu sein schein. Bis auf das Dong.         Dong.         Dong.         Doch da tat sich plötzlich eine Schwelle auf! Ich glaube Dreißig Zentimeter Tiefe reichen nicht mehr aus! Eine Platte war total gebrochen und in der Ecke schon gar nicht mehr vorhanden. Ich habe in meinem Schock alle Bremsen in den Anschlag gezogen. Der Reifen hinten hat in vorbildlicher Manier einer Vollbremsung laut gequietscht bevor er mir ausgebrochen ist. Bremsspur, alles dabei! Doch ich hab´s nicht mehr geschafft zu Stillstand. Und ausweichen konnte ich auch nicht – war noch zu schnell und schon zu nah. Und so bin ich mit voller Wucht und Augen zu in dieses Stück tote Straße geknallt. Ein Glück nur, dass ich generell ein Berg-runter-Schisserchen bin. Ich fahre seit meinen vielen Instant-Platten (Puff: Luft weg!) eigentlich nie mehr schneller als Dreißig, vielleicht mal knapp Vierzig km/h. Und so habe ich die Fahrt offensichtlich ausreichend verlangsamen können, sodass mir nicht alle meine Speichen um die Ohren geflogen sind.

Das hat sich natürlich nicht ohne Zeugen in leuchtendem Orange-Gelb abgespielt! Gerade in diesem Moment hatte mir noch ein junger Typ von der Baustelle ein „HOLA“ zugeschmettert. Wenn ich in da zu ihm rübergeschaut hätte… Aber nicht schwarz malen, ist ja gut gegangen! Die Jungs sind ja schon dran an der neuen Bahn. Und die wird der Hammer! Ich habe noch selten solche sanften Übergänge gespürt. Das heißt: Ich sollte eigentlich sagen, dass ich noch selten die Übergänge überhaupt nicht gespürt habe – die Übergänge zwischen den einzelnen Asphaltierabschnitten. Sie haben noch ein bisschen was vor hier in Panama. Doch dann wird´s blitzsauber! Und ich habe das unfassbare Glück, seit Zwei Tagen auf fertigen bis fast fertigen Autobahnabschnitten zu fahren, auf denen sonst noch keiner darf. Daran könnte ich mich fast gewöhnen! Kein gefährlicher Verkehr und kein Kieselchen, dem ich ausweichen muss. Oder das mir von dicken Brummireifen zugespickt wird. Richtig schön ist die Kulisse natürlich nicht. Aber über den Fahrkomfort darf ich mich gestern und heute zumeist nicht beklagen.

Aber über die Berge. Darüber darf ich! Die blöden, öden, alten Berge. Ich dachte Panama wäre flach!

 

Santa Rosa, Panamá (Zelt)

Tages-Km: 85,09km / -Zeit: 5:50h / -Höhenmeter: 773m

Gesamt-Km: 19.138km / -Zeit: 1.300h / -Höhenmeter: 172.500m

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305_Tagesbaustelle

Panama ist für mich nichts als Autobahn. Seit ich die Grenze überquert habe befinde ich mich auf der „Direttissima“ Richtung Panamá City. Und diese bekommt gerade ein neues Outfit! Den lieben, langen Tag habe ich heute Bauhelme gegrüßt. Und Warnwesten. Und Lastwagenfahrer, Raupenfahrer, Baggerfahrer. Kies-Schaufler, Asphaltierer und Betonierer. In Panama herrscht Vollbeschäftigung, wenn ihr mich fragt. Denn so viele Straßenarbeiter habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen wie heute an einem Tag! Wenn ich doch nur ein Foto aus der Vogelperspektive schießen könnte! Dann würde dieses aussehen wie eine Zeichnung aus einem dieser Bilderbücher, in denen Kleinkinder auf einer einzigen Doppelseite einen ganzen Themenbereich bildlich erschließen können. Sie sollen alle Begriffe lernen, die zu diesem Überpunkt gehören. Aus diesem Grund wimmelt es auf diesen Bildern immer nur so von Equipment und typischen Gegenständen. Die beiden Klassiker: Bauernhof und Baustelle. Und so haben wir heute ausnahmslos alle Begriffe und Baumaschinen gelernt, die zu einer Panamesischen Straßenbaustelle gehören!

