Kategorie-Archiv: Zypern

Bye bye Europe!

Now it´s exactely one week that I left Turkey for Cyprus. And today I´ll already be leaving Cyprus again!

This Island is amazing! So small, so beautiful but also so divided into the two parts: North (Turkish) and South (Greek). And you can feel that anytime and everywhere. People are talking about it and the military buildings, fences and signs you can see all along your way won´t let you forget that there was (maybe there still is) that big conflict among the people of Cyprus. I hope one day they will understand what I could experience on my trip: That it was not the Turkish people to do this invasion in Cyprus but the Turkish government (if the history lesson I got yesterday from the port officer did give me right information). Among the people I never, never experienced any borders or nationality conflicts or religious conflicts until now! They all did accept me the way I am and helped me whenever they could – no matter if they were Turkish or Greek, Croatian or Albanian, Hungarian, Austrian or Montenegrish… And I hope that one day Turkish and Greek will come closer to each other again!

But let´s not only talk about this political and historical things: I had some amazing cycling days here driving very close to the water that amost always could offer me fresh wind that made the heat of sometimes 40° degrees more comfortable and sustainable. I did sleep in corn fields and swim in clear, blue water, I could pick my fruit right from the trees (lemons, oranges, apricots, …) and felt extremely safe anytime – night and day! The atmosphere on the street was so calm and relaxed compared to the aggressive driving behaviour in Turkey that I can only warmly recommend this Island to other cyclists!

The only thing that was bothering me was the decision I had to take here in Limassol, the harbour in the South: Whether I should really go to Egypt (which a few but important people didn´t recommend me for that period) or if I should listen to them and take the option back to Turkey and go across Iran. Both options I didn´t like to be honest. But I didn´t see another way. Until the solution did fall from heaven! Influenced by some really nice coincidences I occasionally met Hagar and her boyfriend. They one evening invited me for coffee into their holidays appartement. And when I told them about my two options and the problem I had with taking a decision the simply asked me: Why don´t you go to Israel then? We are from Israel and we can tell you: This country is very safe!

So here we go: In a few hours my ship will leave the harbour of Limassol – Cyprus and normally tomorrow for lunch I will be in Haifa – Israel! And with that option I feel extremely good now – special thanks to Hagar, her boyfriend whose name unfortunately I forgot and to Nick!

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Bye bye Europe!

Es ist so weit: In gut einer Stunde treffe ich mich am Hafen mit dem Herrn der Salami-Linie zur Immigration-Control. Ein bisschen bin ich schon aufgeregt, wie das jetzt wird. Klingt jedenfalls nach einem ziemlichen Tam Tam. Und außerdem veranlasst die Ladestation für mein Tablet, die ich hinten in meiner pinken Box habe, wie immer ein bisschen Nervenkitzel…die sieht im Durchleuchtungskasten nämlich aus wie eine 1A Bombe! Aber hoffen wir mal, dass mir die nicht hoch geht!

Jedenfalls denke ich jetzt einfach positiv und gehe davon aus, dass ich irgendwie schon auf den Kahn kommen werde. Und wenn dann nicht noch etwas Außerplanmäßiges passiert, werde ich morgen Früh das Schiff auch wieder verlassen. Und zwar in Haifa. Das ist… in Israel!

Und wie ich jetzt auf diese Straße gekommen bin, erzählt euch die unglaubliche Geschichte 109!

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Die Entscheidung

Heute ist der entscheidende Tag! Ich gehe zum Frühstück im Hotelcafé und dann steht der Gang zum Ticketschalter der Schiffslinie an. Wer wird wohl Recht haben? Der Schrankenoffizier vom Hafeneingang oder Nick?

Es ist jetzt Neun, ich fahre zum Schalter. Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, denn das, was jetzt gleich hinter der Glastür da drin passiert, wird meine Reisezukunft entscheiden! Komme ich weiter? Oder muss ich zurück? Gar nicht lange darüber nachdenken, los, rein mit dir!

