Kategorie-Archiv: Ungarn

22_Passport, please!

Tja, das war´s schon mit Ungarn. Jetzt, wo ich mir gerade merken konnte, wie die Währung dort heißt und langsam begonnen habe, damit auch rechnen zu können, steht da schon wieder ein Grenzhäuschen in der Spur!

Aber vielleicht noch ein kurzes Resumée: Ungarn hat sich abwechslungsreich gezeigt. Manchmal sonnig und gemütlich, manchmal etwas rauher, grau und frostig, manchmal direkt sauwettrig. Die Straßen und Gebäude: Auffällig baufällig! Und die Leute? Durchwegs freundlich, aber manchmal hatte ich schlicht den Eindruck, sie fehlen im Bild! Als ich so durch die Dörfchen und Städtchen gefahren bin, gab es überhaupt nur eine einzige Stadt, die diese nach meiner Vorstellung typisch ungarische Atmosphäre hatte: Sopron. Hier war was los! Der ganze Rest war geradezu ausgestorben, heruntergekommen, verfallen und veraltet. Man könnte glatt den Eindruck bekommen, in diesen grenznahen Gebieten ist die junge Generation längst ins westliche Nachbarland geflüchtet…

Nur eine Frage brennt mir jetzt doch noch auf der Seele, meine lieben Ungarn: Wie um alles in der Welt soll ein Radreisender auf legalem Weg euer Land passieren? Das ist nämlich so: Man fährt aus der Stadt hinaus, der Radweg endet, man fährt auf der Straße, dann steht da plötzlich so ein Schild… Keine Traktoren, keine Pferdewagen und…keine unbemannten Fahrräder? Ach so…also hab ich wieder mal ein Glück, dass mein Rad nicht unbemannt ist! Aber wenn man sich mal nicht mehr auf diese zugegeben etwas wacklige Interpretation herausreden kann, was dann? Weit und breit keine Alternative! Wenn man aber nun eben doch ausgerechnet ein Fahrrad zum Fahrzeug hat? Was soll man in so einem Moment tun als braver, gesetzestreuer Bürger?

Ich werfe das Problem mal in die Runde und gebe es zur Diskussion frei. Und bis dazu eine brauchbare Antwort eintrudelt, habe ich für heute schon folgende Notlösung gefunden: Ich ordne mich als Transportfahrzeug ein. Ist ja nicht mal gelogen…

Dann ein Schlagbaum, drei Grenzbeamte, Passkontrolle! Den Ausweis wollte einer der drei Beamten sehen. Ja, ja…in Wirklichkeit wollte sich der Andere nur meine Sattelfederung genauer anschauen. Gerade, dass er sie nicht geküsst hat!

Ich bin nun also in Kroatien angekommen und schon ist alles ganz anders. Sofern ich das nach einem halben Tag schon beurteilen kann. Aber man registriert sofort die deutlich besser gepflegten Straßen und Häuschen. Es haben auf den Dörfern auch mal die Läden offen und es begegnen mir immer wieder Leute auf der Straße. Oder es wackelt zumindest eine Gardine, wenn man vorbeistrampelt. Hier wohnt offenbar jemand!

Na, mal sehen, wie das hier weiter geht. Im Moment liegt mir ein bisschen die hochaufragende Horizontlinie (und zugegeben: Die halbe Riesen-Vorspeisen-Portion Spaghetti Alles-andre-als-Carbonara mit Salat um gerade mal 4€) im Magen…

 

Varazdin (Hostel Studentski Dom)

Tages-Km: 69,36km / -Zeit: 4:44h / -Höhenmeter: 333m

Gesamt-Km: 1.130km / -Zeit: 77:13h/ -Höhenmeter: 6.714m

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21_Tapetenwechsel!

Es ist so weit: Die erste Karte ist abgefahren, morgen verlasse ich Ungarn und die erste Tausender-Marke ist auch geschafft!

…Kroatien, ich komme!  

