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Spiess umgedreht!

Halb Sieben in der Früh, nicht wirklich richtig Früh, wie vorgenommen. Doch in Wirklichkeit wäre mir einfach nur nach umdrehen und weiterschlafen. Ich quäle mich auf die Beine und meine Schlaftrunkenheit und nicht erholte Müdigkeit in den Gliedern stellen mir die entscheidende Frage: Wer jagt hier eigentlich wen? Ich den Papst? Oder er mich?

Ich fühle mich von Ihrer Heiligkeit enorm unter Druck gesetzt! Wie soll ich das eigentlich schaffen? Bis hinauf nach San Cristòbal sind es Vierzig Kilometer nur bergauf. Auch das weiß ich aus dem Erfahrungsbericht von Davide. Für eine Recherche von Details wie Streckenprofil, exakte zu überwindende Höhenmeter, Streckenlänge fehlte mir gestern die Zeit. Es wird kein Spaziergang, das steht fest! Doch ich will ja nicht nur ankommen, ich will ja rechtzeitig ankommen, um noch den Papst zu sehen! Und was, wenn ich mich dafür jetzt bis zum Anschlag verausgabe und am Ende ist er gar schon wieder weg? Und ich habe aber trotzdem keine Unterkunft, weil mir bisher nämlich keiner geantwortet hat von den Couchsurfern?

Ich konsultiere die Website von Radio Vatikan. Da steht das Papstprogramm in Mexiko zu lesen. Auf die Uhrzeit genau! Und weiterhin steht da, dass ich ein bilderbuchmäßiger Dummkopf wäre, dieses Spiel auf Zeit zu riskieren: Schließlich predigt er dort oben schon um Zehn am Vormittag und verlässt die Stadt wieder so gegen Mittag…mit dem Hubschrauber! Also auf der Straße begegnen würden wir uns dann ja wohl auch nicht. Ich lese weiter: „Ankunft in Tuxtla: 15:00 Uhr…“ Ach, der kommt also hierher nach Tuxtla auch noch? Na, das ist doch aber ein feiner Zug von Ihrer Eminenz. Und so will es mein Schicksal, dass es ist wie so oft: Wenn man etwas zu verbissen anstrebt und es einfach nicht erreichen kann, sollte man loslassen. Und es kommt von ganz allein zu einem!

 

Tuxtla, Mexiko (Hotel de Tuxtla)

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