Drin werde ich freundlich in Empfang genommen. Als ich mein Anliegen schildere, werde ich streng gemustert. Und befragt. Und von einem Schreibtisch zum nächsten weitergeschickt. Doch am Ende kriege ich für schlappe Zweihundertfünfunddreißig Euro endlich den entscheidenden Fetzen Papier in die Hand gedrückt! Und morgen um Zwölf treffen wir uns am Hafen zur Immigration-Control, junge Dame!

Wenn da jetzt nicht in allerletzter Sekunde noch etwas schief geht, werde ich also morgen nach guten Sechseinhalb Monaten Reisezeit dem heimatlichen Europa endgültig Good-bye winken! Und zwar vom Deck eines Frachtschiffes der „Salamis Shipping“. Klingt das nicht fantastisch?

 

Limassol / Zypern (Hotel Pefkos – warten auf die Fähre)

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112_Just Bullshit!

Der Tag beginnt, wie der gestrige aufgehört hat: Zehn Zentimeter über dem Boden. Ich kann heute mal ausschlafen, denn die Sonne brennt nicht so, wie sonst und außerdem gibt mir der Strohballen Schatten. Ich starte also nach einem gemütlichen Müslifrühstück so gegen Zehn und genieße die letzten Bilderbucheinträge aus dem Kapitel Zypern. Denn mein heutiges Tagesziel ist Limassol, die Hafenstadt im Süden der Insel. Von dort möchte ich die Fähre nehmen. Wenn´s denn da eine gibt…

Zur Mittagshitze (die Sonne hat mittlerweile auch ausgeschlafen und kennt offensichtlich weder eine Sonntags- noch eine Wochenendruhe…) komme ich im Hafen an. Die beiden Mitarbeiter empfangen mich freundlich, nehmen mir aber gleich mal den Wind aus den Segeln: Heute keine Fähre. Morgen…auch nicht. Das heißt: Schon! Aber nicht für dich! Ich frage, wie er das genau meint. Na, du wirst da nicht mitkommen dürfen! – Ja aber warum nicht? – Weil die da solche Leute wie dich sicher nicht haben wollen! – Wer? Wer will mich nicht haben? Er gibt mir keine konkrete Antwort. Wiederholt nur immer wieder, dass er jetzt seit gut Vierzig Jahren diesen Job hier macht und Leute wie ich haben noch nie eine Chance gehabt, auf dieses Schiff zu kommen. Das könnte ich jetzt glauben oder nicht. Dann verfällt er ins Jahr 1974, als Zypern von der Türkischen Armee eingenommen worden ist, zumindest der Nordteil. Und wie dieser Konflikt noch immer anhält. Und dass ja auch in Berlin die Grenze mitten durch die Stadt verlaufen ist usw usf. Ich meine dann nur, dass das nicht mehr meine Generation sei und dass ich nur weiterreisen will von Zypern aus! Und dann erkläre ich ihm noch etwas sehr Wichtiges: Meine Erfahrung, lieber Herr Schrankenwachmann, ist, dass die Leute keine Grenzen kennen! Egal, wo ich bisher war – ob in Ungarn, Kroatien, Montenegro oder Albanien, in Griechenland und in der Türkei und genauso auf Zypern habe ich immer Hilfe und Unterstützung, offene Arme und ein freundliches Lächeln empfangen. Grenzen, lieber Herr Wachmann, Grenzen sind ein rein erfundenes Konstrukt der Politik! (…und so was von für´n A…!)