 

Nagykanizsa („Hotel“ Bella) Tages-Km: 63,32km / -Zeit: 3:56h / -Höhenmeter: 305m

Gesamt-Km: 1.061km / -Zeit: 72:29h/ -Höhenmeter: 6.381m

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20_Brown Rain

Seit ich in Ungarn bin, steht eins fest: Die Entscheidung für die Sattelfederung war goldrichtig! Dennoch frage ich mich, was ich eigentlich hier mache – Radreise oder Reiterferien?

Die Straßen sind bucklig, löchrig und durchgefahren. Wenn ich mich an der weißen Seitenlinie entlang hangle und mir ihre Flucht bis zum Horizont anschaue, gibt mir meistens ein perfekter Zitterstrich die Richtung! Und nicht selten sollte ich mir nicht einen noch so kleinen Schlenker nach links in Richtung der Fahrbahn leisten, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit bricht entlang dieser Markierung der Belag und senkt sich um gute zehn bis zwanzig Zentimeter ab! Oder wölbt sich vorher noch auf, sodass man beim unachtsamen Drüberfahren auch ins Straucheln geraten könnte: Überall Wellen, Mulden und Spurrinnen!

Heute war Sauwetter. Dauerregen von Beginn an. So nach und nach sickerte das Wasser bis auf die Haut durch. Beim Bremsen wringten sich erst mal meine Lederhandschuhe aus, bevor sich die Fahrt verlangsamte. Und als ob das nicht genug wäre, kommt mir da plötzlich so eine Karre entgegen. Von weitem wird schon klar: Pfiffiges Tempo! Gute fünfzig Meter vor mir beginnt sein Auto auf einmal zu spritzen – er fährt jetzt genau in der Rinne, wo sich schön das ganze Wasser angesammelt hat. Ich beobachte das Schauspiel, bis mir schließlich klar wird, dass mich diese Fontäne aus dicken, braunen, dreckigen Tropfen volle Breitseite treffen wird:

FFFLLAAATSSCCH!!!

Für einen Atemzug lang wird alles dumpf und die Wahrnehmung setzt aus. Wie bei einem Köpfler in dem Moment, in dem man durch die Wasseroberfläche sticht. Und beim Auftauchen trällern mir die Beatles die Weisheit des Tages ins Ohr: …you know it ain´t easy!

…ja, ja…I scho know. Aber wer hat eigentlich euch gefragt???

 

Zalaegerszeg (Hotel St. Kristof)

Tages-Km: 33,35km / -Zeit: 2:18h / -Höhenmeter: 323m

Gesamt-Km: 998km / -Zeit: 68:33h/ -Höhenmeter: 6.075m

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19_Himmelsspiel

Heute will ich euch einmal an einem Beispiel erklären, was ich damit meine, wenn ich immer sage: „Keine Ahnung, das zeigt sich dann schon!“. Diesen Satz habe ich in den letzten paar Monaten wohl –zig Mal gebraucht. Und zwar immer dann, wenn mich die Leute nach meiner genauen Route, nach meinen Visa, nach meiner Terminplanung, nach wie-machst-du-dieses und wie-machst-du-jenes gefragt haben. Geerntet habe ich auf meine Antwort immer ein Paar hocherschrockener Eulenaugen mit weit nach oben gebogenen Augenbrauen….

Meine wichtigste Vorgabe lautet: Bis um Vier am Ziel! Denn ab da kann man zusehen, wie es dunkel wird. Am Tagesziel angekommen, lasse ich mein Smartphone nach einer Unterkunft suchen, fahre noch schnell hin, checke ein, Sache geritzt. Klappt wunderbar! Doch nicht so heute!

Heute Nacht hatte ich ein Zimmer direkt am Markplatz, gleich neben der Kirche. Zu irgendeiner krummen Nachtzeit bimmeln plötzlich die Glocken munter drauf los. Ich wache auf, stelle fest, dass es draußen in Fäden regnet und kann nicht mehr einschlafen…ob ich bei dem Wetter wirklich 50 km fahren soll morgen? Na mal sehen, ob es da wenigstens eine Unterkunft gibt. Zum ersten Mal also suche ich vor Reiseantritt und stelle fest: Nichts da! Da wo ich hin will, gibt´s überhaupt nicht eine einzige Schlafmöglichkeit! Wohl doch zu klein, dieser Ort. Ich beschließe, nur die halbe Strecke zu fahren, ca. 25 km, da gibt´s nämlich was. Und schlafe beruhigt wieder ein.

