Kategorie-Archiv: USA

216_Chepe Garcia & Roberto TNT

Eigentlich hatte ich beste Voraussetzungen für eine gute Nacht – dort vor dem Wachhäuschen. Aber richtig gut schlafen ist anders! Mein Rücken macht mir zur Zeit unglaublich Probleme. Und ich weiß nicht so recht: Sollte ich mehr muskulaturstärkende Übungen machen oder besser dehnen am Ende des Radeltages. Vermutlich beides. Nein, nicht vermutlich. Absolut beides! Und ich habe gleich vergangene Nacht damit angefangen…konnte ja ohnehin nicht einschlafen.

Dann hatte ich mein Handy im Häuschen gelassen zum Akkuladen. Und ich hatte Javier erzählt, dass das Telefon ein Ungesperrtes – also ohne Sim-lock – ist. Und es hatte ihm sehr, sehr gefallen, als er es zum ersten Mal in meinen Händen gesehen hat! Ich bin sicher, er ist ein grundehrlicher Typ! Aber ob ich ihm da nicht vielleicht eine zu schmackhafte Gelegenheit gegeben habe…?

Drittens hängt mir seit ein paar Tagen eine nervige Erkältung in den Nasenflügeln und Nebenhöhlen. Ob das wohl damit zu tun hat, dass es jetzt draußen zu regnen begonnen hat? Ich meine… ich habe doch nicht vergessen, zu erwähnen, dass ich mittlerweile in Mexiko bin, oder? Die jammern hier alle über „kein Regen seit Sechs Jahren“ und „Jahrhundertdürre“ und was höre ich in regelmäßigem Rhythmus auf mein Zeltdach tocken? Sind das etwa Regentropfen? Ja, sind es! …vielen Dank auch!

Und zu guter Letzt liegen mir meine Felgen äußerst unbehaglich im Magen. Ob ich hier wohl einen Laden finden werde, der mir das „hinbiegen“ kann… Dass ich das aber auch vergessen habe in Deutschland. Ich könnte mich… Aber egal, jetzt ist es schon so und wir finden schon eine Lösung!

Dann kommt der Morgen. Und Javier geht. Er steht vor meinem Zelt und hält mir mein Handy entgegen: „Voll aufgeladen!“, strahlt er mich an. Da seht ihr, es gibt auch grundehrliche und grundgute Mexikaner! Dann werfe ich einen Blick auf den geflickten Reifen: Noch drall und prall. Sehr fein. Der Regen hat aufgehört und der Wind mein Zelt bereits trocken gepustet. Und die Sonne lacht schon wieder! Na bitte, geht ja schon wieder. Jetzt nur noch die Reifen…

Ich fahre also erst mal nach Ensenada und an der ersten Tanke frage ich in anständigem Spanisch nach einem Fahrradgeschäft. Und siehe da: Es klappt! Ich biege links ab hinter der Ecke da drüben, Drei Blocks gerade aus und dann müsste da rechts ein kleiner Laden „Pedal y fibra“ sein… Er ist da! Doch auf den ersten Blick wird mir da eher etwas unwohl: Es empfängt mich ein super herzliches, altes Männlein. Aber das Materiallager sieht mir eher nach „alter Schinder“ als nach „Rennmaschine“ aus. Doch nicht so voreilig, denke ich mir. Der Alte macht nämlich, was das Fahrradfahren angeht, einen ordentlich fitten Eindruck! Und er redet schön langsam, da kann ich wenigstens was verstehen. Und so kristallisiert sich nach und nach heraus, dass er in seinen jungen Jahren eine Art Profi-Radler war! Jetzt macht er den Laden, während sein Sohn längst in die Fußstapfen des Vaters getreten ist und in Europa die Tour de France uns ähnliche Kaliber mitradelt. Moment mal… Tour de France? Das ist ja ein Hochkaräter! Und so nach und nach nehme ich jetzt die Bilder und Pokale wahr, die da an der Wand hängen und stehen.

Doch er muss sich entschuldigen: Eine passende Felge für mein Rad hat er leider nicht da. Er schickt mich daher zu einem anderen Geschäft. „Die sind gut!“, meint er. „Die haben mit Sicherheit, was du brauchst! “. Aber sag ihnen, du willst ein neues Teil! Sie bringen dir sonst was Gebrauchtes. Du brauchst was Neues! Gute Qualität, die eine Weile hält! Und wenn die nicht wollen, sag ihnen, es schickt dich Chepe Garcia! (Sagt euch der vielleicht was? Ich glaube, der war / ist schon wer in der Szene! Sehr niedlich jedenfalls!)

So, damit bin ich aber trotzdem noch nicht am Ziel. Doch immerhin einen Schritt weiter! Ich finde den nächsten Laden. Und es kommt ein Mann ohne Lächeln. Schwarze, kurze Nadelstreif-Hose, schwarzes Hemd, schwarzes Basball-Cappy, schwarze Hände. Er begrüßt mich zaghaft auf Englisch, fragt mich, was ich bräuchte und sieht sich das dann aber doch lieber mit eigenen Augen an. Dann nickt er, brummelt was, verschwindet. „One moment“, meint er noch. Dann ist er erst mal für Zehn Minuten weg. Doch er kommt wieder. Mit einem eingestaubten Reifen. Aha, der alte Chepe kennt die Bande wohl. Doch der schwarze Mann erklärt mir, dass das der beste sei, den er habe und vor allem besser, als die neuen. Denn die neuen Felgen sind alle nur auf Scheibenbremsen ausgelegt. Der hingegen hat extra eine Verstärkung für die V-Brake-Anlage und sein zudem wie neu, denn auf dem Rad, wo der Reifen drin war, wurde nur mit Rücktrittbremse gearbeitet.