Dann bin ich in die Stadt gefahren und musste mich erst mal in den Schatten setzen. Auf jeden Fall würde ich trotzdem zu dem Ticketschalter der Schifffahrtsgesellschaft gehen, wenn die morgen wieder offen haben würden. Den Kontakt hat er mir ja immerhin gleich gegeben. Aber irgendwie ist damit jetzt das beschwingte Gefühl von gestern dahin. Ich fühle mich, als ob ich mit jedem Schritt gute Zehn Zentimeter unter die Grasnabe einsinken würde…

Dann setzt sich ein ruhiger, älterer Herr zu mir auf die Sitzgarnitur. Wir sprechen nicht viel. Er ist mit seinen Mails beschäftigt. Aber dann kommen wir doch auf meine Reise zu sprechen und auf meine aktuelle Geschichte mein dieser: Also, ich war mein ganzes Leben lang im Schiffs-Business tätig. Ich kenne mich aus! Das, was dir dieser Typ da erzählt hat, ist Bullshit. Nichts als Bullshit!

…und jetzt gehe ich zumindest wieder auf dem asphaltierten Nullnievau. : )

 

Limassol / Zypern (Hotel Pefkos)

Tages-Km: 53,29km / -Zeit: 3:12h / -Höhenmeter: 412m

Gesamt-Km: 6.731km / -Zeit: 464:29h / -Höhenmeter: 62.387m

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111_Schwerelos

Nach einem gemütlichen Vormittag bei Savvas und seiner Familie starte ich gegen Mittag in einen traumhaften Tag: Die Fußgängerpromenade entlang am Wasser führt mich mitten durch wunderhübsche Hotelanlagen. Hui, also so ein Spaß! Die runzligen, weiß-lila Dauerwellen legen ängstlich ihre Ohren an, als ich durch den Torlauf aus Sonnenschirmen steche. Dann lege mich ein bisschen in den Schatten einer Palme für ein ausgedehntes Mittagsschläfchen. Und ab Vier erwartet mich die alte Küstenstraße Richtung Limassol und sagenhaft schöne Landschaft. Zum Sonnenuntergang sitze ich ganz oben auf der Klippe und höre nichts außer dem Meer, das unter meinen baumelnden Füßen rauscht. Und dann finde ich mir ein hübsches Plätzchen auf einem frisch abgemähten Getreidefeld zum Schlummern. Solche Tage fühlen sich an, als könnte man Zehn Zentimeter über dem Boden schweben!

 

Pissouri / Zypern (Zelt)

Tages-Km: 49,39km / -Zeit: 3:04h / -Höhenmeter: 455m

Gesamt-Km: 6.678km / -Zeit: 461:17h / -Höhenmeter: 61.974m

 

 

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110_Donald Duck

Es ist jetzt schon Samstag Vormittag, also ein Tag später und ich muss die letzten Drei Tage aus dem Rückspiegel erzählen – wieder einmal! Denn es passieren unglaubliche Ereignisse am laufenden Band! Also fange ich mal bei gestern an:

Ich bin gestern zum ersten Mal richtig, richtig und tief entspannt durch Zypern gekurvt und konnte endlich alles hier in vollen Zügen genießen. Warum nicht schon vorher? Weil mir bisher noch immer und immer wieder die Entscheidung im Magen gelegen ist, was kommt nach Zypern? …aber davon schreibe ich euch in den Beiträgen 108 und 109 mehr! Wie gesagt: Gestern war ein unglaublich schöner Radfahrtag!

Ich fuhr durch Getreidefelder, es rauschte und zwitscherte neben mir, es summten die Grillen, die Sonne schien und der Wind wehte mir fast immer eine frische Brise ins Gesicht. Die Straße war klein und wurde immer kleiner, wurde zum Weg und der wurde immer unwegsamer. Und am Ende war ich total verirrt irgendwo im Zypriotischen Naturschutzgebiet, holperte über Stock und Stein und hoffte nur inständig, dass ich nicht auf dem Weg in eine Sackgasse war! Denn es ging nur (steil) bergab und zurückschieben wäre schier unmöglich gewesen! (Hätte zumindest Tage gedauert!) Unten am Meer konnte ich schon die Straße sehen, die gerade noch in der Karte eingetragen war. Und Gott sei Dank kam ich dort auch an! Da musste ich erst einmal in die tosenden Wellen springen, um mich abzukühlen und dann hastig den letzten `Hindelanger Berglerstecken` zu zwei Scheiben Knäckebrot und einer Minitüte Salzstangen schnupfen – Hunger!