Und außerdem, dass die Leute in Panama – und im Speziellen die Bauarbeiter und LKW-Fahrer – ausnahmslos freundliche und fröhliche Leute sind! Sie haben immer zurückgegrüßt, gewinkt, gehupt und gejohlt, wenn sie mich überholt haben. Und mir mit „mucho gusto“ meine Wasserflaschen an ihren eisgekühlten Kanistern auffüllen lassen. Richtige Gentlemen, ja, ja! Es war zwar staubig, heiß und laut, aber ein schöner Tag irgendwie. Ich habe mich nie allein gefühlt auf der Straße. Immer wieder mal wurde an einer Stelle gebuddelt, geteert oder gewalzt. Und zu Gucken gab´s da auch immer was. Natürlich nur auf die Maschinen! Denn die lieben Herren schützen ihre zarten Gesichter mit Tüchern und dunkler Sonnenbrille. Und den Rest des Mannes mit langen Ärmeln und Hosenbeinen. Für Oberkörperfrei ist es hier viel zu heiß! Aber einen Pluspunkt muss ja mein unvergessenes Deutschland auch mal wieder bekommen…

 

…“on the road“, Panamá (Zelt)

Tages-Km: 79,63km / -Zeit: 6:05h / -Höhenmeter: 1.082m

Gesamt-Km: 19.053km / -Zeit: 1.294h / -Höhenmeter: 171.727m

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304_Suche Regendach

Es kommt nicht von Ungefähr, dass man den Dschungel oder Urwald auch Regenwald nennt. Jedenfalls hat mich auch gestern Abend nach erfolgreicher Ankunft in Panama gleich noch ein zweiter, schauerlicher Schauer eingeholt. Ich bin so gegen halb Vier am späten Nachmittag von der Grenze losgefahren. Und meinen Strahlenschutz-Bolero hätte ich mir da eigentlich schon sparen können: Dick grau war der Himmel. Doch ich habe dieser Wolkendecke nicht weiter eine große Bedeutung beigemessen. Ich habe sie einfach nur genossen, weil sie mir die aggressive Sonne vom Leibe hielt. Und so bin ich stur zu meinem neu gesetzten Tagesziel voran gestrampelt, was nichts weiter als das nächste Dorf war. Denn hier auf der Autobahn wäre es wirklich schwierig geworden, einen Zeltplatz zu finden!

Dann wurde es langsam dämmrig und mir kam in den Sinn, dass diese Regenwolken möglicherweise Regen bringen könnten… sehr bald sogar schon! Aber manchmal ist es ganz seltsam: Da flitzen die Elektronen in meinem Gehirn nicht ganz bis zum nächsten Nerv, der auf eine eben gewonnene Erkenntnis hin eine Reaktion starten könnte: Ich habe auf der anderen Straßenseite ein niedliches, kleines Kiosk-Café gesehen und hätte dort hervorragend im Garten zelten können. Doch irgendwie war ich zu faul, zu lethargisch, zu was weiß ich denn alles, um anzuhalten und dort zu fragen. Ich trippelte und trippelte weiter und dann war ich irgendwann zu weit dran vorbei, als dass ich nochmal hätte umkehren wollen. Da hab ich mich schon ein bisschen über mich selbst geärgert, warum ich diesen Platz nicht klargemacht habe!

Doch manchmal gibt es neben dem Gehirn eben noch eine weitere Leit-Instanz. Und so kam keine Fünf Minuten später ein noch viel perfekteres Grundstück: Alles offen, kein verriegeltes Tor, kein Zaun, eine Einladung zum Eintreten! Und darauf stand ein kleines Häuschen im Rohbau-Zustand. Ohne Fenster, ohne Türen. Mit einem schönen Garagendach vor der künftigen Haustür. Da frage ich, ob ich bleiben kann! Doch zum Fragen war keiner da. Kein Hausherr und auch kein Nachbar. Jetzt war ich etwas zögerlich: Könnte ich denn da einfach so ohne vorherige Erlaubnis meine Hütte unter das Dach hauen? Dann kamen noch andere Zweifel dazu: Wenn ich das unter dem Vordach mache, dann sehen sie mich womöglich von der Straße aus. Drinnen würde mich keine Menschenseele je sehen… geschweige denn vermuten. Aber das kann ich nicht bringen. Das ist ja Hausfriedensbruch!