Ich sehe mir das Ding an und befinde, dass er eigentlich Recht hat. Keine Gebrauchsspuren im Bremsbereich! Und so frage ich ihn mal, was das denn kosten würde, inklusive einspeichen. Zwanzig Dollar. [Jaaaa Waaaahnsinn, oder???!!!!!] Ich nicke. Und frage ihn, ob er denn nicht vielleicht noch einen zweiten für das Vorderrad hätte, das auch schon eine tiefe Mulde aufweist. Da verschwindet er wieder. Und zerrt noch einen solchen Gebrauchtreifen an. Nach mindestens nochmal Zehn Minuten. Dann kommen wir ins Geschäft: Ich vereinbare Fünfzig Dollar, wenn er mir für die beiden Reifen auch gleich noch die Bremsbeläge wechselt. Und das vor allem heute noch!

Da knirrscht er. Er hat schon so viel Arbeit! Ich frage ihn, ob er es denn vielleicht lieber morgen machen will. Da ist noch schlechter, murmelt er. Nein, nein, er macht das heute noch. Muss ohnehin eine Nachtschicht einlegen… Er wird mir langsam richtig sympathisch. Obwohl er immer noch kein Lächeln für mich übrig hat. Doch wir verbleiben jetzt so, dass ich erst schnell ins Hostel gehe, dort einchecke und die Taschen ablade und dann wiederkomme und ihm das Rad da lasse.

Ich habe jetzt plötzlich ein gutes Gefühl bei ihm. Und ich denke, ein bisschen Trinkgeld könnte seine Motivation, gute Arbeit zu leisten, vielleicht noch ein bisschen steigern. Doch er winkt kategorisch ab. Schreibt mir gleich eine Rechnung und nimmt den Zehner als Anzahlung für den offiziellen Preis. Den er vor seiner Chefin jetzt nur noch mit Vierundvierzig Dollar beziffert, weil ihm die Trinkgeldoffensive wohl grundsätzlich gefallen hat. Und er meint, ich solle ihn so gegen Sechs am Abend anrufen, ob er schon fertig wäre.

Gesagt, getan. Um Fünf rufe ich an und ich höre ihn schon schwitzen an der anderen Leitung. Er meint ganz kleinlaut, dass er es wohl bis Sechs nicht ganz schaffen würde… „Kein Problem!“, sage ich, „sag mir einfach, wie lange du brauchst!“ Er atmet durch und meint ich solle so gegen Acht vorbeikommen. Im Hostel erzähle ich jetzt meine Geschichte. Und da schlagen sie beide Hände über dem Kopf zusammen: Ja um Gottes Willen! Jetzt hat der dein Trinkgeld und wird das Rad nie und nimmer heute fertig machen! Geh da auf jeden Fall früher hin! …schon wieder bin ich verunsichert. Obwohl er ja erstens mein Trinkgeld (das ich im Übrigen nicht als Bestechungsgeld, sondern tatsächlich als vorgeschobenes Trinkgeld angesehen habe!) gar nicht annehmen wollen und zweitens habe ich doch ein gutes Gefühl bei ihm! Na aber ein bisschen früher kann ja vielleicht auch nicht schaden…

Ich schlage so gegen halb Acht auf. Sehe den schwarzen Mann am Hinterreifen die letzte Feinarbeit machen. Der pinke Rahmen ist hinten im Raum im Werkbock eingespannt und der Vorderreifen schon fertig, wie ich erfahre. Die Bremsbeläge sind auch schon gewechselt. Und für die paar verbleibenden Feinarbeiten am Hinterreifen darf ich gerne Platz nehmen und ihm zuschauen. Er ordert dem Lehrling an, Kaffee für mich zu holen. Natürlich lässt er mich den nicht bezahlen! Und während ich da eine halbe Kanne Kaffee mit Haselnussaroma schlürfe, stelle ich fest, dass er ein echter Perfektionist ist! Ich wusste es! Bei ihm bin ich in guten Händen! Er arbeitet konzentriert und ruhig und – ich bin sicher: Absolut präzise! Und so langsam taut er auch auf und wir haben´s irgendwann echt saulustig da hinten in der Werkstatt! Seine Kollegen sind auch fast noch alle da und superfreundlich und so verschwinden so nach und nach auch noch meine letzten Magenbeschwerden. Am Ende fällt mir gar der Abschied schwer von den Jungs! Sind sind allesamt lauter Gute! Und ich kann von einem Glück sagen, dass ich hier gelandet bin. Als Abschiedsgeschenk dränge ich auf mein Recht des Trinkgeldgebens und frage den schwarz Gekleideten, wie er denn eigentlich heiße. Meine Ente, die er da gerade als kindisch eingestuft hatte, bräuchte nämlich zufällig noch einen Namen. Ob es ihm recht wäre, wenn sie seinen bekäme…

Da endlich lacht total befreit auf und freut sich riesig über die Ehre der Namensvetterschaft zu einer ehemals verwahrlosten, vollwaisen, griechischen Straßen-Gummiente. Sie heißt jetzt „Roberto TNT“.

Und auf dem Heimweg stelle ich fest, dass „TNT“ – eigentlich der Name des Ladens – mit ein bisschen Fantasie ja fast so klingt wie „Die Ente“. Sozusagen Roberto, tie EnTe. Das ist die Bestätigung! Er ist es. Er ist der richtige Pate. Und so hat nun endlich mein Zylindervogel am Lenker einen richtigen Namen!

 

Ensenada, Mexiko (Hostel)

Tages-Km: 29,87km / -Zeit: 1:47h / -Höhenmeter: 181m

Gesamt-Km: 12.709km / -Zeit: 884:36h / -Höhenmeter: 117.563m

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213_HI San Diego Downtown

Und schon bin ich da. In San Diego, der quirligen, nacht-lebendigen, südlichsten Stadt von Kalifornien. Ein nettes Städtchen auf den ersten Blick. Aber eben – wie schon erwähnt – mein Check-out aus dem unvergesslichen „Hotel California“. Ich habe dem letzten Eintrag eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ich ziehe mich hier ein bisschen zurück und bereite mich jetzt körperlich, IT-technisch und vor allem mental auf den großen Wechsel vor: Auf Mexiko! Ich fühle, ich muss mich vorher ein bisschen sortieren. Das Kapitel USA fertigschreiben, bevor ich ein ganz neues aufschlagen werde. Und während ich in Klausur gehe, verköstige ich euch mit einem echten Leckerbissen an purer Architektur: Dem Hostel, in dem ich wohne.