Doch lange hielt das Knusperzeug nicht her. Ich fuhr Richtung nächstes Städtchen. Doch eigentlich wollte ich da zu solch später Stunde nicht mehr hineinfahren – Zelten ist da immer schwierig! Ich fragte also in einem Restaurant am Straßenrand, ob ich hier etwas essen und vor allem mit Karte bezahlen könnte. Ging leider nicht, da der Kartenleser defekt war. Sie schickten mich ins Ortszentrum zu einem Bankautomaten. Doch ich versuchte mein Glück erst etwas weiter zurück in einem anderen Restaurant: Wir nehmen auch keine Kreditkarte! „Aber versuch´s doch an der Tanke da drüben.“ Ich fahre zur Tanke: „Klaro, kein Problem. Alle zahlen doch heute mit Karte!“ Puuuh, endlich was ordentliches zu Essen! Mein Magen knurrte schon! „Aber wir schließen in Zwanzig Minuten, zum Essen gibt´s hier nix mehr!“ Ich ging also wieder zum letzten Restaurant und fragte den Wirt, was er mir für Fünf Euro machen könnte. „Omelett vielleicht?“, sagte der. „Oder Salat?“ Ich fragte, ob er denn keine Nudeln habe. Nackige Nudeln mit Olivenöl und Salz, das wär schon ein Traum! Salat hatte ich die letzten Tage in einer Tour. Und seit meine Gurken alle vertilgt sind hängt mir Salat eigentlich bei den Ohren raus! „Nudeln haben wir nicht!“ Da ging ich zum allerersten Lokal und checkte nochmal die Aushangkarte: Donald Duck kostet Vier Fünfzig und dahinter verbirgt sich eine Kinderportion Spaghetti Bolognese. Ich konnte mein Glück kaum fassen, setzte mich und bestellte. Da schaut mich der Kellner etwas verdutzt an… Donald Duck? Ob ich mir schon sicher sei? Ja, bin ich. Ich habe Fünf Euro und das ist das einzige, was ich mir leisten kann. Und genau, was ich jetzt brauche: Pasta. Also bitte!

Während die Nudeln köcheln erzähle ich ihm ein bisschen von meiner Reise. Dann klingelt eine Glocke und der Chef persönlich bringt mir eine Megaportion Spaghetti: „Eine Kinderportion!“ schmunzelt er. Er spricht Deutsch und fragt mich, wo aus Deutschland ich herkomme. „Aus München“, sage ich. – „Woher genau, ich war auch in München“ – „Ja hmm, also eigentlich komme ich ja gar nicht aus München…“ – „Ja woher?“ – „Aus dem Oberallgäu“ – „Woher genau?“ – „Aus Sonthofen.“ – „Ja, ja, kenne ich, kenne ich!“ – „Das gibt´s ja nicht“, sage ich. „Waren Sie mal dort?“ – „Ja klar, ich war Achtundzwanzig Jahre in Deutschland, davon Sechs in Sonthofen und Fischen. „In Fischen?“, frage ich. „Ja was haben Sie denn da gemacht?“ – „Ich hatte da eine hübsche Griechische Restaurant…“ Und dann kam mir ein Gedanke: Meine Tante hatte immer etwas vom `Griechen gegenüber` erzählt. Ich frage, ob er sie kennt. „Na klar! Na klar! Die waren oft hier!