Wobei andererseits: Ich breche ja nicht ein. Steht doch alles offen! Und ich benütze auch nichts: Kein Wasser, keinen Strom. Ich bleibe einfach nur einen Nacht lang und mache mir die schützenden Mauern zu Nutze. Fast könnte man sagen, ich passe auf, dass hier keiner einbricht! Also was soll´s jetzt: Ich schiebe mein Fahrrad ins Hinterzimmer und fange an, meine Zeltstangen auseinander zu falten. Da kommt wer! …nein, das war ein Apfel, der volles Karacho vom Baum in den dürren Blätterhaufen gesaust ist. Also weiter. Aber ich höre doch noch was anderes! Mensch, wenn ich doch jemanden fragen könnte, ob ich hier bleiben darf, da wär mir schon deutlich wohler. Das gehört sich ja eigentlich nicht… Ich schaue nochmal zu den Nachbarn. Aber nichts. Alles ist wie ausgestorben! Nur dieses Geräusch! Ich brauche noch ein paar Tropfen, bis ich endlich kapiert habe, dass ich hier keine Kieselsteine, sondern Wasser höre. Und da prasselt es auch schon los. Es ist unbeschreiblich welche Menge Wasser gestern Abend vom Himmel gefallen ist! Was für ein Glück, dass ich jetzt nicht im Garten des Kiosks lag! Ab diesem Moment hatte ich kein so schlechtes Gewissen mehr. Bei diesem Wolkenbruch hätte ich sicherlich dem Eigentümer gut erklären können, warum ich hier drin und nicht draußen im Vorgarten zelte…

Dieser kam dann um Sechs in der Früh. „Hooooh!“, hörte ich ihn rufen. Dann bin ich schnell raus aus dem Zelt, um ihm alles zu erklären. Doch er hatte schon verstanden und mir – bevor ich überhaupt ansetzen konnte signalisiert, dass das schon in Ordnung sei. „Está bien!“ Und er hat mir sogar gezeigt, wo ich Wasser finden könnte. Das ist doch eine coole Reaktion, oder findet ihr nicht? Ich habe mich noch ein paar Mal bei ihm bedankt und bin dann wieder raus in die Sonne. Und heute Abend nach der langen und buchstäblichen Durststrecke auf der Autobahn ohne Zivilisationspunkte wird mir erst so richtig bewusst, in welcher Absurdität ich mich hier gerade befinde: Ich schaue zum Himmel, sehe wieder graue Wolken und beschließe deshalb, den Tankwart zu fragen, ob ich drüben unter dem Kioskdach mein Zelt aufschlagen dürfte. Für den Fall, dass es wieder so heftig regnen würde wie gestern Abend und in der vergangenen Nacht. Da nickt er freundlich. Und gleichzeitig gibt es weder im Tankstellen-Klo, noch am Waschbecken auf der Kioskterrasse noch in der Wirtschaft vorher Wasser: Dürre in Panama! Ein Mädchen erzählt mir, dass das in der Sommerzeit völlig normal sei. Da bräuchten sie eben endlich den Regen. Der typischerweise im Mai die Wintermonate einläutet. Jetzt liege ich also regensicher unter dem Terrassendach des kleinen Bistros und kann mir aufgrund von Wassermangel nicht die Hände waschen. Geschweige denn auf die Toilette der Tankstelle nebenan gehen – Spülung funktioniert nämlich auch mit Wasser…

Echt Ka…e!

 

 

San Lorenzo, Panamá (Zelt)

Tages-Km: 80,35km / -Zeit: 4:49h / -Höhenmeter: 529m

Gesamt-Km: 18.973km / -Zeit: 1.288h / -Höhenmeter: 170.645m

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