Es fängt damit an, dass beide Türflügel öffenbar und feststellbar sind und man das Fahrrad nicht nur problemlos rein, sondern auch nach oben in den Dritten Stock bringen darf! „Weil hier viele Radfahrer vorbeikommen!“, sagen sie mir am Tresen unten. Darum haben sie gleich einen ordentlich großen Lift und Fahrradständer auf jedem Flur eingeplant. Das ist es! So geht Architektur! Sie dient. Sie fragt, was du brauchst und dann stellt sie es dir bereit. Ganz einfach. Man kann hier kochen, Wäsche waschen und Wäsche trocknen, warm duschen und Haare föhnen, gemütlich in einen Sessel mummeln und Kaffee trinken, schnell im Netz surfen, Fernsehen oder Billard spielen. Sich einfach rundum bedient und wohl fühlen! Und noch dazu sieht sie verdammt hübsch aus und macht dich bei jedem Schritt, den durch´s Gebäude machst, neugierig, was wohl hinter der nächsten Ecke kommt. Und dann kommt da auch was. Bitteschön, genauso geht´s!

 

San Diego, Kalifornien (Hostel HI San Diego Downtown)

Tages-Km: 50,40km / -Zeit: 3:23h / -Höhenmeter: 368m

Gesamt-Km: 12.558km / -Zeit: 874:28h / -Höhenmeter: 116.244m

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212_Langsam geht´s dahin…

Mir fehlt der Zug! Und ich meine damit den Ansporn, durchzutreten. Gas zu geben. Ich mache gemütliche Tage. Gut, seit vorgestern hängen mir wohl auch Zwei Viren im Magen: Einer, den ich mir eingefangen habe und ein anderer, den sich mein Computer vermutlich eingefangen hat… Ich bin nun nicht gerade ein Fachmann auf dem Gebiet der IT. Und so macht mir dieser Umstand schon etwas Kopfzerbrechen. Dazu kratzt eben wie erwähnt mein Hals. Und mir fehlt etwas die Spritzigkeit in den Oberschenkelmuskeln. Und vermutlich kommt noch etwas dazu: Es geht hier dem Ende zu. Die Tage in Amerika sind gezählt! Morgen erreiche ich San Diego und dann geht´s ab über die Grenze nach Mexiko.

Hier mache ich gerade eine ganz neue Erfahrung: Nach eineinhalb Monaten im gleichen Land treibt mich normalerweise die Neugier auf etwas Neues! Doch hier an der heiligen West Coast habe ich fast jeden Tag ein Stoßgebet zum Himmel gerichtet: Bitte, lieber Gott, lass es nicht aufhören! Bitte lass diese Westküste ewig so weitergehen! Es war zu schön. Es sind sie alle vergessen, die Momente des Regens, in denen ich – ich geb´s ja zu – geflucht habe. Geblieben sind nur die allerbesten Eindrücke, die man sich von einer Küstenfahrt erträumen kann: Meer, Wellen, Brandung, Wind, Sonne, Möwen, Kolibris, ein Wal, Waschbären und Koyoten. Taghelle Vollmondnächte, Lagerfeuer, Kaffee und Muffins und Essen vom Allerfeinsten. Und über alles gastfreundliche Amerikaner! Gott, wie hat´s mir hier gefallen! Ich kann´s nicht in Worte fassen. Ihr müsst es erfahren. Ihr müsst es einfach spüren. So wie ich. Es war perfekt. Legendär. Historisch.

 

San Elijo SB, Kalifornien (Zelt)

Tages-Km: 51,80km / -Zeit: 3:04h / -Höhenmeter: 258m

Gesamt-Km: 12.508km / -Zeit: 871:05h / -Höhenmeter: 115.876m

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Buckingham Palace

Spiritualisten denken ja gerne mal in Energiefeldern und –zonen. Und wenn man ihnen glauben kann, dann hat mich das enorme Energiefeld „LA“ mit all seinen duchgeknallten Prominenten und Stars, den verrückten Vögeln und abgerutschten Existenzen ganz enorm mitgenommen: Sobald ich bei Charly angekommen war, fiel mein eigenes Energiefeld jedenfalls schlagartig in sich zusammen. Ich fiel ein wie eine Hüpfburg, aus der man gerade den Stöpsel gezogen hat. Doch Charly und Scott haben mich wieder angeschoben:

Zuerst Mal bekam ich eine Wolke von einem Luftbett, dann einen sagenhaften Poke-Burrito, der unnachahmlich mit Reis, Bohnen, Avocado und eben „Poke“ prall gefüllt war. Poke ist übrigens fangfrischer, roher Thunfisch in Stücke geschnitten und mariniert. Doch, das kann man essen! Und wer sich traut: Es schmeckt unvergesslich! Am nächsten Tag hat sich Charly Zeit genommen, mit mir eine kleine Fahrt zum Campingausrüster zu machen, wo ich mir eine aufblasbare superlight-Solarlampe kaufen wollte. Dann gingen wir nochmal zum Strand, die Wellen checken. Und während dieser total entspannter Day-Off langsam verstrich, hatte er seine Jungs bereits für den Abend organisiert: Plötzlich fand ich mich bei Thommy zu Hause an der Küchentheke mit einem Bier in der Hand und Chips als Snack, während die Männer ihre Küchenkünste unter Beweis stellten: Thommy zauberte leckere Bruschetta, Charly einen feinen Salat mit Avocado und Bob würzte das Fleisch, das nun keine Chance mehr hatte, dem vorgeheizten Grill zu entkommen. Und ich? Ich durfte zusehen oder mit den zwei schwarzen Katzen spielen. Und mit dem zweiten Bierchen langsam beduselt werden…

Es war ein wunderbarer Zwischenstopp bei euch! Und ich wünsche mir, ihr kommt alle gemeinsam mal nach Deutschland zum Grillen! Wir haben auch zwei schwarze Miezen, daran soll´s nicht scheitern… ; )