Dann tranken wir ein Bier und durchforsteten das Internet nach der Telefonnummer meiner Tante. Und nach Sechzehn Jahren ruft bei der nun um Zehn in der Nacht der `Grieche von gegenüber` an, fragt sie, wie´s ihr so geht und erzählt, dass ihre Nichte gerade bei ihm auf Zypern bei einem Bierchen sitzt…

Ich durfte dann auf einem der Sofas auf seiner Terrasse schlafen und warte nun, dass er jeden Moment kommt, um das Lokal aufzusperren und mir auch seine Frau vorzustellen. So klein ist die Welt!

Und bestimmt gehe ich recht in der Annahme, dass er alle, die das lesen und sich noch an ihn erinnern, ganz herzlich grüßt! Ich grüße euch übrigens auch! Und ich danke Savvas und seiner Familie für die unglaublich großzügige Bewirtung, die Schlafcouch, die Dusche, das Bier, den Kaffe, das einzigartige Sandwich und natürlich die XXL-Portion Donald Duck – für alles einfach!

 

Pegeia / Zypern (Im Restaurant bei Savvas)

Tages-Km: 51,25km / -Zeit: 4:58h / -Höhenmeter: 898m

Gesamt-Km: 6.628km / -Zeit: 458:12h / -Höhenmeter: 61.519

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109_Himmelsspiel III

Um dem richtigen Bauchgefühl noch ein bisschen Zeit zu lassen, sich zu entwickeln, hat mein Unterbewusstsein beschlossen, nichts zu überstürzen heute! Ohnehin ging es wieder einmal viel bergauf und das damit verbundene, langsame Vorankommen war mir nur mehr als recht! Ich überquerte genüsslich die Grenzübergänge und kehrte mit Vergnügen bei Jayanthi und Ihrer Hausherrin zum Kaffee ein, als diese mich auf der Straße aufgabelte. Daraus wurde noch ein unheimlich leckeres Mittagessen mit original Rezepten aus Sri Lanka, ihrer Heimat!

Doch irgendwann musste ja auch dieser Tag ein Ende nehmen. Und das tat er schon recht zeitig, damit ich dem nächsten Tag nicht allzuviele Kilometer wegnahm! Ich beschloss, mein Zelt auf den Holzdielen eines noch leeren Sommerpavillons aufzuschlagen. Normalerweise wäre dieser Platz wohl die Terrasse des Restaurants gegenüber an der Hauptstraße. Doch das war noch geschlossen und so hatte ich einen Traumplatz mit Blick auf´s Meer, der mich gleichzeitig durch den dunklen Schatten des Daches und den Tresen unsichtbar für Passanten machte. …vorbeifahrende Passanten, muss ich sagen! Oder zumindest Passanten, die die Straße zum Passieren benützen.

Wie gesagt: Es war noch früh am Tag und ich beschloss, mich erst noch ein bisschen in die Sonne am Strand zu hauen, bevor ich mein Zelt aufschlagen würde. Und da passierte das schier Unmögliche! Ich liege da und sehe auf den gut Zwanzig Kilometern Strandlänge nicht eine Menschenseele! Nur eine Frau plantscht als Pünktchen am Horizont. Doch kaum lege ich mich hin, kommt diese Frau nach und nach immer näher, wie mir schein. Ich beobachte das nur stichprobenartig. Und als sie langsam nahe genug kommt, erkenne ich, dass sie in Wirklichkeit ein Mann ist. Und vor allem hat sie noch eine Begleitung dabei…noch ein Mann. Es kommen also ganz, ganz langsam zwei Männer am ansonsten leergefegten Strand auf mich zu. Das kommt mir seltsam vor. Warum immer zu mir? Warum? Ich drehe mich auf den Bauch, sehe nach rechts und sie verschwinden in meinem toten Winkel. Ich drehe den Kopf, schaue nach links und beobachte, wie sie weitergehen…ob sie weitergehen. Und was sie sonst noch tun. Nichts. Eben! Kein Gaffen, kein Glotzen. Sie gehen einfach vorbei! …seltsam!