Als ich aufwache, scheint die Sonne! Hmmm….und bei dem Wetter jetzt nur so kurz fahren? Mir fällt das Büro der Touri-Info ein. Dort frage ich nach Unterkünften in der Ortschaft, zu der ich eigentlich heute hin wollte. Und siehe da: Doch, doch, da gibt´s ein paar Hotels! …ich bekomme eine ganze Liste. Und die wiederum rettet mir heute die Nacht, denn: Hier angekommen, fahre ich zur ersten Empfehlung der Liste: Hotel existiert, scheint (dauerhaft) geschlossen. Zweite Empfehlung: Hotel existiert, momentan geschlossen. Dritte Empfehlung: Grüne Wiese, hohes Gras, eine eingewachsene Ruine und zwei riesige Supermarkt-Reklametafeln! Jetzt werde ich doch langsam unruhig. Es dämmert langsam. Da beschließe ich, einem Straßenschild zu folgen…finde weit und breit kein Hotel. Dann nochmal die Liste: Der Name des ausgeschilderten Hotels steht drauf! Und damit hab ich die Adresse! Schnell ins Handy eingegeben, hin navigiert und…alles dunkel….sch…! Ich gehe trotzdem hin, die Tür geht auf, es ist warm drinnen, ich frage nach einem Zimmer: Ja klar, haben wir!

Seht ihr! Hätte nicht die Uhr der Kirche schon um Fünf geschlagen, sondern um Sechs, wie es Kirchenuhren für gewöhnlich tun, hätte es draußen nicht mehr geregnet, hätte ich nicht festgestellt, dass es keine Unterkünfte gibt, wäre ich nicht ins Touristen-Büro gegangen, hätte ich keine Liste bekommen, hätte ich das Hotel nie gefunden, würde ich jetzt nicht im Warmen schlafen… Es gibt da draußen etwas, was uns im richtigen Moment einen Ball zuspielt. Oder Kirchenglocken.

Das genau meine ich: Es zeigt sich schon!

 

Körmend (Hotel Halaszcsarda es Panzio)

Tages-Km: 57,85km / -Zeit: 3:43h / -Höhenmeter: 88m

Gesamt-Km: 964km / -Zeit: 66:14h/ -Höhenmeter: 5.841m

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18_a Bris`!

Die letzten beiden Tage war´s wirklich ungemütlich: Dickes Grau, mageres Tageslicht, Schneefall, verschneite, rutschige, matschige Straßen, spritzende Autos, wenn sie einen überholen – ein wahrer Traum! Vorgestern war´s auch zum ersten Mal so richtig kalt! Meine Füße sind mir fast eingefroren, dann bin ich bis zur Mittagspause ein paar hundert Meter zu Fuß gegangen, damit ich sie wieder spüren konnte!

Aber heute kam die Belohnung: Endlich ein Hauch warmer Luft! Und zwar genau in dem Moment, in dem vor mir rechts am Straßenrand (ich fuhr übrigens auf dem Radweg links neben der Fahrbahn!) eine Frau die Autotür aufriss! Das kann nicht sein, dachte ich! Wie krass warm muss es denn da im Auto sein? Na, warum nicht mal „ein bisschen durch die Gegend heizen“…?

Doch nein. Ein paar Meter weiter kam der nächste Schwall. Und damit ein richtiger Motivationsschub: Ab in den Süden!

 

Koszeg/Güns (Hotel Strucc)

Tages-Km: 75,88km / -Zeit: 5:16h / -Höhenmeter: 657m

Gesamt-Km: 907km / -Zeit: 62:31h/ -Höhenmeter: 5.752m

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