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Buckingham Palace

After some tough ups and downs – more mentally than physically – through the Hollywood Hills yesterday I arrived at Charly´s and Scott´s. Charly a friend of my brother´s and also one of the world`s best Laser sailors at the time! And for me he and his roomate Scott they are just another two angels on the long ride down to Rio, offering me whatever a girl on a bicycle could need! First of all: huge, soft, comfortable queensize cloud of a bed, extra taken from one of the neighbourhood friends. Then: The unforgotten Poke-Burrito – raw tuna wrapped with rice, beans, avocado, tomatoes, cucumbers and a special salsa. Just loved it! Then: Coffee and oatmeal for breakfast. Then: A little check-the-waves-tour to the beach, because Charly is also one of the worlds best surfers (of course he is!) and of course I wanted to see him performing! But unfortunately no waves. So the alternate point on the programme was a ride to an outdoor shop to buy a spectacular solar lamp. Then: Rest on the cloud! Then, when we both were just surfing the waves of the internet: Rob suddenly appeared. “Hey Charly, I´m going on the water a bit. Have to work in 2 hours. Wanna come?” Of course he wanted! And me, too. And Thommy, the honorable sponsor of my matrass (I guess), too. And as so much surfing makes so much hungry the two gentlemen who didn´t have to work anymore for today went for a quick supermarket tour while I could rest again on my princess bed. They just picked me up for having a delicious dinner at Thommy´s house where there was nothing left for me to do but snacking tortilla chips and drinking light beer while Thommy, Bob (his brother) and Charly flew around in the kitchen preparing Bruschetta, Salad and grilled chicken. It was just amazing how everybody did care for me! “You just relax!” was the order. And that´s what I definitely did: I completely relaxed and absolutely enjoyed!

Hey guys, I thank you so much for all your energies you have offered to me! It was just great meeting you all and next time it´s my turn to take care for you. Please give me a chance!

And last but not least: Scott, your headlight is amazing! Scott is a designer and he just couldn’t let me leave without being sponsored by him as well. And so he run to his workplace, got a headlight he (was it you? Or at least his company) had designed and rushed back to another hopefully pleasant meeting that was about to start in 5 minutes.

Thousand thanks to all of you – you´re just wonderful!

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211_Surferprobleme

Diesen Begriff kannte ich bis dato nur aus dem Büro. Und der wenn gefallen war, dann bedeutete das nichts Gutes! Doch jetzt entdecke ich darin gerade noch eine zweite Bedeutung… oder besser: Ein ganzes Bedeutungsfeld. Es geht um Wassersport! Und mit Charly und seinen Jungs ist mir eins endgültig klar geworden: Kaliforniens Surfer sind keineswegs diese banalen, braungebrannten, blondschopfigen Poser, die sich ihre Surfboards hautsächlich am Strand unter die auftrainierten Achseln klemmen, um damit superlässig alle nur erdenklichen Farben von Triangle-Bikinis klarzumachen…

…die gehen tatsächlich ins Wasser damit! Vor der Arbeit, nach der Arbeit, während der Arbeit, bei Sturm und Unwetter, bei Kälte und Dunkelheit – einen echten Surfer hält nichts an Land, wenn der Ozean ruft! Das ist nicht nur echter Sport, das ist eine Leidenschaft! Und die, wenn man im Blut hat, dann ist es überhaupt kein Ding der Besonderheit, in der Früh um Zwanzig vor Sieben, wenn ich Radler mir denke, ich stehe heute aber mal zeitig auf, schon von der ersten Session des Tages zurück zu kommen, um sich dann in Anzug und Kravatte zu schmeißen und zur Arbeit zu gehen. Ich sage euch: Freaks sind das! Und irgendwie alle. Bei Charly zu Hause hat sich das etwa folgendermaßen gestaltet:

Wir saßen in der Bude, Charly hängt im Internet, surft. Was auch sonst. Dann stapft jemand die Treppe hoch, es ist Rob: „Hey Charly, ich geh noch kurz auf´s Wasser. Kommst du mit?“ Charly war heute Vormittag mit mir schon am Strand und hat die Wellen als „zu langweilig“ befunden. „Auf jeden Fall komm ich mit!“, erwidert er Rob. Dann textet Charly kurz zu Thommy, der knappe Zehn Minuten später in feinem Zwirn und Hemd in der Tür steht, er kommt gerade aus dem Büro. Er schüttelt nur den Kopf, als Charly ihn fragt, ob er denn auch mitkommen würde… „Was für eine Frage!“, zischelt er fast beleidigt, als er kehrt macht und schon unterwegs ist nach Hause, sich umzuziehen. Wir holen ihn dort ab und ich beobachte wie Charly unter dem offenen Garagentor durchgeht und den Blick an die Decke wirft. Er sucht da offenbar etwas… Dann geht´s auch schon los: Alle auf dem Wasser, alle glücklich! Und keiner von ihnen ist auch nur annähernd interessiert an den beiden halbnackigen Grazien, die sich da im Sand räkeln. Einmal im Neoprenanzug, gibt´s nur noch eins: Wie stehen die Wellen? …das sind echte Surfer!