Doch ich entspanne mich und schlafe ein. Nur nicht tief! Nach einer Weile folgt nochmal der Kontrollblick, wo die beiden mittlerweile hingegangen sind. Und es darf nicht wahr sein: Sie kommen gerade wieder von links so nahe heran, dass ich sie gerade wieder im toten Winkel verschwinden sehe. Na ok, denke ich mir verschlafen, die müssen ja irgendwann wieder zu den beiden Punkten am Horizont werden. Drehen also um. Und damit fühle ich mich eigentlich sicher, denn jetzt sind die durch, und ich schlafe noch unversehrt. Und ich schlafe wohl ziemlich tief jetzt! Und jetzt kommt´s: Plötzlich – wie seiner Zeit im Zelt – schnelle ich vom Schlaf hoch um zu sehen, ob die mittlerweile weit genug weg sind. Ich blicke also nach rechts und da steht einer von den beiden direkt hinter/neben mir! Ich kriege fast einen Herzinfarkt! Dann fasse ich mich schnell wieder (innerlich) und durchdringe ihn mit einem stechenden Blick.

Das komische ist nur: Er schaut gar nicht her! Er steht gute Fünf Meter weg von mir, schaut auf´s Meer und spielt mit einem Tennisball. Aber erst nach einer Weile, als er meinen Stechblick im Nacken spürt, dreht er sich um und schaut mich an – wortlos. Beide. Dann dreht er wieder ab in die Ausgangsposition: Blick auf´s Meer, Tennisball. Ich kann das beim besten Willlen nicht einordnen! Dann suche ich nach dem zweiten Mann. Und finde ihn oben auf der Terrasse auf einer Schaukel sitzen. Mein Herz schlägt nochmal auf! Doch er tut nichts. Mein Rad steht seelenruhig und er sitzt einfach nur da und schaut – wie sein Kollege – weg von mir. In Richtung Straße. Er dreht sich nicht um. Er war auch vorher derjenige, der ohne Seitenblick vorbeigegangen ist. Jetzt vermute ich, dass der, der bei mir steht, dem oben per Handy etwas schreibt, dass ich wach bin oder so, aber wieder nichts. Der oben hat überhaupt nichts in den Händen. Er sitzt völlig blank auf der Schaukel und schaut weg. Das war das Gruseligste dran!

Ich schaue wieder zu dem bei mir. Dann nach gut einer Minute dreht er sich um, schaut mich nochmal an, geht den kleinen Abhang hinauf zu seinem Kumpel, bleibt neben ihm stehen, sagt offenbar etwas, daraufhin erhebt sich der andere von der Schaukel und sie gehen in Richtung der Straße davon. Und wieder bleibt der erwartete Rückwärtsblick aus!

Ich verstehe diese Typen nicht! Ich halte sie zuerst für Stranddiebe. Aber an einem Strand ohne Touristen? Und mit Blick auf´s Meer anstatt auf meine Sachen? Und der andere war auch nicht an meinem Rad zugange sondern völlig desinteressiert am Stehlen, wie es schien. Außerdem hätten die mich schon längst ausrauben können – tief genug habe ich ja geschlafen. Und lang genug auch. Da hätten die nicht noch stehen bzw. sitzen bleiben brauchen! Es musste offenbar etwas anderes sein. Aber wie erwähnt: Wirklich interessiert scheint sie mein Anblick ja auch nicht zu haben. Wieso haben die so auffällig nichts getan und so auffällig weggeschaut? Es war so, so rätselhaft, dass ich am Ende beschloss, diesen herrlichen Platz doch noch aufzugeben und mir einen anderen zu suchen. Und dazu fuhr ich zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Denn die beiden waren in die Vorwärtsrichtung gegangen und denen wollte ich ja entkommen. Ich hatte auch schon einen weiteren guten Platz im Sinn, da steuerte ich jetzt hin!

Doch unterwegs zog es mich wie durch einen Magneten auf ein abgemähtes Getreidefeld. Auch ein schöner Platz! Und kaum hatte ich dort mein Zelt aufgeschlagen, kam ein hübsches Mädchen daher und fragte, ob ich nicht rüberkommen wollte zu Kaffee und Apfelkuchen. …das wollte ich! Und dann erzählte ich ihr und ihrem Freund von dem Vorfall. Und dann natürlich von der Reise und meinem derzeitigen inneren Konflikt. Da meinten die beiden: Wir sind aus Israel. Warum fährst du denn nicht nach Israel?

Ja genau, warum fahre ich eigentlich nicht nach Israel?

So kam die Lösung zu mir! Und im Nachhinein frage ich mich, ob die beiden Männer nun Gaffer, Diebe oder zwei Engel waren, die mich einfach nur von dem Platz, den ich mir schon ausgesucht hatte, verjagen sollten, damit ich später Hagar und ihrem Freund begegnen konnte! Möglich wäre es, denn habt ihr schon einmal erlebt, dass ihr mit einem Ohr direkt auf dem Sand liegen könnt – nicht einmal durch ein flauschiges Handtuch, sondern nur durch ein dünnes Leintuch getrennt – und jemand sich euch ungehört auf Fünf Meter nähern kann? Geschweige denn durch das dorre Gemüse den Wall hinaufklettern und sich auf die rostige Schaukel setzen? Man hört doch sonst am Strand jeden Tritt der Nachbarn, wenn man den Kopf auf den Sand legt…

 

Pomos / Zypern (Zelt)

Tages-Km: 63,68km / -Zeit: 5:25h / -Höhenmeter: 1.058m

Gesamt-Km: 6.577km / -Zeit: 453:14h / -Höhenmeter: 60.621

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108_King Edward von Zypern

Da bin ich nun. Das Schiff hat mich ausgespuckt und ich schleiche im Schneckentempo vom Hafengelände. Es ist seltsam: Ich verspüre nicht die erwartete Neugier, vermisse den Drang, die Insel zu entdecken. Stattdessen ziehe ich mich erst Mal um, creme mich ein, tausche noch Kontakte aus mit den beiden zukünftigen Kapitänen großer Schiffe, die im Moment zum Praktikum im Laderaum verdammt sind und schwinge mich dann gemächlich auf´s Rad zur Passkontrolle. Es geht alles unkompliziert hier und `Plopp`: Los kann´s gehen!

Doch ich will gar nicht so recht losstarten! Dann holt mich ein Motorradfahrer ein. Er ist auch dick aufgepackt und bald stellt sich heraus, dass er seit mittlerweile Drei Jahren unterwegs auf Weltreise ist und für Zypern noch dringend eine Karte braucht. Edward heißt er und ich biete ihm meine an, denn nachdem Mama mir die Karte so abenteuerlich hinterhergeflogen hat, ist mir aufgefallen, dass für Zypern ein kleiner Kartenteil von der Türkeikarte abgezwackt worden ist. Jetzt habe ich Zypern also doppelt und was soll ich anderes machen, als sie im anzubieten – man hilft sich doch gegenseitig! …und so kriege ich als Gegenleistung ein leckeres Frühstück bestehend aus der vogelwilden Kombination von Toastsandwich, Salat, Chips (alles auf einem Teller!) und einem Kübel Cappuccino.