Am Abend bei der Grillparty lüftet sich dann auch für mich das Geheimnis des Garagendachs: Es lagern dort etwa Zehn Boards auf den Deckenbalken. Man nennt das wohl einen „Surferhimmel“! Achtung, Architekten, merke: Baue bloß einem Surfer niemals eine abgehängte Decke aus Gipskarton oder Blechpanelen in die Garage – dieser Platz gehört ausnahmslos und exklusiv seiner „Kollektion“! Ein richtiger Surfer hat garantiert mehrere Boards, das muss man wissen. Es gilt nämlich zeitlebens, das perfekte Brett für sich herauszufinden: Länger, kürzer, breiter, schmäler, steilerer Bug, flacherer Bug, rund oder spitz zulaufend, hinten gerade abgeschnitten, im Bogen oder in „V“ Form, … es gibt unzählige Kombinationsmöglichkeiten dieser allesentscheidenden Faktoren. Aber wie kann man also das perfekte Board am Markt finden? Ganz einfach: Überhaupt nicht. Man hat irgendwann seinen Lieblings-Shaper! Der formt das Ding von Hand aus einem Klotzen Hartschaum und kombiniert dabei deine ganz persönlichen Wünsche mit seinem Erfahrungsschatz. Und kassiert dafür vermutlich einen ordentlichen Batzen „Bucks“…

Da habt ihr euch wohl ordentlich geirrt, was die kalifornischen Sufer Boys angeht, was? Nur in einem liegt ihr richtig: Phänomenale Oberarme haben sie! Und die sind nicht etwa chemisch aufgepeppelt, nein, nein! Die kommen schlicht und einfach vom Paddeln. Einen guten Surfer machen nämlich Zwei Dinge aus: Gutes Positionieren im Wasser und schnelles Paddeln, um auf gar keinen Fall die perfekte Welle zu verpassen! Ich fange irgendwie gerade an, mich dafür richtig zu interessieren… 😉

 

San Onofre SB, Kalifornien (Zelt)

Tages-Km: 59,03km / -Zeit: 4:00h / -Höhenmeter: 489m

Gesamt-Km: 12.456km / -Zeit: 868:02h / -Höhenmeter: 115.617m

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210_Bye, bye, Hollywood Hills…

Ich hatte trotz Erschöpfung lange nicht einschlafen können. Viel zu sehr hatte mich diese sinnlose und total überflüssige Aktion der letzten Nacht nervlich strapaziert. Was ist das nur für eine Welt manchmal? Warum kriegen´s die Cops einfach nicht hin, das zu tun, was tatsächlich ihre Arbeit ist? Nämlich das Volk vor Unrecht zu schützen anstatt immer nur dort einzugreifen, wo bereits Friede und Harmonie herrschen? Letztendlich hat doch keiner den Anderen in irgendeiner Form gestört oder belästigt. Solange, bis die Uniformierten gekommen sind! Waren nicht letztendlich sie die einzigen, die uns – friedliche, schlafende, steuerzahlende Erdenbürger – extrem belästigt haben?

Es hat mir die ganze Nacht und den nächsten Morgen versaut. Bis Marvin mich wieder eingeholt hat und wir unserem Ärger Luft machen konnten, indem wir uns gegenseitig all die wohlpräparierten Sichtweisen über dieses Dilemma kundtaten. Dann war ich wieder frei im Kopf und auf einer herrlichen Küstenstraße. Doch kaum hatte ich den einzigartigen Ausblick dieser etwas erhöhten Halbinsel bewusst wahrgenommen, fand ich mich schon im Hafengebiet von San Pedro. Diesmal gab´s da keine Brücke für mich und so musste ich gute Drei Stunden durch ruppige Straßenlöcher, über schlecht eingebettete Eisenbahnschienen und durch hektischen LKW-Verkehr steuern, bis ich ziemlich erschöpft endlich wieder mal den Fuß vom Pedal nehmen konnte, um mich für ein kurzes Päuschen auf eine Cola in den Schatten eines Sonnenschirms zu setzen. Was für scheußliche Zonen, diese Häfen! Ich hatte solche Bedingungen ja schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gehabt! War ich ja sonst immer auf ziemlich angenehmen Straßen oder gar eigenen Radwegen unterwegs.

Heute war ich unterwegs zu Charly, einem Segel-Kollegen meines Bruders, der gerade für eine Woche zu Hause in den Staaten war und dann wieder direkt nach Rio zum Training aufbrechen würde. Und so musste ich jetzt noch so was um die Dreißig Kilometer machen. Na, wo der wohl wohnt? Ich fuhr weiter und erkannte schon bald, dass die Straße wieder ruhiger und der Strand wieder schöner und schöner wurde. Bis mir Charly schließlich erklärte, dass die Gegend um Newport Beach sogar DIE Strandgegend schlechthin sei, denn hier wäre alles, was man sich von einer Strandstadt erwartet, einfach da: Stadt, Marina, Sandstrand, Wellen (er ist nämlich auch leidenschaftlicher Surfer), Wind, Sonne, Fischen, …

Und so stelle ich nach schlappen Drei Tagen, die es gebraucht hatte, um mich durch „die Heiligen“ von Los Angeles zu arbeiten, fest, dass diese Stadt ein einziges Wechselbad für meine Gemütszustände war. Eine Art Kneipp-Therapie für meine Laune. Wie die Hügel von Hollywood: Ein einziges Auf und Ab! Doch ich bin durch. Bye, bye, Hollywood Hills!

 

Costa Mesa, Kalifornien (bei Charly & Scott)

Tages-Km: 93.35km / -Zeit: 5:51h / -Höhenmeter: 543m

Gesamt-Km: 12.397km / -Zeit: 864:01h / -Höhenmeter: 115.128m

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209_LA international Airport

Ganz essenziell auf einer Fahrradreise sind folgende Drei Fragen:

  1. Wann gibt´s essen?
  2. Verbreite ich schon unangenehme Düfte?
  3. Wo penne ich eigentlich heute Nacht?

Widmen wir uns in diesem Blog doch mal dem dritten Punkt und der Frage nach dem perfekten Schlafplatz. Vorgestern, mit Semi zum Beispiel, war es ein Campingplatz. Dieser war in meiner Karte eingetragen und wurde mir von den Johnsons auch als ein toller Platz empfohlen. Also definierte ich diesen als mein Tagesziel. Und er war ein toller Platz mit warmer Freidusche! Aber einer, der für den Winter (oder gar für immer?) geschlossen war. Wegen Überflutungsgefahr! Und tatsächlich stand ein Teil der Anlage bereits unter Wasser, was wir allerdings erst am nächsten Morgen bemerkt haben. Während die vorabendliche Ankunft von ganz anderen Eindrücken geprägt war: Wir kamen dort also mit flatternden Lungenflügeln und trotz der Eile bei schon sehr fortgeschrittener Dämmerung an, um die Zufahrt mit Toren und Ketten verrammelt vorzufinden. Nicht mal seitlich konnte man diesmal daran vorbeischleichen! Und Schilder und Hinweistafeln wiesen eindringlich darauf hin, dass – wenn man es trotzdem versuchen sollte – dies höchst illegal ist und garantiert strafrechtlich verfolgt werden würde, wenn man sich dabei erwischen ließ! Ich stellte also mein Rad ab, wuchtete einen der Stahlböcke mit so einer Tafel drauf auf die Seite, würgte an der eisernen Kette, bis diese endlich ein paar Zentimeter höher hing, damit Semi unsere Räder drunter durchschieben konnte…

Der nächste Tag war überschattet von einem seelisch-moralischen Tiefdruckgebiet – ihr habt es gelesen. Doch was ich so an dieser Reise liebe: Auch, wenn es dir am Morgen zum Heulen zumute ist, hält der Tag noch immer alle Optionen für den Abend bereit! Man kann nie wissen, wie der Tag endet oder was da noch alles kommt. So habe ich nach gemütlichen Dreißig Kilometern Semi auf seinem Plan-Platz zurückgelassen und selbst noch ein paar Meilen ins Ungewisse gemacht. Und eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichte ich einen State Beach/Parkplatz, eine Sackgasse, die von der einen Seite durch steil aufragende Klippen und der anderen Seite den Ozean begrenzt war und von Autos nur tagsüber erreicht werden konnte. Ich war dort also einigermaßen sicher! Es gab ein öffentliches Klohäuschen wo ich meine Sachen handwaschen und gemütlich mein Zelt im Windschatten aufbauen konnte. Und den Sonnenuntergang nutzte ich für ein exklusives Fotoshooting mit der Nummer „1“ der berühmten Baywatch-Rettungsschwimmer-Türme auf dem langen Strand von Malibu, während ich zum Einschlafen ein hell beleuchtetes Kreuzfahrtschiff den rosaroten Horizont entlang kriechen verfolgte. Alles in allem: Der Tag war gerettet!

Ich bin bester Laune neben meinem hellblauen Tower aufgewacht und startete beschwingt in einen neuen, guten Tag! Er führte mich zunächst durch die nicht sonderlich attraktive Hauptstraße von Malibu. Nicht sonderlich attraktiv deshalb, weil die sog. Oceanfront intensiv bebaut war und ich eigentlich nichts als Garageneinfahrten zur Aussicht hatte! Doch dann endlich begann der nächste Strandabschnitt mit einer Fußgänger- und Radwegpromenade vom allerfeinsten! Mitten durch die gerecht- und geglätteten Sandfelder schlängelten sich die Betonplatten. Und das hörte den ganzen, lieben, langen Tag nicht mehr auf: Los Angeles! Es war einfach der Hammer! Diese Stadt, wenn man da überhaupt noch von „einer“ Stadt sprechen kann, ist so gigantisch groß, dass man ganze Zwanzig, Dreißig, … Kilometer Sandstrand entlang radeln kann – gigantisch! Und das allerschönste daran: An einem dieser regelmäßig kommenden Toilettenkomplexe würde ich in dieser Nacht mein Lager aufschlagen und nochmal direkt am Strand übernachten können! Und es kam, wie man es sich besser nicht hätte wünschen können: Ein RV-Park, also ein Stellplatz für diese Mega-Wohnmobile neben einem solchen Komplex. Dort hatte ich wieder alles, was ich brauchte: Trinkwasser, Klo, Waschbecken zum Sockenwaschen, Windschatten und zur Not doch Leute in der Nähe, die mich hören konnte, wenn irgendetwas Außerplanmäßiges geschehen sollte. …dann kam die Nacht! Zuerst ging das Licht an – Stadionbeleuchtung! Ich flüchtete in den kleinen halboffenen aber einigermaßen dunklen Bereich. Wo? Wo ich erstmals richtig verstand, was es bedeuten würde, in der Ausflugschneise des Flughafens zu lagern: Es fing sich der Schall derart krass in diesem Räumchen, dass mir spätestens beim dritten Flieger die Trommelfelle waberten. Und der Ausflugtakt bezifferte sich grob geschätzt auf einen Flieger pro Minute! Da gab´s jetzt nur noch eins: Ich beschloss aktiv, müde genug zu sein, um trotzdem einzuschlafen. Und es funktionierte! Bei meinem spontanen Übernachtungskollegen Marvin, auch ein Radler, zwar wohl weniger. Aber bei mir zumindest! Solange, bis wieder einmal meine Lieblingsfreunde vor der Tür standen: LA Police Department diesmal. Wir können hier nicht bleiben. Wo sonst wissen sie leider auch nicht, aber hier jedenfalls nicht. Das ist sicher. Und diesmal – vielleicht weil wir zu zweit waren – machten sie glatt ernst: Aufstehen, einpacken! Mit vier Mann und einem Security-Dackel, allesamt regulär bewaffnet, standen sie nun im Halbkreis, gespreizten Beinen und verschränkten Armen um dieses Klohäuschen und schauten uns beim Arbeiten zu. Hurra, wie ich es liebes, wenn unsere Steuergelder so effizient und sinnvoll eingesetzt werden!

Die Reise dauerte keine Zehn Minuten und knapp mehr als einen Kilometer, dann baute ich alles wieder auf. Wieder an so einem Klohäuschen. Klar: Woanders ging das ja nicht dort unten am Strand: Alles Sand (worauf ich mein Rad nicht schieben kann) oder Radweg (viel zu gefährlich dort sein Zelt aufzuschlagen!) Was sollte dort jetzt also anders sein als vorher… ich weiß es nicht! Es war nur definitiv keiner auch nur annähernd in der Nähe, der meine eventuellen Hilferufe hätte hören können…

 

Dockweiler SB, Kalifornien (Zelt in der Abflugschneise)

Tages-Km: 56,89km / -Zeit: 3:26h / -Höhenmeter: 268m

Gesamt-Km: 12.304km / -Zeit: 858:10h / -Höhenmeter: 114.584m

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208_Absturz!