Dann fragt mich Edward, wie lange ich hier auf der Insel bleiben werde. Gute Frage, Edward! Ich habe keine Ahnung! Und da muss ich wohl raus mit der Sprache: Als ich gestern auf die Fähre gewartet habe, hatte ich endlich Zeit (und Internet), meine Mails zu lesen. Mama hatte geschrieben: Ihre Freundin hat gute Bekannte, die seit vielen, vielen Jahren nach Ägypten reisen – völlig problemlos. Doch dieses Jahr sei alles anders gewesen: Straßensperren überall auf dem Weg vom Flughafen in Kairo zum Hotel. Mama gibt mir das nur neutral durch und schreibt dazu, dass ich vielleicht nochmal in mich kehren und mein Bauchgefühl aufmerksam konsultieren sollte, bevor ich dort einreise. (Dafür liebe ich sie wirklich: Sie hat sicher unheimlich Angst um mich, aber würde nicht im Traum auf die Idee kommen, mir meinen Weg vorzuschreiben. Sie bittet mich nur, auf mein Gefühl zu hören…). Ich bin ihr sehr dankbar für diese Nachricht, denn hier draußen bin ich auf solche wichtigen Informationen angewiesen. Nur leider kommt sie zu spät: Das Ticket für die Fähre nach Zypern habe ich gestern schon gekauft.

Der Plan sieht vor, vom Fährhafen im Norden der Insel im Halbkreis zum Fährhafen im Süden zu fahren. Von dort wollte ich auf die Fähre nach Ägypten, die es im Übrigen tatsächlich zu geben scheint, wenn man den Leuten hier Glauben schenken darf. Ja aber soll ich die tatsächlich auch nehmen? Ich weiß es nicht! Ich habe zudem noch eine Aussage von dem Freund von Hilal, die ich in Izmir so schicksalhaft kennengelernt habe. Dieser Freund wohnt in Kairo und hat mir geschrieben, dass er mir im Moment eigentlich alles andere als raten würde, als Frau dort alleine Fahrrad zu fahren…

Nun, ich habe ja noch Ein, Zwei, Drei Tage Zeit, mir das zu überlegen. Zur Not fahre ich den Halbkreis um Zypern herum einfach fertig und nehme im dritten Hafen im Osten der Insel wieder eine Fähre zurück in die Türkei, fahre dort einmal quer durch´s Land nach Erzurum, um mein Visum für den Iran zu holen und gehe dann doch die Variante `Durch die Mitte`. Diese würde dann mit einer Fähre vom Iran nach Dubai, einer anschließenden Fahrt mit dem Rad nach Muskat im Oman und einer weiteren Fähre von dort nach Mumbai endlich in Indien enden. Doch das würde alles so lange dauern, dass ich für Indien keine Zeit mehr haben würde: Ich muss ja Anfang September schon wieder zurück nach Deutschland!

Gleichzeitig ist die Aussicht für Ägypten alles andere als rosig und hat sich seit der ursprünglichen Planung ohnehin schon radikal reduziert: Von Anfangs Ankunft im Hafen, Fahrt nach Kairo und zu den Pyramiden, Ausflug in die Nil-Region bis vielleicht Hurghada oder noch weiter südlich ist vorübergehend nur noch Kairo (Visum für Indien) und die Pyramiden übriggeblieben. Und jetzt sollte das auch schon nicht mehr möglich sein? Dann würde ich also gleich in Port Said bleiben und mir von dort nur schnell ein Schiff nach Indien suchen? Das hat ja mit einem Ägyptenbesuch eigentlich nichts mehr zu tun!

Ach, was soll ich denn bloß machen…?

Edward schaut mich noch immer an und erwartet offensichtlich noch einen Abschluss meiner Ausführungen. Und da sage ich ihm: „Ich glaube, ich werde einfach zu dem Hafen fahren, wo die Fähre ablegt und dann wird schon mein Gefühl mir den richtigen Weg weisen.“ Und das Schönste war seine Reaktion auf die vage Antwort: „Mach das, das verstehe ich perfekt! Das ist genau das Richtige!“

 

Yesilyurt / Zypern (Zelt)

Tages-Km: 67,14km / -Zeit: 4:18h / -Höhenmeter: 532m

Gesamt-Km: 6.514km / -Zeit: 447:48h / -Höhenmeter: 59.562

 

 

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