Heute ist das schier Unerklärliche passiert: Irgendeine unsichtbare Kraft hat mir völlig unangekündigt die Flügel gestutzt und mich nach meinem Höhenflug der vergangenen Tage radikal geerdet! Doch was es genau war…?

Es hat jedenfalls gestern schon angefangen. Ich hatte gegen Mittag Semi, den Spanier, wieder getroffen und wie er es Zwei Tage zuvor versprochen hatte, erinnerte er sich noch daran, dass er mir einen Kaffee ausgeben wollte, wenn wir uns das nächste Mal begegnen würden. Doch das Café in dem süßen kleinen Örtchen gefiel ihm nicht. Wir fuhren also gemeinsam bis zum perfekten Plätzchen. Und dort erfuhr ich, dass er für morgen schon Pläne hätte, aber heute mit mir mitkommt. Aha! Gefragt wurde ich nicht. Aber ich spürte, wie mir schon eine unsichtbare Kravatte umgelegt wurde. Er fuhr neben mir – etwas, das ich überhaupt nicht packen kann! Denn es ist schlicht gefährlich, wenn man einem zu weit rechts fahrenden Auto oder einem Gegenstand auf der Straße nicht mit einem Schlenker ausweichen kann. Und außerdem kam bei ihm dazu, dass er nur gebrochen Englisch konnte. Alles musste ich in Slo-Mo und mindestens Drei Mal sagen, wenn ich wenigstens eine Chance haben wollte, verstanden zu werden. Das macht mir an einem Feierabend am Lagerfeuer auch nichts aus. Aber auf der Straße ist eben auch das gefährlich, weil man sich plötzlich nur noch halb auf den Verkehr und zur anderen Hälfte auf die stockende Unterhaltung konzentriert. Und möglicherweise kann ich es einfach generell nicht haben, wenn da plötzlich irgendwas oder –jemand dauernd um mich rumschwänzelt und –tänzelt. Ich brauche meinen Freiraum, ich brauche Platz! Auch, wenn man gemeinsam reist.

Es wurde so schlimm, dass ich am endlich bei Dunkelheit erreichten Campingplatz heilfroh war, in mein Zelt kriechen zu können und den Reißverschluss runterzuziehen – ich drin, er draußen. Ich sprach nur das Allernötigste. Dabei war er eigentlich kein unangenehmer Mann! Im Gegenteil fast: Er war in seinem Verhalten immer freundlich und zuvorkommend, bot mir Kekse und Orangensaft an, lud mich auf Würstchen mit Couscous ein, fragte, ob er meinen Müll mit wegwerfen solle… Doch ich vermute, dass genau das mir nicht gut getan hat! Nicht seine aufmerksame Art an sich! Sondern das Gefühl, dass ich alles falsch machte. Ich war schon bis zum Einbruch der Dunkelheit gera-delt (-st), um am Zeltplatz anzukommen, wo er halt einfach schon eine Stunde früher aufgehört hätte. Dann war der Zeltplatz geschlossen und mit Gattern und Ketten verhängt und wir konnten nur mit vereinten Kräfte und höchst illegal dort einbrechen. …wäre ihm natürlich nicht passiert, denn er wäre ja schon auf dem Platz von vor einer Stunde geblieben. Das alles hatte mich natürlich ein bisschen gestresst. Doch wenn ich anders reisen würde, würde ich mich nicht so stressen müssen. Nicht, dass meine Art zu reisen falsch wäre, sagte er dann beim Essen. Sie ist eben einfach anders als die seine. Aber schon die Tatsache, dass er das so aussprach, verriet mir, dass er genau das vorher schon ein paar Mal gedacht hatte: Mein Gott, wie kann man nur so reisen wie die?! Ich konnte das schon seit dem Spätnachmittag einfach fühlen, dass er das dachte. Und ich konnte es an seinen winzig kleinen Gesten des Entgegenwirkens ablesen: Während ich nach einer Ewigkeit Toilette verkneifen endlich auf ein Kloshäuschen einbog, um schnell – trotz Zeitdruck wegen baldiger Dunkelheit – mein Geschäft zu erledigen, packte er gemütlich seine Nüsse aus. …also seine salzigen Erdnüsschen, meine ich. Und als ich, während er sie wieder einpackte, noch schnell ein Foto geschossen hatte, zog jetzt auch er noch seine Kamera raus, um ebenfalls noch eins zu knipsen. So, als hätten wir alle Zeit der Welt! Dann war die Sonne weg und wir irgendwo in einem Yachthafen verirrt. Alles, was ich feststellen konnte, war: Wir musste zurück, um aus dem Marinagelände herauszukommen. Doch ob und wann und auf welchem Wege wir dann an unser Ziel kommen würden, konnte ich noch nicht sagen. Da entdeckte ich, dass der Campingplatz in seinem GPS-System eingetragen war! Ich konnte es nicht fassen: Er, der den ganzen Tag auf sein Sch…Display glotzte, während meins ausgeschaltet hinten in der pinken Box schlummerte, hatte nicht ein Mal erwähnt, wie viele Kilometer es noch wären, wo wir abbiegen mussten, usw.! Da war´s dann irgendwie vorbei mit meiner Geduld! Und das gab ich ihm auch zu spüren. Indem ich mich ihm eben entzog. Verstanden hätte er mich ja ohnehin nicht, wenn ich es ihm erklärt hätte: Sparchbarriere. Und trotzdem blieb er ruhig und geduldig und freundlich. Und je ruhiger er wurde, umso mehr stresste mich das. Er gab mir mit seiner Überfürsorge und Übergeduld stumm zu verstehen, dass ich alles falsch machte. Und je perfekter er nach außen hin war, desto schlechter fühlte ich mich, weil ich ihn so abprallen ließ. Ich bin eigentlich nicht so! Doch irgendwie schaffte er es mit seiner betont makellosen Art, die schlechteste Seite in mir hervorzuholen. Die Seite, die mir selbst nicht an mir gefällt, weil sie eigentlich gar nicht meine Seite ist. Und das war vermutlich der Grund für meine miese Laune. Es gab nur noch eine Chance: Vielleicht würde die Nacht ja einen Abschluss und der sonnige Morgen einen frischen Neustart bringen.

Nix war´s mit Neustart! Doch wir mussten ja wieder gemeinsam ausbrechen aus dem Gelände! Also wartete ich, bis er gemütlich seinen Krempel zusammengepackt hatte um dann noch zu hören: Es ist ja noch früh, nicht? Ich sagte nichts. Obwohl ich am liebsten schon seit einer Stunde auf Achse gewesen wäre… Dann kam die Gelegenheit: Ein Starbucks! Starbucks bedeutet Internet. Und beide brauchten wir es heute Früh. Ich bloggte also schnell und dann bekam ich den Rest: In einer E-Mail hatte mir Carlos, den ich aus Jerusalem kenne, geschrieben, ich solle mein Herz öffnen. Ein unscheinbarer Nebensatz, doch ich empfand ihn in diesem Moment als die Killerkritik: War ich wirklich so verschlossen? So abweisend und kalt? So unherzig?

Und dann las ich noch einen Facebook-Eintrag meines Bruders: Er machte seiner Enttäuschung und Traurigkeit über die verlorengegangene Chance auf Olympia 2024 Luft indem er unverhüllt schrieb, was der Bürgerentscheid im Norden Deutschlands in ihm für Gefühle hervorriefen. Da musste ich plötzlich raus an die frische Luft! Ich packte alles ein, stöpselte mir Musik ins Ohr und trat an. Und kaum war ich wieder in Bewegung, brachen mir nur noch die Tränen aus. Im Hals hatte ich einen faustgroßen Knödel, der einfach nicht an dem engen Kravattenknoten vorheikommen wollte. Ich bekam kaum Luft!

Warum sind es immer die Guten, die sich schlecht fühlen? Warum fühlen sich immer die Richtigen auf dem falschen Weg? Mein Inneres weiß ganz genau, dass meine Art zu reisen ganz genau richtig ist – für mich. Und mein Bruder weiß auch, dass Sport machen wichtig ist für diese Welt, weil er die unterschiedlichsten Kulturen, Religionen und Nationen vereint in einem gemeinsamen, spielerischen Wettkampf. Wir tun beide das Richtige. Und trotzdem fühlen wir uns so falsch heute. Verdammt: Diese Welt ist so scheiße manchmal! Alles entwickelt sich in eine falsche Richtung, alles ist schwarz, alles ist hoffnungslos! Ich bin ganz unten.

Und wie komme ich da jetzt wieder raus? Wie habe ich es die letzten Tage so hoch hinauf in die Luft geschafft? Ich glaube, ich muss wieder aktiv meinen Fokus setzen. Muss mich aktiv auf das Schöne und Positive konzentrieren, das mir begegnet und das Schlechte ganz einfach ausblenden. Mein pinker Bilderrahmen mit der rosa Glasscheibe ist runtergefallen. Also muss ich ihn wieder aufhängen. Glücklichsein ist eine Entscheidung, die man aktiv treffen muss. Das habe ich für mich gelernt. Also mache ich das ganz einfach: Ich entscheide mich ganz einfach, wieder glücklich zu sein! Obwohl es wirklich alles andere als „ganz einfach“ ist…

 

 

Point Dume vor Malibu, Kalifornien (Zelt)

Tages-Km: 59,90km / -Zeit: 3:32h / -Höhenmeter: 226m

Gesamt-Km: 12.2477km / -Zeit: 854:44h / -Höhenmeter: 114.316m

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207_The Johnson Family

Und nun zum akzentuierten Ende des gestrigen Tages: Ich war kurz davor, den Tag bei einer Starbucks-Free-WiFi-Filiale ausklingen zu lassen, als da ein Mann auf mich zukam und mich die üblichen Dinge fragte: Wo her, wo hin, etc. Ich mag das ja, wenn ich die Leute neugierig mache und beantworte darum eigentlich auch immer gern alle Fragen. Doch auf eine wusste ich nicht wirklich die Antwort: Wo willst du denn heute Nacht schlafen?

Als ich ein paar Sekunden um den heißen Brei herumgestammelt hatte, warf der Mann einen leicht verwirrten Blick zu seiner Frau am Nachbartisch. Und nach ein paar kurzen Wortwechseln meinte diese: Sie kann ja ihr Zelt bei uns im Garten aufstellen!

Es war unkompliziert, „as can be“! Ich habe noch in aller Gemütlichkeit ausgetrunken, dann meinen Essenseinkauf erledigt und schwupps: Bin ich schon bei den Johnsons im Garten gelegen. Doch zwischen dem ersten Mal klingeln und dem letzten Mal Zeltreißverschluss zuziehen lag noch ein entspannter Tortillachips-Guacamole-Talk, eine heiße Dusche, eine sagenhafte Massenmassage (Steve packte die ganze Familie einschließlich mir in seinen geräumigen Pick-up und wir bekamen alle eine ganze Stunde Ganzkörpermassage spendiert!), ein Glas Rotwein und ein Abendessen! Und zum Warmhalten durfte ich die superweiche, Fünf-Quadratmeter-Flauschedecke mit ins Zelt nehmen. Was für ein Erlebnis, was für eine Gastfreundschaft, was für eine Familie! Ich wünschte nur, ich könnte mich irgendwann bei ihnen revanchieren!

Und außerdem wünschte ich, dass meine handskizzierten Zitterstriche immer so nahe an der Perfektion wären wie der gestrige Tag am Beispiel der vorbildlichen Architektenlinie…

 

Oxnard, Kalifornien (Zelt mit Jose-Miguel oder auch Se-Mi)

Tages-Km: 76,92km / -Zeit: 4:36h / -Höhenmeter: 358m

Gesamt-Km: 12.187km / -Zeit: 851:12h / -Höhenmeter: 114.090m

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